Genau zweimal im Jahr fühle ich mich wie damals, mit 14 Jahren. Als alle coolen Kids auf dem Schulhof standen und rauchten und ich mit meinem Scout-Rucksack und der Karottenhose von Mutti abgeholt wurde. Ich dachte immer ich verpasse was, wenn ich nicht dabei bin. So geht es mir auch wenn Fashion Week ist. Ich sitze in meiner Wohnung, sehe die 1000 Bilder auf Instagram und Facebook von unscharfen Models, die auf einem Laufsteg flanieren, Sektgläser, die aneinander stoßen, 12 cm Stiefeletten-Absätzen, die über Kopfsteinpflaster wackeln und wünschte mir auch dabei zu sein in dieser schönen Welt aus Goddie-Bags und rosa Häppchen.

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Also ziehe ich mich an, schwing mich in die U-Bahn und laufe zum Zelt am Brandenburger Tor. Und kaum bin ich 10 Minuten da, weiß ich was ich verpasse. Die Realität. Ich habe einmal Modedesign studiert. Warum? Weil es mich wirklich interessiert. Die Geschichte, die Stoffe, die Silhouette und Schnitte. Mode spiegelt die Gesellschaft wieder, das Bild der Frau und ihre Rolle. Mode hat so viel mit Menschen zu tun. Mode ist so viel und so schön, nur nicht auf der Fashion Week. Das Event, dass eigentlich das kreative Gut anderer zeigen sollte, wird zum Schauplatz der Selbstdarstellung. Es ging ein tolles Bild durch die digitale Welt. Man sieht Anna Wintour und darunter steht „New York Fashion Week“, man sieht Karl Lagerfeld und darunter steht „Paris Fashion Week“, man sieht drei unbekannte Hipster und darunter steht „Berlin Fashion Week“. Ich glaube, ich kenne kein Event, bei dem es eigentlich weniger um die Mode geht, als auf der Fashion Week. Trotzdem gebe ich die Hoffnung  nicht auf und gehe jedes Jahr wieder hin und beobachte das Spektakel. Es gab einmal Zeiten, da saßen Chefredakteure von Modemagazinen in der erste Reihe. Die werden jetzt von Ex-DSDS Teilnehmern, Ex-Topmodel Teilnehmern und bestimmt auch bald Ex-Dschungelcamper belagert. Diese versuchen möglichst pünktlich zu sein, um möglichst als erstes den Raum zu betreten und möglichst lange in irgendeine Kamera zu lächeln. Die Medien haben es auch nicht leicht auf diesen Events. C-Promis will eigentlich kaum einer mehr sehen, wichtige Menschen sind keine mehr da und da kommt es ihnen gelegen, wenn mal ein Typ im roten Samtanzug mit Samtumhang die erste Reihe betritt, ein bisschen Dracula spiel und den Umhang ausbreitet. Wer das überhaupt ist und was er hier zu suchen hat? Keine Ahnung. Ist auch völlig egal. Hey, der trägt einen roten Anzug, der muss einfach cool sein. Noch trauriger als die Szenen vor der Show, sind die Szenen während der Show. Die C-Promis sitzen gelangweilt da, ziehen eine Fresse und ärgern sich, dass die „Unter uns“-Sternchen öfters abgelichtet wurde als sie selbst. Mit dem was da über den Laufsteg geht, können sie sowieso nichts anfangen, weil sie schon bei Ed Hardy unter Vertrag sind. Dieses Jahr musste ich feststellen, dass selbst den Hippstern der Weg vom Prenzlauer Berg nach Mitte zu weit ist. Und wo sind nun eigentlich die wichtigen Leute? Die großen Zeitungsmacher? Die sitzen irgendwo im Adlon bei ihren High-Class-Anzeigenkunden und nippen an Cocktails. Und was verpasse ich jetzt eigentlich, wenn ich zu Hause bleibe? Eigentlich nichts. Genauso wie damals mit 14 auf dem Schulhof. Wenn man dann doch mal dabei war, war nur jeder mit sich beschäftig um möglichst cool die Asche auf den Boden zu schnipsen und die Kippe in den Mund zu stecken.

