Verschwitzt, hungrig, müde, aber mehr als glücklich – so fühle jedes Mal nach einem anstrengenden Tag in den Bergen. Besonders wenn ich nach einem langen Anstieg das Ziel in Gipfelnähe erreicht haben und mit einem grandiosen Blick für die Strapazen belohnt wurde. Dann ist alle Mühe sofort vergessen und ein Gefühl von Freiheit kommt in mir hoch. So auch bei meinem Trip in die Schweiz beim Wandern in Flims. 

Segneboden mit Blick zum Martinsloch

Dieses Mal sorgte Graubünden für so manchen Glücksmoment. Um genau zu sein die Region um Flims. Ja genau, das Flims, welches die Wintersportler unter euch eher in einem Atemzug mit Laax kennen und mit erstklassigen Schneebedingungen, den Laax Open und großartigen Winteraktivitäten verbinden. Doch Flims hat auch in der schneearmen Jahreszeit einiges an Highlights zu bieten, denn Wandern in Flims ist einfach nur herrlich und hat so viel für euch zu bieten!

Wandern in Flims: Back to Basic – Hoch hinaus im Segnesgebirge

Mein persönliches Highlight war der Aufstieg ins Segnesgebirge. Einfach mal wieder Back to Basic. Schlafen im Bettenlager auf 2.627 Metern ohne Internet, ohne Handyempfang – Entschleunigung pur. Von Flims aus geht es zuerst noch recht entspannt mit dem Sessellift zur Bergstation Naraus, von wo aus ihr in die Wanderung zur Mountain Lodge einstiegt. Vorbei an friedlich grasenden Bergkühen, grünen Wiesen und kleinen Flüssen führt der Panoramaweg in ca. zwei Stunden zur Zwischenstation der Segneshütte, wo ihr euch bei einem deftigen Mittagessen mit Bündner Spezialitäten noch einmal so richtig stärken und eure Energie für des Rest des noch 3 – 4 stündigen Anstiegs sammeln könnt.

Panoramaweg zu Segneshütte

Von hier aus geht der Rest der Wanderung am unteren Segnesboden entlang weitestgehend über ein ehemaliges Gletscher-Plateau, welches sich über Hunderte von Jahren zurückgebildet hat und ein Landschaft freilegte, die an Neuseeland erinnert. Hier könnte man definitiv eine Schweizer Version von Herr der Ringe drehen.

Blick auf den unter Segnesboden

Beeindruckend ist auch das Martinsloch, eine Felsformation in Form eines Lochs in Mitten der Tschingelhörner. Die Gebirgskette zählt zum UNESCO Welterbe Tektonikarena Sardona und entstand bei dem Zusammenstoß der europäischen und afrikanischen Kontinentalplatte. Das -Besondere hieran ist, dass man hier die Überschiebung ganz klar erkennen kann. Wie eine Linie zieht sie sich durch das Gebirge und trennt optisch die unterschiedlichen Gesteinsschichten. Ein weiterer interessanter Punkt hieran ist, das die oberen Schichten älter als die darunter liegenden sind.

Blick auf Martinsloch

Beeindruckende Felsformationen!

Blick Richtung Tschingelhörner

Die letzten Meter des Aufstiegs führen über Geröllfelder, die einer Mondlandschaft ähneln. Wir kreuzen die letzten vom Winter noch übrig geblieben Schneepassagen und gehen nochmal richtig an die letzten Energiereserven.

Wandern in Flims: Übernachtung in der wunderschönen Mountain Lodge

Die Hütte befindet sich Mitten im Fels und hat eine kleine Terrasse, von wo aus ihr einen perfekten Blick auf den Sonnenuntergang habt. Die Mountain Lodge ist sehr spartanisch ausgestattet, bietet ein Bettenlager für bis zu 15 Personen, einen kleinen Vorraum mit einem Kachelofen, der für urige Gemütlichkeit sorgt, und die wohl abenteuerlichste Toilette, die ich bisher gesehen hab. Ein Dixi Klo direkt am Abhang. Bei Nacht sollte man die Taschenlampe nicht vergessen.

Segnespass auf 2627m

Der Scheitelpunkt des Segnespass liegt auf 2.627 m. Hier befindet sich auch die Mountain Lodge.

