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Lilies Diary | 25. Mai 2017

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Marokko: Rundreise zu den Königsstädten

Laura Droße

Eine Marokko Rundreise, das bedeutet  – staubige Landschaften und grüne Palmenhaine sehen, laute Marktplätze und verwinkelte Souks erleben, mich durch exotische Speisen und literweise Minztee probieren und mich in die Wüste verlieben

marokko_palmen_oase

Marokko Rundreise: Agadir – sanfte Eingewöhnung ohne Kulturschock

Start- und Zielort meiner Marokko Rundreise ist Agadir, eine Hafenstadt am Atlantik, in der der kulturelle Kontrast nicht ganz so extrem ausfällt. In Strandnähe befinden sich zahlreiche westliche Luxushotels und ich könnte auch genausogut in Spanien sein. Einige Hotels sind natürlich exotisch dekoriert und die Architektur ist auf marokkanisch getrimmt, wirklicht echt ist hier aber natürlich nichts. Glücklicherweise mindert das aber natürlich nicht meine Liebe zum Meer und so bin ich tief zufrieden als ich den unglaublich breiten und feinsandigen Strand von Agadir entlangspaziere, der teilweise so glatt ist, dass sich die brennende Sonne spiegelt und ich kaum etwas sehen kann.

marokko_agadir_strand

Irgendwie ist das eigentlich ein guter entspannter Beginn für diese Reise, in deren Verlauf ich noch oft genug mit fremden Sitten, exotischen Gewürzen und einer Überladung aller Sinne zu tun haben würde. Im positiven Sinne.

marokko_agadir_sonnenuntergang

Marokko Rundreise: Königsstadt Nr. 1 Marrakesch

Erste Königsstadt auf meiner Marokko Rundreise ist Marrakesch und es ist mir unmöglich ohne eine bestimmte Vorstellung meinen ersten Fuß in diese Stadt zu setzen. Diese wird auch sofort erfüllt, als ich das Gewusel auf den Straßen sehe, das Stimmengewirr in der Luft höre. Der Verkehr chaotisch, mit Autos, Mopeds, Fahrrädern und Eseln, die nach einer unsichtbaren Choreographie umeinander herum tanzen. Die Luft noch immer heiß, ist die Aussicht auf Schatten hier ausreichend um sich gleich frischer zu fühlen.

Auf dem weltberühmten Djemaa el Fna, dem zentralen Marktplatz Marrakeschs kann man sich beinahe genauso im Getümmel verlieren wie in einem der Souks. Hunderte Zelte mit verschiedenen Waren, Kunsthandwerk und Speisen stehen hier herum, die Luft ist voller exotischer Düfte und orientalische Musik erreicht mein Ohr. Neben den Ständen gibt es Gaukler, Musiker und Schlangenbeschwörer, die versuchen dem Touristen das Geld abzuquatschen. Das muss man tatsächlich so bezeichnen und wenn man erstmal ins Gespräch verwickelt ist, hat man eigentlich schon keine Chance mehr. Am besten völlig desinteressiert sein, es sei denn natürlich ihr seid scharf auf ein Selfie mit Schlange! Auch kann man sich die Zukunft vorhersagen lassen oder einfach einem Geschichtenerzähler lauschen. Touristisch? Auf jeden Fall! Magisch und ein Erlebnis wert? Absolut und unbedingt!

marokko_ziegen_arganien_touristenAuf dem weltberühmten Djemaa el Fna, dem zentralen Marktplatz Marrakeschs kann man sich beinahe genauso im Getümmel verlieren wie in einem der Souks. Hunderte Zelte mit verschiedenen Waren, Kunsthandwerk und Speisen stehen hier herum, die Luft ist voller exotischer Düfte und orientalische Musik erreicht mein Ohr. Neben den Ständen gibt es Gaukler, Musiker und Schlangenbeschwörer, die versuchen dem Touristen das Geld abzuquatschen. Das muss man tatsächlich so bezeichnen und wenn man erstmal ins Gespräch verwickelt ist, hat man eigentlich schon keine Chance mehr. Am besten völlig desinteressiert sein, es sei denn natürlich ihr seid scharf auf ein Selfie mit Schlange! Auch kann man sich die Zukunft vorhersagen lassen oder einfach einem Geschichtenerzähler lauschen. Touristisch? Auf jeden Fall! Magisch und ein Erlebnis wert? Absolut und unbedingt!

