Janine ist ein echter Profi, wenn es um die Themen Arbeiten im Ausland und analoger Reisenomade geht. Sie hat selbst schon unter anderem in Spanien, Griechenland und Singapur gearbeitet und verrät euch heute, wie es geht! Freut euch auf viele Infos und Inspirationen:

Arbeiten im Ausland

Buzzwords wie „Arbeiten im Ausland„, „Digitale Nomaden“ oder „ortsunabhängiges Arbeiten“ stoßen in unserer Gesellschaft auf zunehmendes Interesse. Derzeit liest man überall etwas zu diesen Themen. Ich habe das Gefühl, dass Deutschland sich im Umbruch befindet. Große Unternehmen wie Microsoft machen es vor und verabschieden sich von überholten Arbeitsformen. Stattdessen geht es in Richtung: Arbeite wo und wann du willst. Klingt unglaublich verlockend, oder? Nur leider sind die meisten Firmen noch nicht soweit. Und es kommt noch ein weiterer Haken dazu, nicht jeder Beruf lässt sich online oder aus dem Homeoffice verrichten.

Singapur-Touristenvisum

Wenn du beispielsweise im Hotelgewerbe oder im handwerklichen Sektor arbeitest, ist es schwierig in Kürze ein digitaler Nomade zu werden. Trotzdem gehörst Du eventuell auch zu den Lesern, die sich dennoch näher mit dem Thema beschäftigen oder sich fragen, wie man das Reisen mit dem Arbeiten verbinden kann. Und das ist gut so! Denn das Pendant zum digitalen Nomadentum sind die analogen Nomaden. Ich war beispielsweise vier Jahre lang als analoger Nomade unterwegs und habe, unter anderem, in Hotels gearbeitet, als Ayurveda Therapeutin, freie Journalistin und so weiter. Wie Du siehst, waren meiner Kreativität keine Grenzen gesetzt und wo ein Wille ist, ist ein Weg. Überlege Dir genau, was Deine Stärken und Talente sind. Konzentriere Dich darauf und recherchiere im Internet welche Möglichkeiten es für Dich gibt.

So, nun ist vielleicht die größte Hürde geschafft und Du hast tatsächlich einen Job gefunden! Glückwunsch! Jetzt kommt für die meisten unter uns der etwas unangenehmere Part: Die liebe Bürokratie! Wie sieht das mit der Versicherung aus, muss ich mich aus Deutschland abmelden etc.? Ja, das sind alles nervige Dinge, womit sich am liebsten keiner so richtig auseinandersetzen möchte, aber es ist dennoch sehr wichtig. Daher fasse ich in diesem Beitrag einmal die wichtigsten Dinge zusammen.

Arbeiten im Ausland – Kümmere Dich rechtzeitig um ein Visum

In der EU stellt sich die Frage nicht, für alle Nicht-EU-Staaten jedoch besteht eine Visumspflicht. Manche Arbeitgeber kümmern sich für Dich darum, leider kannst Du Dich darauf nicht immer verlassen. Daher frage nach. Wenn Du dauerhaft in Ländern außerhalb Europas arbeiten möchtest, brauchst Du in der Regel ein Arbeitsvisum. Für manche Länder reicht auch ein Working-Holiday-Visum.

Ich muss hier ehrlich gestehen, dass es in meinem Fall so aussah, dass ich mit einem Touristenvisa einreiste (je nach Land 30 – 90 Tage) und durch die Ausreise in ein Nachbarland und die erneute Einreise, das Visum verlängert wurde.

Arbeiten im Ausland – Meldepflicht in Deutschland

Wer in Deutschland aus einer Wohnung zieht und binnen einer Woche keine neue Wohnung im Inland bezieht, muss sich nach den melderechtlichen Bestimmungen abmelden. Ein Zweitwohnsitz in Deutschland ist nur möglich, wenn sich auch der Erstwohnsitz in Deutschland befindet.

Wenn Du jedoch vorhast nur für einige Monate ins Ausland zu gehen und nicht auszuwandern, würde ich allerdings aus bürokratischen Gründen hier gemeldet bleiben. Bei der Familie beispielsweise. Ich blieb damals bei meiner Mutter gemeldet. Warum? Ein Wohnsitz in Deutschland vereinfacht die Visabeantragung für andere Länder. Du kannst Dein Gewerbe angemeldet lassen, ebenso Dein Fahrzeug, falls vorhanden und vor allem spart es Dir eine Menge bürokratischen Aufwand nach Deiner Rückkehr.

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Arbeiten im Ausland – Krankenversicherung in Deutschland und im Ausland

Generell ist es in Deutschland so: Wer seinen Wohnsitz hier hat, ist krankenversicherungspflichtig. Bei Urlaub oder Kurzreisen ins Ausland versichert Dich die deutsche Krankenversicherung auch in Ländern, mit denen ein Sozialversicherungsabkommen besteht. Wenn Du Dir nicht sicher bist, ob Dein Zielland dazu gehört, frage am besten bei Deiner Krankenkasse nach.

Bei Langzeitreisen oder Arbeit im Ausland, ist das noch mal eine andere Geschichte. Kläre zunächst, ob Du bei dem zukünftigen Arbeitgeber gesetzlich krankenversichert bist. Damals war ich über den Arbeitgeber in der gesetzlich spanischen und später in der griechischen Krankenkasse versichert. Nichtsdestotrotz hatte ich eine Auslandskrankenversicherung, da diese viel mehr Leistungen abdeckt. Die brauchst Du auch in jedem Fall, selbst wenn Du Dich auf Langzeitreisen befindest.