Ankunft an der Mountainlodge

Zu Essen gibt es nur das, was der Koch gerade noch so da hat, in unserem Fall hervorragende Spaghetti mit Pesto und Gemüse, davon aber reichlich, um die Energiespeicher für den nächsten Tag zu füllen. Zudem waren auch reichlich Wein und Gesellschaftsspiele vorhanden. Der Preis für eine Übernachtung mit Halbpension liegt bei 75,- CHF.

Blick Richtung Tschingelhörner

Ausblick von der Mountain Lodge

Auf dem Weg zum Gipfel

Marc auf dem Weg zum Gipfel

Aufwärmen in der Mountainlodge

Strickpullover sollten im Gepäck nicht fehlen.

in der Mountainloge

Reichlich Wein und Gesellschaftsspiele gehören zum Inventar der Mountain Lodge

Kochen in der Mountainlodge

Wandern in Flims: Der Wasserwanderweg Trutg dil Flem

Für den Abstiegt empfiehlt sich der Rückweg über die felsige Mondlandschaft des Tektonikarena Sardona, vorbei ab den Wasserfällen auf den unteren Segensbodens. Von dort aus könnt ihr den Umweg „Trutg dil Flem“ nehmen. Hierbei handelt es sich um einen einem Wasserwanderweg mit seinen sieben Brücken entlang eines reißenden Baches Richtung Flims.

Abstieg über Trutg dil Flem

Wandern in Flims führt über raues Terrain

Turtg dil Flem - Wasserwanderweg

Der Wasser Wanderweg „Trutg dil Flem“

Marc am Wasserwanderweg

Hier empfiehlt sich definitiv ein Zwischenstopp im Ustria Startgels zum Mittagessen, z.B. die frisch über offenem Feuer zubereitete Polenta oder einem Stück hausgemachten Kuchen. Besser kann eine zwei Tagestour nicht enden.

Blogger beim Mittagessen

Immer fleißig am Fotografieren

Essenzubereitung über offenem Feuer

Wandern in Flims: Der Pinut – der älteste Klettersteig der Schweiz

Wie ihr ja bereits von meinem letzten Post wisst, ist frühes Aufstehen echt nicht so mein Ding. Dieses Mal ging es um 3:30 Uhr mit Stirnlampe und Klettersteig Set bewaffnet los. Der Pinut ist der älteste Klettersteig der Schweiz, er befindet sich am Flimserstein und wurde bereits im 18. Jahrhundert von Bauer genutzt, die die Pinutwiesen landwirtschaftlich nutzten.

Am einfachsten ist der Einstieg von Parkplatz Fidaz, vorn hier aus seid ihr in ca. einer halben Stunde am Start des Klettersteigs. Obwohl der Pinut zu den leichteren Klettersteigen gehört, sollte man gerade beim Ersten der drei Abschnitten doch recht schwindelfrei sein. Stellenweise hat ich dann doch etwas weiche Knie im Morgengrauen auf solche schmalen Passagen unterwegs zu sein und war froh über das Klettersteig Set. Für Anfänger empfehle ich ganz klar diese Tour mit einem Bergführer zu machen. Generell halte ich es für sinnvoll, den Klettersteig mit Helm und Steigset zu besteigen, dann kann euch auch nichts passieren.

Am Pinut-klettersteig

Der Klettersteig teilt sich auf 3 Etappen auf und dauert ca. 3 Stunden. Er bietet durch seine terrassenförmige Anordnung immer wieder schöne Gelegenheiten zum Pausieren und die Aussicht zu genießen. Wenn ihr entsprechend früh am Morgen startet, könnt ihr den Sonnenaufgang über Graubünden erleben.

Helen am Pinut

Oben an der Alp Flimserstein angekommen, habt ihr über 800 Höhenmeter zurückgelegt und befindet euch jetzt auf 2.053 m. Von hier aus habt ihr einen tollen Fernblick und könnt euch etwas stärken. Es gibt einen kleinen Selbstbedienungskiosk, bei dem ihr lokale Köstlichkeiten wie Käse und Salzis (geräucherte Wurst) kaufen könnt, Kaffee und Kaltgetränke stehen euch hier auch zur Verfügung.

