Bloß nicht zu viel auf einmal wollen! Um das ganze Spektrum der tausendjährigen Kaiserstadt zu erfassen, würde ich sicherlich Wochen brauchen. Um die Stadt wirklich zu verstehen, Jahre. Egal! Wohl fühle ich mich in Prag auf Anhieb! Und die meisten Sehenswürdigkeiten lassen sich problemlos zu Fuß erreichen – bei einem längeren Spaziergang.

Wenn die ersten Sonnenstrahlen am Morgen die Dächer berühren, glänzen hunderte von Kirchen- und Turmspitzen – die „Goldene Stadt“ erwacht. Im Mittelalter waren viele Dächer tatsächlich vergoldet, jetzt leuchten sie wieder frisch renoviert. Die Tristesse aus sozialistischen Zeiten ist lange schon vorbei, das Grau der Fassaden fast überall übertüncht. Prag zeigt sich farbenfroh und lockt täglich bis zu 100.000 Besucher an.

Ich mache mich gleich in den frühen Morgenstunden auf den Weg. Denn das ist die beste Zeit, um einen Rundgang zu starten. Dann sind die meisten Touristen noch in den Hotels, Pensionen und Hostels.

Spaziergang durch Prag

Tipps für Prag Sehenswürdigkeiten – die Karlsbrücke

Ich genieße die ruhige Gelassenheit auf den Straßen. Die barocken Figuren auf der Karlsbrücke scheinen die Stille ebenfalls noch zu genießen, majestätisch thronen sie zu beiden Seiten der Brüstung. Nur eine einzige aus Bronze gegossene Statue leuchtet in der Morgensonne. Sie zeigt den heiligen Johannes von Nepomuk, der 1393 auf Befehl Wenzels IV. In die Moldau gestürzt wurde, weil er sich in einem kirchenrechtlichen Streit gegen den König gestellt hatte.

Heute gilt Nepomuk als der „Brückenheilige“ – und er glänzt, weil ihn tagtäglich unzählige Hände polieren. Wer ihn berührt, darf sich etwas wünschen, so sagt die Legende. Muss ich natürlich auch probieren – bleibt aber geheim.

Nepomuk selbst scheint immer wieder um viel Publikum zu bitten. Rasch füllt sich die Karlsbrücke mit Touristen und die ersten Kleinkünstler bereiten sich auf ihren Auftritt vor. Ein Gitarrist stimmt geduldig sein Instrument, ein Schnellzeichner baut seine Staffelei auf, ein Schmuckverkäufer packt seine silbernen Haarspangen aus. Nicht mehr lange und es wird eng beim Flanieren auf Prags berühmtestem Bauwerk. Aber da bin ich schon weg …

Tipps für Prag Sehenswürdigkeiten – Altstädter Ring

Die Karlsbrücke verbindet die so genannte Kleinseite mit der Altstadt. Die Karlsstraße führt direkt auf den Altstädter Ring, einen großzügig angelegten Platz, auf dem das Alte Rathaus mit seiner astronomischen Uhr zu jeder vollen Stunde zahlreiche Schaulustige anlockt.

Ich mische mich unter die Menschenmenge und mache es ihnen gleich: Kopf in den Nacken und warten. Vor dem ersten Glockenschlag erscheinen nacheinander die zwölf Apostel in einem Fensterchen – ein kurzer Akt mit hölzernen Heiligen. Zum Schluss schwingt ein kleiner Knochenmann neben dem Zifferblatt Sterbeglocke und Sanduhr.

Ich glaube, er will mir sagen, dass es Zeit wird, weiterzugehen – nebenan warten schon die St. Niklas-Kirche und das monströse Denkmal für den 1415 als Ketzer verbrannten Kirchenreformer Jan Hus … sollen sie warten! Ich brauche erst mal einen Kaffee!

Tipps für Prag Sehenswürdigkeiten – Café Slavia

Altehrwürdige Kaffeehäuser gibt es nicht nur in Wien. Auch Prag hat aus der Habsburger-Zeit einige noble Adressen zu bieten. Meine Lieblingsadresse ist das Café Slavia im Stil der 1930er-Jahre – es liegt direkt an der Moldau, gegenüber vom Nationaltheater. Und obwohl es hier ein ständiges Kommen und Gehen ist, kann ich hier immer hervorragend entspannen.

Ich habe Glück und ergattere einen Nischenplatz direkt am Fenster, kann ein bisschen träumen, ein bisschen die Passanten beobachten, ein bisschen Milchkaffee schlürfen und die Aussicht genießen: bis zur Karlsbrücke und zum Hradschin.

Tipps für Prag Sehenswürdigkeiten – die Prager Burg Hradschin

Die Prager Burg Hradschin thront auf der anderen Seite der Karlsbrücke, auf der so genannten Kleinseite, weit sichtbar über der Stadt. Sie bildet das größte geschlossene Burgareal der Welt – allein die Frontseite ist einen halben Kilometer lang. Für die großartige Silhouette des Hradschin sorgen die drei Türme der mächtigen St.-Veits-Kathedrale. Ob ich den Wachsoldaten vor dem Burgtor zum Lachen bringen kann? Schwierig, aber ich glaube, er hat mich angezwinkert.

