Jede Flugreise kostet mir bestimmt ein Jahr meines Lebens. Egal ob billig Flieger oder Pauschalreise. Warum? Weil sie mich zu einem nervlichen Elend macht. Schon vier Woche bevor es los geht, bekomme ich leichte Angstzustände, ob denn auch alles klappt? Meine Panikattacken verlaufen immer nach dem gleichen Schema und staffeln sich in vier Phasen.

Flugreise

1. Panikphase – vier Wochen vor Reiseantritt

Kurz nachdem ich den Entschluss gefasst habe zu verreisen, geht die erste große Vorfreude in eine besorgte Nachdenklichkeit über. Flugreisen sind für mich purer Stress. Psychostress. Wenn man einmal genau darüber nachdenkt, können 100 000 Sachen schief gehen. Doch das erste Problem ist erst einmal buchen. Nur wo? Reisebüro oder stundenlang auf Flugvergleichsportalen abhängen? Eigentlich klicke ich mich gerne durch das unübersichtliche Angebot an Airlines. Dass ist ein bisschen wie Shoppen, nur das Produkt muss nicht gut aussehen, sondern einfach nur preiswert und praktisch sein. Also reines Vernunftshoppen. Problematisch ist es nur, wenn man die unterschiedlichsten Transportmittel und Wege hat, wie beispielsweise bei meinem ersten Festival, von München nach Tampa. Früh um 5 Uhr die Bushaltestelle des Flughafen-Shuttelbuses finden, von München nach London Heathrow, von Heathrow nach Gatwick. Dann endlich in die Maschine nach Tampa. Dort dann den Mietwagen finde und zum Hotelfahren. Von Tampa mit dem Zug nach Miami (wirklich abenteuerlich) und von da aus zurück nach Berlin. So eine Reiseroute im Internet zu planen ist eine mehrstündige Angelegenheit. Perfekt für Praktikanten. Habe nur leider noch keinen. Und selber traue ich es mir nicht zu. Weil wenn du den einen Flug buchst, kann der andere ja schon wieder weg sein. Deswegen ist mir ein Stein vom Herzen gefallen, als ich das Unternehmen meines absoluten Vertrauens gefunden habe – INNTRAVEL. Eine Mail mit meiner Reiseroute und drei Stunden später habe ich drei Angebote wann ich wo und wie fliegen kann. Grandios. Und ich hätte auch jemanden anrufen können, ohne eine maschinelle Stimme am anderen Ende der Leitung zu hören, sondern einen echten Menschen. Erste Panikattacke überwunden – Buchung der Flugreise hat geklappt.

2. Panikphase – eine Woche vorher

Nachdem ich fleißig in Reiseführern gelesen habe, ein Stück Vorfreude zurückgewonnen habe und mir den ersten Eindruck der Zieldestination gemacht habe, wird es langsam Zeit zu packen. Da fällt mir auf, dass ich nur einen kleinen Koffer für einen Wochenendaufenthalt habe. Also Koffer kaufen gehen. Oder Rucksack? Oder Reisetasche mit Rollen? Oder sich mal echt was gönnen und einen Rimova kaufen? Das ist eine Anschaffung, die man sich genau und gründlich überlegen sollte. Ich verschiebe dies jedoch wie immer auf das nächste Mal und leihe mir Muttis Koffer. Nur was packe ich da rein? Was brauch ich? Ich kann mir sehr schwer vorstellen, dass ich bei momentanen -12 Grad bald im Kleid am Strand rumspringen werde. Also packe ich im Grunde immer, immer für die falschen Wettervorraussetzungen und muss dann leider, leider vor Ort mich neu einkleiden. Vor dem Flug nach Florida, im Februar, habe ich einen kleinen Trick angewendet – Sauna spielen. Nicht sehr umweltfreundlich aber effektiv. Einmal die Heizung im Schlafzimmer auf volle Pulle aufdrehen, die Klamotten vom Leib reißen und schon hat man ein Gefühl dafür, wie sich 28 Grad anfühlen. Und sich eine Pack-Checkliste erstellen. Ich habe mir seit ich reise eine Checkliste aufgebaut, auf der jedes Mal zwei bis drei neue Punkte, die ich vergessen habe, mit dazu kommen. In zehn Jahren, wenn ich alles einmal vergessen habe, was man so vergessen kann und das auf meiner Liste ergänze, dann ist sie perfekt und ich verkaufe sie für viel Geld. Das letzte Mal kam auf meine Liste neu mit drauf – ausländischer Stecker für Laptop und Fön, Ersatzbatterien und Abschmink-Pads. Eine Woche vor der Flugreise drucke ich auch schon sicherheitshalber alle Dokumente einmal aus. Der Laptop könnte ja in der Zwischenzeit abstürzen und alles verschwinden. Oder der Drucker nicht gehen, oder das Papier leer sein…

