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Lilies Diary | 21. September 2017

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4 Kommentare

Klettern in Osttirol – Wie ich in die Berge zog und das leben lernte

Gesa
  • am 25. Mai 2017

Seit sieben Jahren lebe ich in München. Seit sieben Jahren weiß ich jeden Sommer aufs Neue, dass ich total schnell in den Bergen wäre. Passiert ist seither trotzdem nichts. Ich gehe kaum wandern. Ich kann nicht klettern und vom Bergsteigen weiß ich auch nur, wie das Wort geschrieben wird.

Dabei bin ich im Winter total bergverrückt. Ich liebe Snowboarden und das Gefühl von Freiheit, wenn der Blick über die Gipfel streift. So gern wäre ich auch im Sommer ein Bergfex, wie man zu Bergverliebten so schön sagt. Doch dafür fehlt mir bislang der Zugang. Ist es, weil keiner meiner Freunde im Sommer in den Bergen unterwegs ist und mich mitnehmen würde? Ist es, weil meine letzte Wanderung am Münchner Hausberg einer Völkerwanderung glich? Oder ist es, weil mir schlichtweg die Ausdauer fehlt, mich auf 1.000 Höhenmeter zu freuen? Ach nein, vielleicht ist es der mangelnde Besitz von Wanderschuhe und meine naive Überzeugung, die paar Meter auch in Straßenschuhen meistern zu können. (NOT!) Kurz gesagt – ich liebe Berge, aber unsere Beziehung im Sommer könnte besser sein! So gern wäre ich auch im Sommer mehr in den Bergen unterwegs – nur wie? Für was?

Gesa klettert in Osttirol

Dieses Beziehungsproblem sollte sich mit einer Reise nach Osttirol ändern. Meine einzige Freundin mit Klettererfahrung, Melinda, wollte raus in die Natur. Sich spüren. Wandern. Klettern. Einer Leidenschaft nachspüren. Was man so macht, als bergaffiner Mensch. Das Ganze sollte an der Seite der besten österreichischen Bergführerin stattfinden – Lisi Steurer. Und ich sollte mit. Kein Witz.

Klettern in Osttirol also. Und 2 Tage lang wandern. Ob ich das schaffen würde?? Ganz sicher war ich mir nicht. Beim Wandern sah ich mich nach 2 Stunden schon fluchend und mit Blasen an den Füßen am Boden liegend, weil meine neuen Wanderschuhe nicht eingelaufen waren. Beim Klettern stellte ich mir vor, wie ich hysterisch und regungslos in der Wand klammen würde, weil ich meine Höhenangst vergessen hatte. Nicht die besten Voraussetzungen.

Aber Melinda ließ nicht locker. Wer im Winter mit dem Lift rauf und mit dem Brett runterfahren könne, der müsse auch lernen, den Berg im Sommer zu erklimmen. Genau da hatte sie mich an einem wunden Punkt getroffen! Ich würde ja gern – nur wie? Klettersteige gehen, Gipfel erklimmen und steile Abhänge entlang spazieren macht man nicht einfach so! Das braucht Vorbereitung, Equipment, Know-How und vor allem einen Partner! Und bevor ich mir all diese Dinge anschaffe, möchte ich doch zumindest wissen, ob mir das Hobby wirklich so gut gefällt, wie ich es mir erhoffe.

Vielleicht war diese Reise also genau das Richtige! Wir meldeten uns für einen Trip nach Osttirol an. Klettern in Osttirol samt Kletterkurs und 2-Tages-Wanderung. Gletscherbegehung und Abseilen in eine Gletscherspalte inklusive! An einem Freitagmorgen holte mich Melinda mit dem Auto ab und das Abenteuer ging los. Nach zwei Pässen und etlichen Kurven kamen wir im abgeschiedenen Osttirol an. Osttirol – eine besonders ursprüngliche Gegend, in der Einklang mit der Natur noch groß geschrieben wird. Keine Liftanlagen weit und breit. Somit auch keine Chance zu mogeln und den Gipfel ohne viel Aufwand zu besteigen. Osttirol – das Paradies für Bergsportler! Na Prost Mahlzeit … Wenn das nicht mal der perfekte Einstieg in mein Natur-Abenteuer war! Aber wie sagt man so schön? Wenn schon, denn schon!

Tag eins unserer Bergreise begann mit einer Route von gut 900 Höhenmeter. Wir würden am Ende des Tages einen ganzen Kilometer über dem Ausgangspunkt stehen – könnt ihr euch das vorstellen?? Dort sollten wir auch übernachten. Nach wenigen Höhenmetern war mein Puls auf 180. Ein paar Stunden später saß ich mitten auf dem Wanderweg und war völlig fertig. Meine Halsschlagader pochte und ich schnaufte wie ein Walross, als fröhliche Bergläufer an mir vorbei joggten. Ernsthaft? Es gibt Leute, die hier hochrennen? Zugegeben, die Kulisse ist atemberaubend! Aber so ist auch das hier Hochkommen!

