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Lilies Diary | 30. November 2017

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9 Kommentare

Berchtesgaden und Adlernest

Christine

Manchmal kommt es mir so vor, als gäbe es auch unter Reisenden einen gewissen Coolheitsfaktor. Cool ist Backpacking, frei wie ein Vogel durch die Länder ziehen, geheime Plätze entdecken und seit neuestem auch ökologisch unterwegs sein. Alles was Mainstream ist und die Masse anzieht, ist uncool. Ich wollte man richtig „uncool“ sein und habe eine geführte Tagestour mit dem Bus nach Berchtesgaden gemacht.

Es ging von München aus los nach Berchtesgaden. Treffpunkt zehn Minuten vor Abfahrt, also 8:10 am Hauptbahnhof München. Ich wollte unbedingt die Berge noch einmal sehen, doch ohne Plan und Auto erschien mir das gar nicht so einfach und alleine wollte ich auch nicht rumfahren. Also habe ich bei getyourguide.com eine Tour gebucht. Es gab ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der Gourmettour in Berlin und der Berchtesgaden-Tour mit Adlernest in München. München hat gewonnen und ich stand Punkt 8:10 am Hauptbahnhof. Mit einem komfortablen doppelstöckigen Reisebus ging es los. Zehn Stunden werde ich nun mit Dino dem Fahrer und Günter, unserem Führer verbringen. Günter hat mich schon beim Einlass in den Reisebus vorgewarnt, dass ich die einzige Deutsche bin und mich nett gefragt, ob er sein Programm dann nur auf englisch und italienisch abhalten kann. Klar, versteh ich doch. Die Fahrt geht los, alle 40 Touristen und ich sitzen angeschnallt in den Sesseln und Günter macht seine Scherzchen. Das wunderschöne Wetter hat er mit Petrus angesprochen und weil wir so ein Glück haben, sind wir heute die „Lucky Group“.

Das ich nicht nur die einzige Deutsche bin, sondern auch die Jüngste, habe ich schnell festgestellt. Aber genau als Deutsche sollte man auch einmal schauen, was so ein Fremdenführer den Touristen über Deutschland erzählt. Günni war witzig und charmant und erzählte die üblichen Floskeln wie…“ die Bayern trinken Bier als Medizin“ und solche Sachen. Das mit Petrus und dem Wetter hat er wirklich gut hinbekommen. Es war grandios schön und warm. Ich habe mich gleich von Anfang an als Verrückte geoutet und während der drei Stunden Fahrt mein MacBook rausgeholt, um Fotos zu sortieren. Ja, ich nehme es überall mit hin…
Nach genau drei Stunden sind wir dann auch angekommen am Berggasthof Obersalzberg und ich verspürte eine leichte Übelkeit von der Serpentinenfahrt… Nach einer frischen Kuhmilch ging  es mit dem Spezialshuttel zum Adlernest. Ich war richtig aufgeregt und habe mir schon überlegt, wie sie den Vogel anlocken, ob er noch Eier im Nest hat und wie die kleinen, flauschigen Küken aussehen. Doch während der Fahrt nach oben habe ich Günther zum ersten Mal richtig zugehört…
„… und direkt wenn wir aus dem Aufzug kommen, sehen wir Mussolinis Geburtstagsgeschenk an Hitler, einen Marmorkamin. Ja, wir fahren mit einem Aufzug, der in die Berge gebaut wurde nach oben in das Adlernest, Hitlers Teehütte und Sommerdomizil. Eva Braun hat hier etliche Nachmittage verbraucht, wenn sie wegen Staatsbesuchen verschwinden musste…“
Oh mein Gott, ich wäre fast vor Peinlichkeit in den Boden versunken. Bin ich wirklich die einzige, die dachte, dass bei einer Tour die „Berchtesgaden und Adlernest heißt“ ein Adlernest zu sehen ist? (Ich habe diese Geschichte 20 Leuten erzählt und keiner wusste, dass Hitlers Teehütte Adlernest heißt. Das hat mich sehr beruhigt). Das hat wenigstens erklärt, warum ich die einzige Deutsche war. Ein kleines, blondes Mädchen, die Hitlers Teehütte (Kehlsteinhaus) sehen will. Ich fühlte mich erst etwas eingeschüchtert und dumm aber als wir dann den Aufzug hochgefahren waren und in der Hütte standen, war ich sprachlos. Es war wunderschön. Die Aussicht, die Berge, der Schnee, der ein paar Meter weiter oben schon auf dem Gipfel lag. Von der Hütte aus konnte man noch auf den Gipfel laufen um wirklich alles zu überblicken. Als ich ganz oben stand, habe ich das Gespräch zweier Männer belauscht, die sich gerade kennen gelernt haben. Der eine war aus South Carolina, der andere aus Las Vegas. Irgendwie hat es mich beeindruckt, dass sie sich genau hier treffen und kennen lernen. Auf irgendeinem Berg in Deutschland. Ja, es sind Touristen, die eine geführte, oft als uncool angesehene Tour mitgemacht haben. Aber sonst wären sich nicht hier und hätten nicht das Erlebnis, über diese fantastische Landschaft zu schauen. Mir ist aufgefallen, dass es doch egal ist, ob man mit dem Reisebus irgendwo hinfährt oder stundenlang auf eigener Faust mit Zug und Bahn und Bus. Ob Tagestourentourist oder Backpacker, alle haben das gleiche Erlebnis und drauf kommt es doch an. Es ist egal wie, hauptsache man ist unterwegs! Und ich bin sowieso der Obertouri ;)

Kommentare

  1. mahrko

    Erinnert mich ein bisschen an meine Doppeldeckerbusfahrt von Vaduz auf einen Bergpass in Liechtenstein. Namen weiß ich nicht mehr…

    Oberdeck, erste Reihe. Manche Serpentinen waren so eng, dass der Bus vor und zurück rangieren musste. Bahh… :D

    Und das Hitlers Berghof Aldernest hieß, das wusst ich auch nicht, dabei hab ich in schlaflosen Nächten doch schon stundenlang Hilterdokus auf N24 geschaut ;)

  2. Anna X.

    Manchmal ist es doch wunderbar, so richtig uncool zu sein ;)

  3. lisa_schweda

    hätte ich jetzt auch nicht mehr gewusst :) aber ich hab sogar mal ne voll interessante doku über die hütte von dem gesehen :) voll intressant, da möchte ich glaub ich auch mal hin

  4. Lilies

    Das ist schon echt irre was der Gute da aufgebaut hat…

  5. amina

    extrem sympathisch geschrieben ,)

    • Christine

      Danke ;)

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