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Rebekka Rütz

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Berlin Fashion Week – Show von Rebekka Rütz

Rebekka-ruetz

Mercedes-Benz-Fashion-Week-Berlin

die lustige Meute

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Rebekka Ruetz 2013

Berlin-Fashion-Week-Rebekka-Ruetz

32 Kommentare

  1. ahahaha, sowas dachte ich auch am ersten Tag. Jesse fragte mich die ganze Zeit, wer wer ist und ich konnte ihm aber nie eine Antwort geben, die einzigen bekannten Gesichter für mich waren andere Fashion Blogger, lol. Wollte eigentlich auch ein paar Street Styles fotografieren, hab mich darauf fast am meisten gefreut, aber die meisten waren super aufgetakelt und einfach übertrieben.
    Wie fandest du denn die Rebekka Ruetz Kollektion?

  2. früher ging ich auch zur fashion week doch es wurde mir wirklich viel zu anstrengend geworden. und dieses mal bekam ich eine einladung zu blacky dress und dachte mir “ja wieso nicht? dann bekommt mein blog mal lesestoff“. doch als ich da war verlaß mich die begeisterung….der glanz ist verschwunden….schade schade….vllt ist berlin halt noch nicht soweit was? :)

  3. Endlich Mal eine ehrliche Meinung über die Fashion Week Berlin!!!!
    Ich war schon ein wenig traurig, dass ich nicht gehen könnte, aufgrund der vielen Prüfungen im nächsten Monat, doch nun weiß ich dass ich immerhin nicht ganz so viel verpasse ;)
    Auch wenn ich mich immernoch frage wer Annemarie ist und was sie wohl gemacht hat, finde ich ihren Kommentar einfach noch grandios :D Schon allein dass sie sich rechtfertigen muss, zeigt doch dass es pure Wahrheit ist, dass sie ein Z – Promi ist :) ;) :D

  4. komische Welt :-) alle sind fasziniert aber irgendwie auch wieder nicht. Den kreativen Part an der Sache find ich ja auch total spannend. Mir fällt schon ein wenig die Kinnlade runter wenn man sieht, auf was für Ideen manche Leute kommen und was die dann mit Stoffen und tausend anderen Materialien, von denen ich nicht mal weiss wie die heissen, alles anstellen … Aber der ganze Glitzer-Show-Teil wär mir glaub ich too matsch ;-). hmm… Ich bastel mir wohl doch lieber ’n weihnachtsstern… oder so.

  5. Ich frage mich, was an Deinem obigen Post von einem Anwalt kritisiert werden könnte. Es ist alles durch Meinungs- und Pressefreiheit gedeckt. Du beleidigst keinen persönlich, hälst alles schön allgemein und äußerst Deine eigene private Meinung. Wenn Du Mitglied im DJV oder der dju bist, dann brauchst Du Dir darüber eh keine Gedanken zu machen, denn dann hast Du ja schon eine Arbeitsrechtsschutz im Mitgliedsbeitrag drin. Oder Du machst es wie die BILD-Zeitung: alles, was rechtlich fragwürdig oder diffizil sein könnte, stellst Du in eine Frage, machst ein Fragezeichen dahinter. Damit ist es keine Aussage… =:) Also: relax and keep on rocking! Lass Dir nicht den Mund verbieten!

  6. Respekt für deine offenen Worte. Ich war vor 3 Jahren mal auf einer ähnlichen Party in Berlin (ging um die Einweihung eines Mode-Labels) und kann deine Eindrücke nur bestätigen. Das ist eine seltsame Gesellschaft. Zum Glück war ein Freund dabei und die Getränke waren gut. Das hat das ganze erträglicher gemacht :-)

  7. Ich habe gerade deinen Artikel gelesen und köstlich gelacht. War im Juli das erste Mal auf der Fashion Week und im Endeffekt ist es so wie alle sagen: mehr Schein als sein. Schade nur um die Mode.

    Liebe Grüße,
    Ally

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