marrakesch_djemaa_el_fna_bike

Auf dem Djemaa El Fna herrscht ein irrwitziges Gewusel…

Marrakesch_djemaa_Trommler

Extra-Tipp: Restaurant El Bahia: Ein Ort wie aus 1001 Nacht, mit einem plätschernden Brunnen, fein geschnitzten Holzbögen und orientalischen Fliesen, unzähligen Kissen und Sitzgelegenheiten, Laternenlicht und exotischen Düften. Das alles untermalt von für mein Ohr fremdländischen Flötenklängen und der ersten Tajine der Reise. Dazu frisches Gemüse, Okra, Linsen, Bohnen, noch warme Brotfladen und das leckerste Obst, das ich je gegessen habe. Dagegen ist alles Obst, das es in Deutschland gibt, fad.

restaurant_bahia_marrakesch

Marokko Rundreise: Casablanca & Königsstadt Nr. 2 Rabat

Casablanca ist die zweite Stadt, die wir besuchen und die größte Stadt Marokkos. Am Stadtrand sammeln sich herrschaftliche Villen mit grünen Vorgärten und hohen Mauern und es wirkt tatsächlich alles stolz und erhaben. Das ist jedoch alles noch nichts gegen die Hassan-II.-Moschee, die wir pünktlich zum Sonnenuntergang erreichen. Allein der riesige Vorplatz mit den grafischen Steinplatten und die imposante Moschee, die Platz für 25.000 Menschen bietet, sorgen dafür, dass ich mich klein fühle und als dann auch noch der Muezzin einsetzt und die Sonne goldrot am Horizont versinkt, ist es wieder da, dieses Bewusstsein, dass all das hier größer ist als jeder Einzelne von uns. Und auch wenn ich diesen Weg für mich nicht entdeckt habe, verstehe ich in solchen Momenten die Kraft, die so viele Menschen aus ihrem Glauben ziehen.

marokko_casablanca_moschee

Ein magischer Moment vor der Moschee Hassan II. in Casablanca

casablanca_moschee_hassan_tor

Das güldene Tor und das höchste Minarett weltweit

casablanca_moschee_hassan_blauestundeNach der größten Stadt geht es auch direkt weiter in die 90 Kilometer entfernte Hauptstadt, Rabat, die genau wie Marrakesch eine Königsstadt (genauer: die Hauptstadt der Alawiden-Dynastie) ist. Während die Landschaft inzwischen immer grüner und abwechslungsreicher wird, freue ich mich besonders über die bunten Häuser, die immer wieder das Bild prägen. Allerdings nicht bunt wie etwa auf Kuba, sondern in den absurdesten Zuckerguss- und Pastellfarben. Zitronengelb, Pistaziengrün und Fliederlila, teilweise mehrfarbig gestreift, amüsieren mich die Häuser ziemlich.

marokko_kinder_fahrradWir sehen uns jedenfalls den Regierungssitz an und alles ist erwartet gestriegelt und akurat, die Gärtner verrichten unermüdlich ihre Arbeit, die Touristen fotografieren das Offensichtliche, in diesem Fall die Königsgarde. Währrenddessen fotografiere ich Touristen, die die Königsgarde fotografieren.

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Gärtner am gärtnern und Touristen am touristen.

Rabat_Regierungssitz

Letzter Zwischenstopp in Rabat: der unvollendete Hassanturm aus dem 12. Jhdt.

Hassanturm_Rabat

und Gardisten vor dem Mausoleum Mohammed V.

