Der Mann von heute: Da schaut er mich an, der Mann von heute. Im lässigen Schneidersitz hat er es sich gemütlich gemacht, den Kopf in die linke Hand abgelegt, die Augen groß und wach und ein breites Grinsen im Gesicht. Nur ein bisschen grün ist er um die nicht vorhandene Nase. Ich gebe zu, Headlines, die mir versprechen das Geschöpf Mann besser zu verstehen, ziehen mich magisch an, so auch die aktuelle Ausgabe der ZEIT. Vorne, neben Helmut Schmidt sitzt Kermit der Frosch, der Mann von heute, laut ZEIT. Er darf über sich selbst lachen, im Testosteron baden, zum Therapeuten gehen, eine Chefin haben… Alles kann er, nur eine Sache muss er – Humor haben, denn: „Ein Frosch ohne Humor ist nur ein kleiner grüner Haufen“, wie Kermit selbst einmal sagte.

Mann-von-Heute-Zeitmann

Er lacht nicht über andere, sondern mit ihnen oder über sich. Er nimmt sich nicht zu ernst und macht damit alles richtig. In der aktuellen ZEIT gibt es das Beiheft ZEITmann, es will der Frage auf den Grund gehen: Wie ist es um den Mann eigentlich tatsächlich bestellt? Wie nimmt er sich der neuen Rolle in der Gesellschaft an? Was ist männlich? 33 gute Nachrichten gibt es im ZEITmann vom Mann von heute. Ich habe versucht meine Lieblingspunkte für euch kurz und knackig zusammenzufassen und mir eigene Gedanken zu machen: Was finde ich gut am neuen Mann:

der-neue-mann

  • Er hat erkannt, dass über sich lachen männlich ist. Ja, manchmal sitzt man diesen bildschönen Männern gegenüber und wünschte, man hätte sie nie angesprochen, denn kaum reden sie merkt man, dass sie völlig humorfrei sind und humorfreie Männer, dass ist hoffentlich bald eine aussterbende Spezies, können über nichts lachen und irgendwie ist das ziemlich unsexy.
  • Sie erkennen, dass in einer Schwäche eine unglaubliche Stärke liegen kann.
  • Männer sind bereit Elternzeit zu beanspruchen. Manche nehmen zwar nur die lächerlichen 2 Monate, einige aber auch ein ganzes Jahr und irgendwie finde ich es attraktiv, wenn ein Unternehmensberater sich auch um ein Bäuerchen kümmern kann.
  • Männer suchen sich in Krisen einen Coach. Ob bei beruflichen oder privaten Problemen. Als Frau kann man sich ja kaum vorstellen, welch Ego manch Mann an den Tag legt und dass er lieber vor die Hunde gehe würde, als um Hilfe zu fragen. Dass diese Eigenschaft völlig dämlich ist, wissen wir Frauen schon lange und zum Glück die Männer langsam auch.
  • Der Mann steht zu seinem Bäuchlein und ja, manch Frau hat auch erkannt, dass es ganz sexy sein kann. Ob ich dazu gehöre, weiß ich noch nicht.
  • Das Stoische, Unbeirrbare ist auch heute noch ein Charakterzug, der dem Mann gut steht.
  • Er hat begriffen, dass Hip Hop auch ohne schwule- und frauenverachtende Texte funktionieren kann.
  • Um ein Held zu sein, muss man nicht das Zeug dazu haben, jemanden die Fresse zu polieren. Solche Männer würde ich gerne zurück in ihre Höhle schicken und im Lagerfeuer verbrennen.
  • Leidenschaft ist männlich. Ja, natürlich am liebsten für eine Frau, aber auch für eine Sache. Wer weiß was er mag, setzt sich mit sich selbst auseinander und das kann nie schaden.
  • Ihr braucht uns, uns Frauen und ein bisschen Feminismus. Dieses Argument werfe ich jetzt nicht wild in den Raum. Soziologische Studien haben gezeigt, dass Männer gesünder, glücklicher, selten anfälliger für Drogen sind und einen Therapeuthen aufsuchen, wenn sie in einer Beziehung sind. Moment, das war noch nicht alles. In einer Beziehung leben, in der sich beide Partner die Kindererziehung und die Hausarbeit teilen. Sogar der Sex ist besser.
  • Mann und Frau können nun Freunde sein! „Erinnern Sie sich noch an den Film Harry und Sally? Harry behauptet, Männer und Frauen können nicht befreundet sein. Die gute Nachricht ist, dass die Söhne und Töchter von Harry das ganz anders sehen“. Danke Michael Kimmel, Professor der Soziologie für dieses Statement.
  • Ich-Sager sterben aus. Wenn jemand alles weiß und alles passiert ist, was kann man mit diesem Mann noch erleben? Nichts.
  • Karl Lagerfeld sagte: „Wenn ein Mann ungepflegt ist, wird das nicht mehr als Zeichen von Männlichkeit missverstanden. Ich frag mich: „War das jemals ein Zeichen von Männlichkeit?“, und freue mich diese Zeit verpasst zu haben.
  • Männer machen sich hübsch, ohne gleich als schwul zu gelten und wenn, dann wäre es ihnen egal. Das gleiche gilt auch für Emotionen. Man darf sie zeigen, sie stehen ihnen gut.

Ich gebe zu und unterstreiche die Aussage vom ZEITmann, jeder Mann sollte ein bisschen Kermit in sich tragen: „Kermit betreibt seit vielen Jahren ein Theater, er ist ein umtriebiger Geschäftsmann und ein Entertainer, seinen besten Freund Fozzie Bär, ein gnadenlos schlechter Witzeerzähler, lässt er trotz Misserfolg niemals fallen. Und wie ein Gentleman wehrt er sich gegen die Avancen von Miss Piggy, die in ihm etwas zu sehen scheint, was über die bloße Anziehungskraft hinausgeht.“, steht im ZEITmann und wie ich das so lese, merke ich, wie ich mich in Kermit verliebe. Mir ist klar, dass diese ganzen Sachen nicht auf jeden Mann zutreffen. Müssen sie auch gar nicht. Wie Autos, gibt es Männer auch mit verschiedenen Ausstattungen für unterschiedliche Bedürfnisse. Ich weiß auch, dass der neue Mann, morgen schon wieder alt ist, doch trotzdem finde ich sie gut, diese Debatten über Geschlechterrollen in der Gesellschaft und den Mann von heute, denn dadurch denken die Männer über sich nach. Vielleicht auch über Bedürfnisse und Wünsche und egal wie sie sind, wenn es sie glücklich macht, dann meistens auch uns.

12 Kommentare

  1. Vom Haus den Synchronsprechers von „Kermit der Frosch“ aus ging vorletzte Woche ein begleiteter Umzug weg. Ist schön dort, in Hamburg-Winterhude!

  2. Haha, ich bin sehr froh, dass mein Mann dann ein neuer solcher zu sein scheint, was vielleicht daran liegt, dass er Schwede ist. Ich kenne vor allem deutsche Mann-Modelle, die das alles noch nicht serienmäßig in der Ausstattung haben. ;)

  3. Möglich. Aber da braucht man natürlich auch erst mal die Schnittstellen (was für ein seltsames Wort, wenn man mal so drüber nachdenkt), bei den etwas älteren Modellen – und ich meine keinesfalls Greise – könnte das das Problem sein. (P.S. Grüß bitte Anne mal lieb von mir, wir haben uns in Rom kurz kennen gelernt.)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*