Neben der mächtigen Burg geht es winzig zu: Im Goldenen Gässchen ducken sich die niedrigen Häuschen unter der Burgmauer. In Nummer 22 schrieb übrigens Franz Kafka seine Erzählung „Der Landarzt“.

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Tipps für Prag Sehenswürdigkeiten – Botschaft

Ein wenig deutsche Geschichte schnuppern? Warum nicht! Auf dieser Seite der Moldau findet man auch den barocken Palais Lobkowitz – Sitz der Deutschen Botschaft. Der Bau wurde 1989 Mittelpunkt der Weltgeschichte.

Okay, man sieht nicht viel, aber der Zaun kommt mir irgendwie bekannt vor. Von Fernsehbildern … und plötzlich hab ich Außenminister Genscher ganz deutlich im Ohr: „Ich bin heute gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass Ihre Ausreise …“

Ach ja, Geschichte – da gibt es in Prag wirklich viel zu entdecken. Ich wechsle wieder die Moldau-Seite und begebe mich auf eher morbide Spuren.

Prag Sehenswuerdigkeiten

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Tipps für Prag Sehenswürdigkeiten – Der Alte Jüdische Friedhof

Auf den ersten Blick sieht das schon ziemlich chaotisch aus! Manche Steine stehen senkrecht, manche schräg, wieder andere quer. Der Alte Jüdische Friedhof in Prag erzählt viele Geschichten. Zum Beispiel die: Weil Platz im jüdischen Ghetto immer schon begrenzt war, wurden die Toten in Lagen übereinander bestattet. So haben sich die Grabsteine im Laufe der Zeit untereinander und ineinander geschoben.

Ich laufe auf dem schmalen Weg durch das Gewirr der Gräber. Mehr als 12.000 Grabsteine sollen sich hier stapeln – für 200.000 Menschen, die hier ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Blumen gibt es hier übrigens keine. Als Gesten der Erinnerung liegen kleine Steine auf den meisten Grabmälern.

Tipps für Prag Sehenswürdigkeiten: U Fleků – beim Fleck

Da unterscheidet sich Prag nicht von anderen Metropolen: Auch hier macht mich Sightseeing richtig hungrig – und durstig. Und schon wären wir beim Thema Bier … Eigentlich bin ich nicht gerade der Biertrinker, aber wenn ich schon mal Tschechiens Hauptstadt besuche, muss ich natürlich auch ein frisch Gezapftes probieren.

Die Pivnices, die Prager Bierstuben, sind so berühmt wie in Paris die Bistros oder in Wien die Kaffeehäuser. Eine Prager Institution ist das „U Fleku“, in dem seit 1299 ein kräftiges, dunkles Bier gebraut wird. Ich setze mich in den Biergarten, lausche Polka-Musik und beobachte das Drumherum.

Am Tresen wird im Akkord gezapft, die Kellner schieben sich mit den randvollen Gläsern durch die Sitzreihen, Essen scheint hier Nebensache zu sein. Die Bänke sind voll mit Touristen, ich schnappe englische, französische, spanische Wortfetzen auf … Ja, das „U Fleku“ hat sich auf Touristen eingestellt, auch preislich. Aber für mich war es trotzdem einen Besuch Wert. Und das Bier schmeckt mir auch!

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Die Gastautorin:
Autorenfoto-Katrin

Katrin Schreiter ist umtriebige Autorin und leidenschaftliche Fotografin. Die Leipzigerin leidet an chronischem Fernweh. Therapie regelmäßig weltweit – am liebsten in Neuseeland und Kanada, Indien und China. Manchmal aber auch gleich nebenan.

7 Kommentare

  1. Vielen Dank für die wunderbaren Tipps. Prag stand eigentlich schon in diesem Jahr auf meiner Reiseliste. Ich wollte von Budapest/Wien aus einen Abstecher dort hin machen, leider hat es von der Zeit her nicht mehr gereicht. Ich hoffe, dass es nächstes Jahr was wird. Ich habe bisher wirklich nur Gutes über diese wunderschöne statt gehört.

    Liebste Grüße
    Ivy

  2. Schade. Tipps, die in jedem Blogbeitrag oder Reiseführer über Prag stehen. Mir fehlen die Geheimtipps um die Viertel, die abseits der Touristenpfade liegen.

  3. Dieser wunderbare Artikel über Prag hat meine Reiselust wieder geweckt. Seit Jahren will ich wiedermal in diese Stadt fahren – ich glaube, jetzt ist es soweit!

    Gibt’s noch mehr von Dir zu lesen?

    beste Grüße,
    Jette

  4. Ein sehr gelungener Artikel, besonders für Reisende, die nur wenig Zeit in der Stadt haben und die wichtigsten Sehenswürdigkeiten zum Beispiel an einem Wochenende abklappern wollen. Besonders gelungen finde ich, wie liebevoll und leicht die Kerninformationen zu den einzelnen Sehenswürdigkeiten und allgemeine Fakten zu der Stadt im Blog untergebracht wurden.
    Jetzt habe ich Lust auf einen Städtetrip in Prag!

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