Meknes_Königsgarde

Marokko Rundreise: Königsstadt Nr. 3 Meknès

Nächste Königsstadt auf meiner Marokko Rundreise: Meknès, am Fuße des mittleren Atlas-Gebirges, rund 150 Kilometer von Rabat entfernt. Hier wäre ich tatsächlich gerne ausgebüchst und der Gruppe entkommen, denn Meknes hatte mich irgendwie von Anfang an. Gerne wäre ich alleine und ziellos durch die Straßen und die Medina gestromert, hätte einen Kaffee getrunken – oder natürlich einen weiteren Liter Minztee. In der Medina habe ich ein Mandel-Rosenwasser-Gebäck probiert, und hätte ich nicht gewusst, dass gleich das nächste wahnsinnig leckere und üppige Mittagessen auf dem Plan stand, ich hätte dem Bäcker sein ganzes Backblech abgekauft!
Zum Mittag gab es diesmal Pastilla und während ich das Wort tippe, fällt mir ein, dass ich das dringend einmal nachkochen wollte…

marokko

Nach dem Mittagessen besuchen wir eine der bedeutendsten Koranschulen Marokkos, die Medersa Bou Inania gegenüber der großen Moschee. Kachelmosaike, Stuckdekor, gedrechselte Holzarbeiten und metallene Tore verzaubern mit ihrer Schönheit, Marmor, Zedernholz und Bronze wurden wundervoll zusammengeführt. Als dann auch noch die Sonne in den Innenhof fällt und alles in ihr güldenes Licht tunkt, wirkt der Platz endgültig magisch.

Medersa Bou Inania

Koranverse in schwarzer Kalligraphie

marokko_inschrift

Marokko Rundreise: Königsstadt Nr. 4 Fès und das Gerberviertel

In Fès, der ältesten Königsstadt aus dem 7. Jhdt., werden wir die kommenden zwei Nächte verbringen. Es ist gleichzeitig der einzige Ort auf meiner Marokko Rundreise, an dem ich länger als einen Tag verweile. Fès und Meknès würde ich ohne zu zweifeln beide als die Städte in Marokko bezeichnen, die sich am meisten in mein Herz gebrannt haben. Die Altstadt von Fès, „Fès el Bali“ steht unter UNESCO Weltkulturerbe, wie im übrigen auch Meknès als ganze Stadt, und das absolut zurecht. Die weltweit größte mittelalterliche Altstadt zieht einen sofort in den Bann und das hat natürlich auch mit der Größe zu tun. Man läuft eben nicht nur kurz durch ein zwei enge Gassen und dann direkt zurück in die Neuzeit, sondern man hat, gerade als Europäer, dem dieser ganze Kulturkreis nicht tief im Blut liegt, wirklich das Gefühl in die alte Geschichte dieser Stadt, in die Jahrhunderte dieser Kultur einzutauchen, sie zu riechen, zu hören und tief im Inneren zu spüren.

fes_stadt_hügel

Auch das Tor des Königspalastes Fès el djedid ist handwerklich beeindruckend!

Fès el Jedid_königspalastWas ich in Fès jedoch auch hautnah erleben konnte, war das Gerberviertel. Zu sehen wie die Arbeiter teilweise hüfthoch in den „Fässern“ mit den diversen Flüssigkeiten stehen, die Brühe mit ihren intensiven scharfen Gerüchen auf den Gassen entlangfließen zu sehen, in denen kleine Kinder spielen… wenn man sich wie ich schon einmal intensiv mit dem Thema Kleiderproduktion beschäftigt hat, ist es schwer das alles zu beobachten, ohne dass einem schlecht wird. Selbst in Fès werden inzwischen kaum noch traditionelle Methoden verwendet und wenn mir diese Stoffe nach wenigen Minuten Tränen in die Augen treiben und die Schleimhäute reizen, kann man sich denken was für Auswirkungen es hat hier zu arbeiten oder zu leben.