3. Panikphase – vier Tage vorher

Eines nachts wache ich schweißgebadet auf. Wo ist mein Reisepass? Wo ist mein Impfpass? Brauch ich eine Impfung? Brauch ich ein Visum? Warum habe ich da vorher nicht dran gedacht?

4. Panikphase – einen Tag vorher

Oh Gott, wie ich diesen Tag hasse. Mein Verdauungstakt läuft auf Hochtouren, mein Gehirn ist absolut vernebelt. Klare Gedanken sind nicht mehr möglich. Ich bin kurz davor alles abzusagen. Ich schaff das nicht. Nur Fragen ohne Antworten. Wie soll ich das nur allein hinbekommen? Wie komme ich zum Flughafen? Habe ich alles ausgedruckt? Habe ich alles dabei. Immer wieder öffne ich den Koffer und steck doch noch etwas rein, was ich vergessen habe. Bin ich die einzige, die solch eine Panik hat? Alle 30 Minuten checke ich das Datum auf meinem Flugticket und das auf dem Kalender. Ja, es stimmt jedes Mal überein. Gutes Zeichen. Wie schwer darf überhaupt mein Gepäck sein? Kann ich einen Online Check-In machen? Wann muss ich spätestens am Flughafen sein? Wie komme ich da hin? Wo ist die Haltestelle? Auf welches Terminal muss ich? Ich habe die ganze Nacht Zeit mir darüber Gedanken zu machen und Lösungen zu finden. Schlafen kann ich sowieso nicht. Mit einem Wecker schon gar nicht – der könnte ja nicht gehen und dann habe ich die scheisse. Wenn ich zwei Wecker stelle, dann döse ich ein bisschen. Könnten ja beide nicht gehen. Bei drei Weckern fühle ich mich relativ sicher und verfalle in einen leichten Schlaf. Dieses Mal musste ich um halb 5 aufstehen, zum Flughafenbus laufen, hoffen dass er kommt, kein Stau ist, keine Autopanne hat, mich rechtzeitig abliefert, ich den Check in finde, mein Gepäck nicht zu schwer ist (habe natürlich keine Waage) und mein ESTA-Antrag ok. Und dann natürlich die selbstverständlichen Dinge, dass das Flugzeug nicht abstürzt ect.

5.Phase – Alles wird gut

Good-Morning

Und da passiert es plötzlich – als ich nach dem Flug auf dem Gepäckband meinen Koffer entdecke. Der Schalter wird umgelegt und Euphorie strömt durch meine Adern in jede Zelle. Ich bin der glücklichste Mensch der Welt. Die ganze Aufregung hat sich gelohnt um diesen Moment der Erleichterung zu genießen. Ich fühle mich wie Superwoman. Wie ein Hippie auf Ecstasy. Ich habe den Flughafen rechtzeitig erreicht und gefunden. Für eine Orientierungslose einen Ort zu finden, ist wie für einen Blinden zu sehen. Es hat sich gelohnt ein Jahr seines Lebens für diese Flugreise zu opfern diesen ganzen Nervenkrieg mit mir selber auszufechten. Dieser eine Moment, wenn die Panik in Freude übergeht, ist so grandios. Wie das erste Stück Schokolade nach einer Diät. Die Euphorie gibt mir dann so viel Zuversicht, dass ich den Rest meistens auch noch schaffe. Hauptsache der Koffer ist angekommen…

