Es ist ein Tag wie jeder andere. Vielleicht ein bisschen grausamer als sonst, da ich diesen Husten, den ich schon seit zwei Wochen habe, einfach nicht los werde und so völlig kraftlos in der Wohnung herumschleiche und vor mich hinröchle. An solchen Tagen möchte man einfach seine Ruhe. Kein Telefon, das klingelt, keine Mails, die man beantworten muss und vor allem keinen Menschenkontakt.

40-Festivals-in-40-Wochen

Aber wie es das Schicksal will, klingelte es um die Mittagszeit an der Haustür. Ich überlegte kurz, ob ich es einfach ignoriere. Ich habe zwar schon geduscht und seh einigermaßen ansehnlich aus, aber den Schlafanzug habe ich wieder an. In solchen Momenten siegt aber die Neugierde über die Faulheit, ich ging zur Sprechanlage, öffnete die Tür und wenige Sekunden später steht der Postbote vor mir. Er hat ein Paket. Ein Paket für mich, circa 40 x 20 x 25 groß. Und plötzlich werde ich nervös. Mein lahmes Herz fängt an sich zu bewegen. Nach einer kleinen Aufwärmphase spurtet es plötzlich los. Noch schnell mit einem Pseudostift eine Unterschrift auf ein Display krickseln und dann das Paket in die Wohnung schleifen. Ich starre es an, als wäre eine Bombe drin, die gleich explodiert. Ob da wirklich 25 Stück reinpassen? Ich muss es aufmachen. Aber wie? Messer? Schere? Messer? Schere? Messer? Habe ich überhaupt eine Schere? Nein. Also das Steakmesser mit dem ich nie Steak esse, aber das sich perfekt zum Paketeaufmachen eignet nehmen und auf die Beute damit. Ich reiße die Faltlaschen weg, ich reiße das Schutzpapier weg und dann sehe ich sie. So friedlich und still liegen sie da, in einer durchsichtigen Schutzhülle eingeschweißt. Meine Bücher. Meine “40 Festivals in 40 Wochen” Bücher. In ein paar Tagen liegen sie im Buchhandel und jetzt schon bei mir, auf dem beigen Teppich, neben dem etwas gelblichen Flecken, der nicht mehr raus geht seit der Hund drauf gekotzt hat. Ich werde versuchen festzuhalten was ich denke, wenn ich das Buch das erste Mal in der Hand habe. So oft wurde ich bei „90 Nächte, 90 Betten“ gefragt wie es sich anfühlt, wenn man sein eigenes Buch in der Hand hält?

Also wie ist es? Als erstes klärt man ganz rational ab, ob irgendwas vor dem man Angst hatte dass es schief geht, eingetroffen ist. Die Oberfläche fühlt sich wunderbar an. So weich und samtig, dass ich mir damit erst einmal über die Wange fahre und ganz tief den Geruch von frischer Druckerfarbe einatme. Dann blättere ich hektisch alles durch. Sehen alle Fotos gut aus? Sitzen sie an der richtigen Stelle? Sind sie nicht pixelig? Alles perfekt. Alles sitzt. Alles sieht toll aus. Wahnsinn. Nur mein Zitat fehlt. Das Buch sollte mit den Worten beginnen:

„Wer weiß, was er tut, macht schon im Ansatz alles falsch.“

So was von da – Tino Hanekamp

Denn das beschreibt einfach alles. Ich weiß immer noch nicht genau was ich da getan habe. Aber dank des Buches kann ich es mir jetzt mein Leben lang anschauen und durchlesen. Und ich würde es immer wieder machen, auch wenn mir gerade jetzt wo ich es in der Hand habe wirklich bewusst wird wie anstrengend das alles war.

Da liegt es also. Ja, ich bin glücklich. Ja, ich freue mich. Aber ich denk schon wieder viel zu weit. Hoffentlich gefällt es den Leuten. Hoffentlich habe ich niemanden in der Danksagung vergessen. Hoffentlich findet man es im Buchhandel. Hoffentlich, hoffentlich, hoffentlich …

Dann starre ich noch ungefähr 15 Minuten ohne Regung drauf. Muss an das Schweinerennen in Florida denken, mein erstes Mal Glamping, The XX auf dem Frequency, Appletree Garden mit den Mädels, das Grab von Johnny Cash, Paul …

Mein Jahr, mein Buch, meine Erinnerung. Ja, und dann werden die Augen ein bisschen feucht, denn es ist kein erfundener Roman, es ist mein Leben, das da steht. Vielleicht war ich auch manchmal zu persönlich. Vielleicht sollte ich das Herz nicht immer auf der Zunge tragen. Aber vielleicht ist es auch genauso richtig.

Dann lege ich das Buch weg und versuche meine erste Lesung in Berlin zu organisieren. Haltet schon einmal den 09.01.2013 fest. Alle zehn Minuten schweife ich jedoch wieder ab. Nehme das Buch in die Hand, streiche damit über meine Wange, atme tief ein und schlage irgendeine Seite auf. Dann muss ich grinsen. So richtig vom Herzen, mit Leib und Seele. Ich glaube das sieht schön aus, wenn ich so grinse. Aber es sieht keiner, außer ich und mein Buch.

4 comments

  1. Zur mir sagten sie immer: ‘Der Esel nennt sich zum Schluß.’ Hab ich Esel dann auch immer gemacht….. ;)
    ‘Aber es sieht keiner, außer mein Buch und mir.’…. oder??
    Wie auch immer: Viel Erfolg mit deinem neuen Buch und gute Besserung!
    Spitzwegerichsaft soll gut gegen Husten helfen. Drogerie ‘Pferdefrau’… 1, 79 Euro oder so….

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