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Mitten in den engen Gassen findet man das Gerberviertel von Fès

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Marokko Rundreise: gesammelte Gedanken am Ende der königlichen Tour

Was mir auf meiner Marokko Rundreise immer wieder durch den Kopf ging ist der Gedanke der Authenzität und was sie uns bedeutet. Fès ist wesentlich untouristischer als Marrakesch, wesentlich weniger „orientalischer Traum“, fühlt sich ursprünglicher und weniger „gestaltet“ an. Und während mir das einerseits viel mehr gibt, mich mehr erfreut und alle meine Sinne sich näher am echten Leben fühlen, ist mir gleichzeitig bewusst, wieviel schwerer es für mich wäre in einer ursrünglicheren Stadt wie Fès zu leben als in Marrakesch, wie viel weniger ich hier reinpassen würde, wieviel länger ich brauchen würde dieses Leben zu begreifen und zu adaptieren.
Marokko war wahnsinnig spannend und hat mir Reisemomente geschenkt, wie ich sie in europäischen Ländern nicht erlebt hätte, hat meinen Horizont erweitert. Und vor allem hat es ich neugierig gemacht auf diese so fremdartige Kultur und dieses Land, das im Vergleich zu Deutschland wirklich wie eine andere Welt erscheint.

marokko_katze_in_der_sonne

Bis bald Marokko, ich hab ein Stück von Dir mit nach Hause genommen…

Marokko Rundreise Sonnenuntergang

Marokko Rundreise: Auf den Straßen

Immer wieder fallen mir Menschen auf, die alleine ohne Gepäck oder Esel die Straße entlang laufen, Kilometer von jeder nächsten Ortschaft entfernt, ohne Wasser oder Schatten bei gefühlt 40°, während wir Deutschen auf einer zweistündigen Autofahrt von Berlin nach Hamburg am liebsten Schnittchen und alle Notfallpakete für den möglichen Weltuntergang einpacken. Mitten im Nichts fahren wir an neuen Apartmenthäusern vorbei, Eigentumswohnungen boomen und sind erschwinglich wird mir erzählt. Die Gebäude sehen auch luxuriös und modern aus, allein: sie stehen mitten im Nirgendwo, sind in alle Richtungen nur umgeben von Sand und Staub…
Wir fuhren jeden Tag mehrere Stunden quer durch Marokko, dessen Landschaft über weite Strecken hügellos, karg bewachsen und staubig ist. Hin und wieder eine kleinere Ortschaft, ein Feld mit Arbeitern oder eine Kamelherde, die wie an einer Perlenschnur aneinandergereiht durch die Wüste zieht.

marokko_felder_bauern In jeder Ortschaft fallen mir die Männer auf die, mal einzeln, mal in kleinen Gruppen, überall an den Straßenecken und Häuserwänden stehen und quatschen, rauchen oder Tee trinken. Frauen sehe ich so gut wie keine und bin gleichermaßen neugierig und doch froh gerade nicht alleine durch diese Straßen zu laufen, wie es sonst meine Art ist. In einigen Orten finden sich soviele halbfertige Häuser, Betonkonstrukte und dazwischen immer nur Sand und Staub, befestigte Straßen gibt es nur in den größeren Städten, dass ich mich zeitweilig an Orte wie Beirut, Gaza, ja, Kriegsgebiete erinnert fühle und mir das seltsam und ziemlich überheblich von mir vorkommt.

fahrrad_stadtAber solche Eindrücke überfallen einen eben, wenn man zum ersten Mal an einem Ort ist und sich erst rantasten muss, wenn der Kopf automatisch Dinge abgleicht, die man aus Filmen oder dem Internet kennt und seltsame Parallelen zieht. Gleichzeitig genieße ich die Weite, die Leere zwischen den Orten und die Lücken zwischen den Häusern in den Orten, wie auch die Zeitlosigkeit. Zeit scheint hier, abgesehen vom regelmäßigen Gebet, nicht die gleiche Bedeutung zu haben, meine innere Uhr wird irritiert und das mag ich sehr.

Diese Reise war etwas ganz Besonderes.

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