Am zweiten Tag unseres Bergabenteuers stand eine Gletscherwanderung auf dem Programm – inklusive Abseilen in eine Gletscherspalte! Alles war vorbereitet: Unser Bergführer hatte mich abgesichert, das Seil war gespannt und alle bereit, mich in die Tiefe des ewigen Eis abzuseilen. Aber ich konnte nicht. Wie sollte ich es über die Kante in die Schlucht schaffen, ohne wie ein Sack Kartoffeln ins Leere zu fallen? Zwar hatte ich die vier anderen Teilnehmer vor mir schon dabei beobachtet, wie sie das alle meisterten, doch sah ich mich selbst noch nicht ganz in der Lage. Vielleicht sollte ich das mit dem Bergsport doch sein lassen? Zu tollpatschig. Zu viel am Denken. Fahre ich das nächste Mal doch wieder Lift!

Kein Lift in Sicht – also muss die eigene Kraft und Ausdauer ran. Ein tolles Gefühl!

Bild: Evelyn Laureyns

Ein lautes Oh, Wuah und Uääh später hatte ich es tatsächlich über die Kante geschafft! Ich wusste nicht, wovon ich mehr fasziniert war – meinem Mut oder diesem Naturspektakel! Auch das Klettern am nächsten Tag klappte super. Vor lauter Eindrücken vergaß ich meine Angst vor der Höhe. Zu schön das Gefühl, mit eigener Kraft eine Wand hochzuklettern. Zu groß der Stolz, oben angekommen zu sein und zu groß das Vertrauen ins Seil und den sichernden Partner. Dieser Moment, wenn du in der Wand stehst, gibt dir – im wahrsten Sinne des Wortes – eine ganze neue Perspektive auf die Welt!

Mir wurde klar, dass ich das schaffen kann! Die Berge und ich – diese Beziehung klappt auch im Sommer. Ich bin nicht so untalentiert, wie ich manchmal denke. Genauso wie ich nicht zu unsportlich bin, eine Tagestour zu schaffen. Es braucht nicht zehn wanderlustige Freunde, um es in die Berge zu schaffen – der eigene Wille reicht! Ab jetzt werde ich euch alle mit auf meine Touren nehmen! München – ich werde deine Nähe zu den Bergen noch nutzen!

Wie wir aus dem Tal wieder hinausfahren und die Ruhe und Ursprünglichkeit Osttirols hinter uns lassen, fühle ich mich, wie mit einer neuen Leidenschaft infiziert: Wandern, Bergsteigen, Klettern. Ich möchte noch so viel lernen! Vorbei die faule Zeit in der Stadt. Vorbei die Zeit vom ewigen „Ich könnte, vielleicht, wenn ich wollte …“. Ich kann, ich will und ich werde (!) diesen Sommer mehr in den Bergen unterwegs sein. Beim Wandern, beim Bergsteigen, beim Klettern. Dieses Gefühl, völlig geschafft zu sein, aber alles geschafft zu haben, ist grandios! Ich werde mich auf meine Sinne verlassen. Ich werde Wasser aus frischen Gletscherbächen schlürfen, in Hütten schlafen, Sonnenauf- und Sonnenuntergänge sehen und das Leben genießen. Und ich werde richtige Wanderschuhe tragen! Die Zeit in den Bergen hat mir so viel Kraft und Freude gegeben! Es ist stark, was der Körper leisten kann, und das möchte ich mir nicht entgehen lassen.

Gesa war klettern in Osttirol

Gesa wenn sie glücklich ist – Gesa in Osttirol.

Pause beim Wandern in Osttirol

Liebe das Leben – und lebe es!

Infos zum Wandern und Klettern in Osttirol:

Klettern in Osttirol – Kletterkurs:

20 Klettersteige, 8 Klettergärten, 4 familienfreundliche Kletterparks und Hunderte Kletterrouten warten in Osttirol auf euch – eine echte Schatzkammer. Kultstatus, wie die Alpinisten sagen. Wir waren auf der Anfängerroute im Klettergarten Kreithof unterwegs. Anfänger finden beim Klettern in Osttirol den richtigen Mix aus anfängerfreundlichen Routen und solchen, die Lust auf mehr machen!

Am besten verlasst ihr euch zum Einstieg auf kompetente und zuverlässige einheimische Bergführer wie Lisi Steurer, die ihr touren- bzw. tageweise zum Klettern in Osttirol buchen könnt. Sie achten auf kleine Gruppen und individuelle Betreuung. Nach einem gemeinsamen Tag an einer leichteren Kletterwand zum Kennenlernen und Testen, können am Folgetag individuell zugeschnittene Touren erlebt werden.