Arbeiten im Ausland – Das liebe Geld

In der EU wurde von meinem Arbeitgeber in Griechenland und Spanien für die Lohnüberweisung ein Konto bei der zuständigen lokalen Bank eingerichtet. Bei Nicht-EU-Staaten und ohne Arbeitsvisum für das Land, funktioniert das nicht.

Singapur

Als ich in Singapur war, wurde das Geld auf mein deutsches Konto überwiesen. Daher rate ich Dir, habe mindestens eine Kreditkarte bei Dir. Sprich mit Deiner Bank! Bestimme das Limit. Es sollte so hoch sein, dass du gegebenenfalls für zwei Monate über die Runden kommst, falls es Schwierigkeiten mit dem Abheben des Geldes geben sollte. Da die Lebenshaltungskosten in Singapur sehr hoch sind, hatte ich damals ein Limit von 4.000 Euro festgelegt. Das ging nicht weil ich so super verdiente, sondern weil ich jahrelanger Kunde bei meiner Bank bin. Mir gab es Sicherheit und ich konnte in jedem Fall die Miete pünktlich überweisen.

Allerdings würde ich eine zweite Kreditkarte mitführen, falls eine nicht funktionieren sollte. Nichtsdestotrotz: Kreditkarten vor der Abreise immer überprüfen!

Darüber hinaus empfehle ich, an die Person Deines Vertrauens eine Vollmacht (Bank + Allgemein) auszustellen. In dem Fall war es bei mir meine Mutter und es hat mir in der einen oder anderen Situation vieles erleichtert und sehr geholfen, da ich nicht immer die Möglichkeit hatte zu telefonieren. Zum Beispiel als ich mitten im Nirgendwo Indiens war ;).

Mein-Arbeitsplatz-auf-Kos

Sichere Deine Dokumente

Das Mitführen eines gültigen Reisepasses und Personalausweises versteht sich von alleine. Allerdings habe ich für den worst case, wie bei einem Diebstahl, alle Reisedokumente zweimal kopiert. Eine Kopie erhält die Person meines Vertrauens, die auch stets weiß, wo ich mich befinde, samt den Kontaktdaten. Die andere Kopie führe ich mit und lasse sie immer im Hostel/Hotel/Gastfamilie. Ich sichere mich sogar dreifach ab und scanne alles Wichtige ein und lege es in der Dropbox ab. Das gilt für folgende Dokumente:

  • Reisepass
  • Visa
  • Flugticket
  • Hotel-/Hostelreservierung
  • Bestätigungsmail Airbnb, Wimdu etc.
  • Versicherungspolice
  • Führerschein
  • Kreditkarte
  • Notfallkontakt

Arbeiten im Ausland – Weitere wichtige To-Dos

  • Vereinbare bei allen Ärzten noch mal einen Termin für eine Kontrolluntersuchung oder Impfberatung
  • Benötigst du verschreibungspflichtige Medikamente?
  • Informiere Dich über Dein Destinationsland
  • Frische Deine Sprachkenntnisse auf
  • Beantrage einen internationalen Führerschein
  • Kläre alle Angelegenheiten mit Deiner Wohnung und Deinen Dauerverträgen wie Strom, Telefon, Handy, Internet, Versicherungen etc.

Bist Du startklar :)? Lass Dich durch die Bürokratie nicht abschrecken. Es gehört leider dazu, jedoch erwartet Dich eine einmalige und unvergessliche Erfahrung, die Dir keiner mehr nehmen kann.

Anregung könnte Dir auch dieser Artikel bieten „Reisen und Arbeiten: Wie packe ich es an und bewerbe mich im Ausland“.

Janine-in-Singapur

Habe ich vielleicht noch etwas Wesentliches vergessen zum Thema Arbeiten im Ausland? Dann schreibe es gerne in die Kommentare.

7 Kommentare

  1. Hey Christine,

    gerade gesehen, dass der Beitrag online ist :). Vielen Dank noch mal für die tolle Möglichkeit einen Gastbeitrag für dich zu schreiben :)!

    Liebe Grüße,
    Janine

  2. Hallo Janine,

    danke für den Beitrag! Vielleicht kannst du mir ja bei einer Frage weiterhelfen. Ab Herbst werde ich wieder in Frankreich wohnen, allerdings habe ich nicht wie beim letzten Mal nur einen Job vor Ort, sondern auch einen für eine Firma in Deutschland, den ich vom Laptop aus machen kann. Deswegen bleibe ich natürlich in Deutschland versichert. Um leben zu können würde mir der Laptopjob einigermaßen reichen, allerdings will ich neben dem Praktikum, das ich in Frankreich ein bis zwei Tage die Woche machen werde, meine restliche Zeit teilweise mit einem Job vor Ort ausfüllen. Dann müsste ich auch dort durch meinen Arbeitgeber versichert sein. Ist das ein Problem, meinst du?
    Leider konnten mir Arbeitsamt etc. die Frage nicht eindeutig beantworten…
    Herzliche Grüße,
    Lena

    1. Liebe Lena,

      Danke für deinen Kommentar!
      Hier stellen sich weitere Fragen: Bist du und bleibst du in Deutschland gesetzlich versichert? Wenn ja, kannst du nicht gesetzlich in Frankreich und Deutschland versichert sein. Das wäre auch redundant. Weitere Fragen die sich stellen sind, wirst du in Frankreich Steuern zahlen? Wie lange bleibst du in Frankreich? Hake auf jeden Fall beim französischen Arbeitgeber nach, ob du auch da versichert bist. Die Beantwortung deiner Frage hängt von verschiedenen Faktoren ab, die man leider pauschal nicht beantworten kann. Hier fehlen mir noch Hintergrundinformationen. Gerne kannst du mir auch eine Mail schicken an: info@bereisediewelt.de

      Viele Grüße,
      Janine

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