11 Kommentare

  1. Und wie gut ich dieses Gefühl kenne :) – auch nach mehr als 25 Jahren professionellen Reisens legt man das, glaube ich, nicht ab. Ich jedenfalls nicht. Vor allem die Panik, dass der Wecker nicht funktionieren könnte. Ich bin meist die ganze Nacht vorher wach …

  2. Hahaaaaa! Großartig! Diese phasen kenne ich nur zu gut! Genauso ergeht es mir auch immer und immer wieder! Und ja, hauptsache der koffer kommt an ;)

  3. Du brauchst echt einen Mann (oder eine enspanntere Frau) an Deiner Seite der dir das ein oder andere abnimmt, und Dir hier und da Ruhe geben kann. Irgendwann bist du wahrscheinlich ein nervliches Frack! Aber wie immer interessant geschrieben, ein Einblick in die Gehirnwindungen der Christine, oder die einer Frau. So, und nun genieße deinen Trip, du kleine verrückte! :-)

  4. Weiss genau wie du dich fühlst. Mein Flug von Costa Rica nach Hamburg geht in zwei Wochen und ich habe das dringende Gefühl das da irgendwas nicht klappen wird… die Ticos sind ja immer so tiefen entspannt das man als Deutsche beinahe n Herzinfakt bekommen könnte…

  5. Gebe Thomas recht: nimm mal ne Schulter zum Anlehnen u. Ausheulen mit auf Reisen, gibts dafür nicht auch schon irgendne Webseite? Ich neulich: kurz nochmal n Nickerchen eingelegt, ganze Nacht Snowboardtasche gepackt, anstatt 30 Min. schön 2h u. damit die drei Wecker u. den Flug verpennt. Passiert, nimmst halt den nächsten. Rimowa-Koffer sind sicher optisch ganz nett, aber vor allem schwer (alu-version), dann brauchst du nen Träger. Wer sich für über 500 Euronen ein IATA konformes Alu-cabin-Rimowa-Teil gönnt braucht auch wohl sonst den Pfennig auch nicht mehr umdrehen. Sonst leih dir doch nen Rimowa von einem der 1000 Berliner DJs, siehe Bilder aufm aka aka Twitter. Das spannendste am Reisen is doch gerade das, was niemand geplant hat… pass auf deine Kamera auf :-)

  6. In der Hoffnung, dass es Dir ein wenig der Panik nimmt: Bin des oefteren zu spaet am Flughafen angekommen und habe meinen Flieger verpasst. Einmal bin ich auch einfach einen Tag zu spaet erschienen…
    Aber das war alles okay. Letztendlich hat mich noch jede Fluggesellschaft mitgenommen und extra was gekostet hats auch nicht.
    Also immer mit der Ruhe!

    PS: Fang mal an Flugmeilen zu sammeln, lohnt sich :P

    Weiterhin Guten Flug!!

  7. Hallo,
    einige Tipps wie du Panik vermeiden oder abbauen kannst.
    Vor dem Flug auf Alkohol und Koffein verzichten
    Damit der Schlafrhythmus nicht gestört wird und wenn es geht buche einen Flug Vor- oder Nachmittags. Wenn du nicht am Fenster sitzen möchtest buche einen Gangplatz.
    Schaue dir den Flughafen vorher an.
    Am Tag des Abfluges frühzeitig da sein.
    Beim Check-In Musik hören oder mit seinem Mitflieger sich unterhalten.
    Bevor du das Flugzeug besteigst lesen oder etwas essen einfach sich ablenken
    Im Flugzeug Atemübungen ( Hand unter dem Bauchnabel legen und tief Ein- und Ausatmen) oder autogenes Training praktizieren
    Beim Starten sich ablenken, lesen oder mit dem Nachbarn erzählen.
    Wenn du mehr über Panik und Angst erfahren möchtest, schaue dir doch einfach mal meine Internet-Seite an.
    http://www.wassindpanikattacken.de/

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