Kosten für eine Zwei-Tages-Tour Klettern und individuelle Routenfindung: ca. 450 € für 2 Personen.

Klettern in Osttirol – Eisklettern:

In Matrei in Osttirol steht mit dem Eispark Osttirol der größter künstlicher Eispark Österreichs – und der vielleicht Erste seiner Art. Bis zu 80 Routen verschiedener Schwierigkeitsgrade stehen an der 45 Meter hohen Felswand zu stets gleichen Bedingungen bereit. Was die Ideengeber und Kalser Bergführer Matthias und Vito hier erschaffen haben, ist ein kleines Wunder für alle Bergsportfreunde.

Einmal die Woche könnt ihr sogar bei Flutlicht klettern. Ich war zweimal da und habe deutliche Erfolgserlebnisse gehabt. Wie sagt Bergführer Peter so schön? Eisklettern hat nichts mit Kraft zu tun, sondern mit Geschick! Perfekter Startpunkt zum Eislettern wäre übrigens das Eiskletter-Festival im Januar. Guides und Kurse könnt ihr über die Bergführer Kals buchen.

Mehr Infos zum Eisklettern in Matrei bekommt ihr in meinem Artikel Zurück zum Ursprung – eine Skitour in Osttirol verspricht Ruhe und atemberaubende Aussichten.

Klettern in Osttirol – Kalser Gletscherreise:

Die Kalser Gletscherreise führt zwei Tage durch den Nationalpark Hohe Tauern. Die Klima- und Vegetationszonen, die ihr durchwandert, gleichen einer 4.000 Kilometer langen Reise in die Arktis. An Tag 1 geht es mit einem Nationalpark-Ranger und Fernglas durch den Nationalpark Hohe Tauern. Übernachtet wird in der Stüdlhütte auf 2.802 Höhenmetern. An Tag 2 seilt ihr euch in eine Gletscherspalte am Fuße des Großglockner ab – der höchste Berg Österreichs.

Kosten für die zweitätige Tour: 199 €. Juli – September. Mindestalter 12 Jahre. Gruppengrößte ab 5 Personen. Lebenswichtige Utensilien wie Steigeisen und Klettergurt werden vor Ort gestellt. Selbst mitzubringen sind feste Bergschuhe, wie beispielsweise mein farbenfroher Bergschuh Grimming der Klasse C von Dachstein.

Mehr Infos zur Kalser Gletscherreise bekommt ihr in meinem Artikel 7 Tipps für deinen aktiven Sommerurlaub in Osttirol.

Mein Tipp für gute Berg- und Wanderschuhe:

Meine Wanderschuhe sind von der österreichischen Marke Dachstein – farbenfrohes Design, super bequeme Passform und beste Verarbeitung. An meinem hier beschriebenen ersten Trip hatte ich trotz neuem Schuh selbst nach zwei Tagen keine Blasen. Mittlerweile habe ich die Schuhe in zwei verschiedene Stärken. An dem robusten türkisfarbenen Grimming der Klasse C (Bergschuh, ca. 250€) kann ich Steigeisen befestigen. Das ist für eine Gletscherwanderung oder beim Eisklettern wichtig. Meine Super Leggera DDS (Wanderschuh, ca. 230 €) in Rot sind für Wanderungen, werden aber auch bei langen Städtetrips getragen. Als jemand, die jahrelang dachte, sie könnte in Straßenschuhen (Hilfe!!!) wandern gehen, rate ich jedem zu einem richtigen Wanderschuh! Für einen sicheren Tritt und mehr Anschub aus der Sohle. ;)

Vielen Dank für die Unterstützung an Hansmann PR und Osttirol Werbung.

Kommentare

  1. So schnell kann man sich ändern. Ich habe früher Fahrradfahren gehasst. Wir hatten ebenfalls keine gute Beziehung. Krankheitsbedingt konnte ich jedoch 2 Jahre nicht joggen oder längere Strecken laufen gehen. Fahrradfahren ging jedoch. Am Anfang habe ich mich echt gequält … inzwischen fahre ich lieber Fahrrad anstatt zu joggen.

    Ganz ganz tolle Eindrücke hast du da mitgebracht :-D

    LG mel

    • Gesa

      Hey Mel, wie cool! Schön zu hören :) Und danke, das freut mich! Viel Spaß dir noch weiter beim Radfahren, bin gespannt was für weitere Abenteuer auf dich warten! Grüße, Gesa

  2. Servus Gesa,

    super, dass dich der Bergwandervirus angesteckt hat :-) Vielleicht schaffen wir es ja mal gemeinsam in die Berge :-)

    Liebe Grüße
    Flo

    • Gesa

      Hey Flo! Ja super gern, von dir kann ich bestimmt noch einiges lernen :) Bis bald!

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