Scham? Was ist das? Ich weiß es wirklich nicht mehr so genau oder besser gesagt ich wusste es nicht mehr so genau, was das ist, bis vorgestern. Mir ist im Grunde fast nichts peinlich. Ich würde im Borat-Anzug über den Alexanderplatz laufen, ich quatsch jeden und alles an und ich kann mich wirklich nicht an den Moment erinnern an dem ich mich das letzte Mal geschämt habe. Bis zu diesem besagten Morgen, vorgestern…

Boris-Hundespielplatz

Ich bin mit Paul aufgestanden und wir wollten uns noch schnell vor der Arbeit eine Wohnung anschauen. Alles war ein bisschen chaotisch, so wie es eben ist, wenn zwei Menschen und ein Hund in 33 Quadratmetern hausen. Ich bin fünfmal über Boris gestolpert und der war auch ganz nervös und unruhig. Ich dachte er freut sich, dass Paul und ich, also beide, gleich mit ihm Gassi gehen. Also schnell anziehen und rausgehen. Auf dem Weg zur U-Bahn hat ein paar Mal gepinkelt und als wir unten auf dem Gleis waren und kurz auf die Bahn warten mussten, angefangen zu winseln. Das macht er manchmal einfach so, wenn ihm langweilig ist. Einfach ignorieren, hat man mir gesagt. Er muss lernen, dass er manchmal warten muss. Aber irgendwie war das ein anderes Winseln. Eher ein sehr aufgeregtes Fiepen. Na ja, wir sind ja gleich da. Nächster Halt Alexanderplatz, aussteigen und umsteigen in die U8 um noch zwei Stationen zu fahren. Ich steige in die U8 verliere kurz die Aufmerksamkeit für Boris, weil ich mal wieder irgendwas in meinem Rucksack suche, was natürlich genau ganz, ganz unten ist bis Paul plötzlich sagt:

„Der Hund hat gerade geschissen.“
„Was?“
Ich dachte er will mich verarschen. Wäre nichts ungewöhnliches und ich glaube im ersten Moment auch so ziemlich alles. Doch der große Scheißhaufen mitten in der U-Bahn sah nicht nach einem Scherz aus.
„Oh Scheiße.“

Im wahrsten Sinne des Wortes. Das kann doch nicht wahr sein. Warum hat er das gemacht? Ich springe auf, und wühle in meinem Rucksack um die Scheißtüten zu finden, die natürlich auch ganz, ganz, ganz unten drin sind. In der Zeit laufe ich knallrot an und habe mich nicht getraut irgendjemanden in der U-Bahn anzuschauen. Zum Glück sehe ich nur ein paar Füße. Ich drücke Paul die Leine in die Hand und versuche die Scheiße aufzusammeln. Ich sterbe. Natürlich ist sie auch noch leicht dünnflüssig…

„Hast du ein Taschentuch?“, frage ich Paul.
„Nein.“
„Was?!?!?!?!? Du hast doch sonst immer Taschentücher!“
„Die Taschentücher mussten dem zweiten Handy in der Hosentasche weichen.“
„Aber du hast doch eine Tasche dabei.“
„Ja, aber keine Taschentücher.“
„Ahhhhhhhh.“

Oh Gott, ich sterbe noch mal. Also versuche ich mit einer zweiten Scheißtüte den flüssigen Rest vom Boden zu kratzen. Die Menschen um mich herum verhalten sich ruhig. Lediglich einen Mann direkt gegenüber von mir sehe ich aus dem Augenwinkel den Kopf schütteln. Oh Gott ist mir das peinlich und unangenehm.

Ich wühle erneut in meinem Rucksack um doch noch die erlösenden Taschentücher zu finden und den Wagon spurenlos zu verlassen, bis ich Pauls Stimme höre.

„Er hat noch mal geschissen.“
„WASSSS?!?!?!?“
Ich sehe einen zweiten noch dünneren Haufen am anderen Ende des Wagons liegen.
„Warum hast du ihn nicht davon abgehalten?“, schrei ich kurz rum.
„Was hätte ich den machen sollen?“
„Na mit ihm rumlaufen, damit er nicht scheißen kann.“
Ich sterbe zum gefühlten zehnten Mal, verzichte aber darauf Paul weiter anzumotzen, denn der nimmt schon eine grünliche Gesichtsfarbe an.

Neue Scheißtüte, neuer Versuch alles aufzusammeln und dann der erlösende nächste Halt der Bahn. Ich habe kurz überlegt, ob ich die anderen Menschen nach einem Taschentuch fragen soll, aber ich glaube, sie hätten mir eine reingehauen. Also flüchte ich mit Paul, Hund und den vollen Scheißtüten aus der U-Bahn.
Ich bin fix und fertig. Ich hätte mich am liebsten in Luft oder noch besser in den Dampf über den Scheißhaufen verwandelt. Natürlich denkt jeder in diesem Moment: Was hat die Assitussi für einen Assihund. Dabei konnte ich einfach noch nicht die Hundesprache so richtig deuten. Manchmal ist nervösen Fiepen also ein Zeichen für – ich muss unbedingt scheissen. JETZT! Ich hoffe ich treffe diese Menschen nie, nie, nie wieder in meinem Leben.
Was für ein Erlebnis…