Caro und Martin beim Abstieg nach Bargis

Der Abstiegt erfolgt über eine alte Römerstraße, die Scale Mola, in Richtung Bargis und dauert erneut ca. 2 – 2,5 Std. und glaubt mir, dieser ist nicht minder anstrengend als der Aufstieg. Am Berghaus Bargis habt ihr die Möglichkeit, mit einem Bus wieder Richtung Films zu fahren. Zuvor kann ich euch noch die leckeren hausgemachten Kuchen und den Bergkräuter Eistee im Berghaus Bargis empfehlen.

Wandern in Flims: Entspannung und Genuss am Caumasee & Crestasee

Der Caumasee ist wahrhaft eine Augenweide, mitten in Films gelegen und ein absolutes Muss, um nach dem Wandern oder Biken wieder etwas Energie zu tanken. Als bekennender Bergromantiker bin ich immer auf der Suche nach tollen Bergseen als Fotomotiv für meine Prints zu Hause. Die Anzahl beeindruckender Bergseen der Schweiz ist gigantisch. Der Caumasee reiht sich nahtlos in hier ein, hat jedoch einen entscheidenden Vorteil zu bieten: die Wassertemperatur. Hier lässt es sich entspannt baden, ganz ohne Frostbeulen. Während mich die meisten schön anzusehenden Bergseen mit eisigen Temperaturen vom spontanen Reinspringen abhalten, ist der Caumasee mit 17 – 21Grad angenehm erfrischend.

Caumasee von oben

Neben dem Rundwanderweg findet ihr hier zahlreiche sportliche Aktivitäten wie ein Volleyball-Feld, die Möglichkeit euch Tretboote zu leihen oder Stand Up Paddeln auszuprobieren. Der Eintritt für den Caumasee liegt bei 12,- CHF – eine Investition, die sich lohnt.

Bootsverleih am Caumasee

Wandern in Flims: Die kleinere See-Alternative, der Crestasee

Wem zur Hochsaison am Caumasee zu viel los ist, der findet unweit hiervon den kleineren aber nicht minder schönen Crestasee, ein kurzer Fußmarsch von 15-20 Minuten führt euch zu diesem Geheimtipp . Auch hier findet ihr Paddelboards und Ruderboote zum Ausleihen.

Blick auf den Flimserstein

Zudem findet ihr hier noch eine öffentliche Grillstelle für euer Bergsee Barbecue vor einem grandiosem Panorama. Lokaler Tip: Süße Teigschnecken vom Grill. Einfach Pizzateig mit Ovomaltine Aufstrich füllen und ab damit auf den Grill. So verdammt lecker, dass ich mir gleich mal ein Glas Ovomaltine gekauft habe. Der Eintritt für den Crestasee liegt bei 7,- CHF.

Seilschschaukel am Crestasee

Wahnsinnig idyllisch hier!

Stand up paddeln am Crestasee

Nachdem ich die Region nun bereits zu fantastischen Bedingungen im Sommer als auch im Winter kennen gelernt habe, kann ich mir wahrlich nicht entscheiden, was mir besser gefällt. Auch wenn ich mich selbst eher als Wintermenschen sehe und die tolle Piste und das breite Angebot für all Wintersportarten sowie die urbane Kultur feiere, ist dieses schönes Fleckchen Erde im Sommer einfach ein grandioser Wohlfühlort, der so viel zu bieten hat. Letztendlich kann ich versprechen: Ihr werdet euch in die Region verlieben – egal zu welcher Jahreszeit. Ich bin sicher, ich werde im Herbst mal wieder vorbei schauen, wenn die Wälder sich golden färben, der Frühnebel in den Tälern liegt und der Indian Summer seinen Höhepunkt erreicht.


Der Gastautor:

Flo_Co-Blogger

Hey, ich bin Flo. Ich lebe im kleinen aber feinen Saarbrücken und arbeite dort im Bereich erneuerbare Energie, mit dem Ziel ein klein wenig die Welt zu verbessern. Meine Leidenschaft fürs Draußen-sein habe ich vor einigen Jahren in Südtirol entdeckt, seitdem nutze ich jede Gelegenheit, neue Orte zu erkunden und meiner Abenteuerlust freien Lauf zu lassen, getreu dem Motto explore new ways – anywhere. no questions. Immer mit dabei: Meine Kamera und Capri Sonne. :)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*

Total
251
Shares