32 comments

  1. :-D :-D :-D das ist wirklich ein lustiges Erlebnis!
    Ich dachte die Menschen in Berlin wären irgendwie offener und freundlicher… also ich hätte dir auf jeden Fall eines meiner tausend Hundescheiß-Taschentücher geliehen, denn mein Hund bringt sowas leider auch öfter mal Zustande (obwohl wohlerzogen und sauber) :-) Ich fühle mit dir.
    Hoffentlich hast du nun immer genug Tücher dabei!!! :-)

  2. Halb so wild. Riecht natürlich scheiße in der Bahn jetzt. Der Hund kann nichts für. Du musst dich noch gewöhnen und ja, wer meckert, hat wahrscheinlich nie was Peinliches getan… So what! Der Arme Hund, er hat gaaanz schön gelitten! Der tut mir am meisten leid. Aber das nächste Mal weißt du, erst der Hund, dann ich!

  3. Hahaha… ich musste soooo lachen! Denn genau das Selbe ist mir vor vielen Jahren mit meinem Hund bei einem Berlin-Besuch ebenfalls in der U-Bahn passiert. Er hatte wohl zuvor irgendwas am Straßenrand gefressen, was er nicht vertragen hat und kurz danach dann mitten auf dem Bahnsteig Durchfall bekommen. *peinlich* Die restlichen Tage in Berlin haben wir darauf verzichtet öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen ;)
    Neben der Hundesprache wirst du wahrscheinlich auch recht schnell lernen (müssen), mit offenen Augen durch die Straßen zu gehen um potentielle “Nahrungsquellen” zu lokalisieren bevor sie im Hundemaul sind… Aber so peinlich die Situation in dem Moment war, ist sie mittlerweile eine meiner liebsten Hunde-Geschichten ;)

  4. Scheint tatsächlich so, als hättest Du ein paar Versuche Deines Hundes Dir mitzuteilen, dass er “muss” übersehen. Hunde wissen ja ganz genau, dass sie einen Ort wie die Ubahn nicht als Toilette nutzen dürfen und es scheint immer sehr unangenehm, fast beschämend für sie zu sein, müssen sie es doch tun. Ich hoffe die Kommunikation zwischen Euch klappt beim nächsten Mal besser ;) denn solch eine Situation will ja echt keiner erleben.

  5. Liebe Christine,

    verzeih, dass ich schmunzle, aber jeder der auch einen Hund hat, versteht Deine Situation.
    Ich bin froh, dass ich mit meiner Fellnase noch nie in solch eine Situation gekommen bin., aber ganz sicher in sehr viele andere :-)

    Die Hunde geben uns Zeichen, aber wir verstehen diese nicht immer richtig.

    Danke für Deinen Post und dass wir daran teilhaben durften.

    LG
    Tine

  6. Ich fühle mit dir – Hund machen so etwas manchmal. Ich glaube, nicht extra. Aber sicher sein kann man nicht…;-). Mein Hund hat mal bei der Geburtstagsfeier einer Freundin auf deren weißen Teppich geschissen, als alle gerade draußen waren. Ein kleines bisschen Bösartigkeit habe ich da schon gesehen – der Garten war riesig, alle Menschen draußen und der Hund macht ausgerechnet drinnen auf den weißen Flauschteppich…

  7. Oh Gott, wie peinlich! Ich kann so gut nachvollziehen, wie es dir gegangen ist. Mein Hund hat mal vor einem Hauseingang eine 50 cm lange Dünnschiss-Spur hinterlassen, und ich hatte weder Taschentücher noch Tüten dabei! Ich bin mit Hund nach Hause gerannt und noch schneller mit einer 1 1/2 Liter Flasche zurückgekommen und habe “sauber” gemacht, aber die Spur hat man noch länger gesehen… Jeder Hundehalter wird dich verstehen und über die anderen würde ich mir keine Gedanken machen. Ich wünsche Dir noch viel Spaß mit Deinem Hund! Grins…

  8. Oh Gott. Das ist eine Situation, vor der ich auch Angst habe. Zum Glück ist mir das mit Susi noch nicht passiert. Aber ich kann total mitfühlen. Glücklicherweise kann man über so etwas danach immer lachen. Aber leider nur danach.

  9. “Wieso hat er das gemacht?” – Ist die Frage ernst gemeint? Er musste! Und vorher beim Gassi “WOLLTE” er nicht? Himmel, kannst du auf Kommando kacken?

  10. Warum muß man sich eigentlich mitten in einer Großstadt einen Hund halten? “Gassi gehen” ist da einfach nur ein Euphemismus für “den Hund anderen Leuten vor die Haustüre scheißen lassen”. Rund um die Haltestelle Alexanderplatz gibt es weit und breit kein Feld und keinen Wald, wo sich ein Hund legal auspressen könnte. Lustig finden solche Stories immer nur Haustierbesitzer, aber auch nur solange, wie man ihnen die Kürtel ihrer Tiere nicht in den Briefkasten wirft.

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