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Lilies Diary | 17. August 2017

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3 Kommentare

Leserbrief: Mein Weg aus dem Teufelskreis

Gastautoren

Ich schreibe es immer wieder, aber es ist einfach so wahr! Das Schönste an meinem Leben und meinem Beruf sind all die wunderschönen Mails von euch, die Tag ein, Tag aus in mein Postfach flattern. Noch schöner ist es, wenn sie eine Eigendynamik entwickeln. Ich hoffe ihr könnt euch noch an den wunderschönen Leserbrief von Tabea „Wenn ich könnte, wie ich wollte“ erinnern. Marc bot mir, also damit eigentlich uns an, eine Antwort zu schreiben. Einen Weg zu zeigen, wie man aus einem Hamsterrad und Teufelskreislauf rauskommt. Ich nahm seinen Vorschlag begeistert an und hier kommt seine Geschichte:

Teufelskreis

Leserbrief – Marcs Weg aus dem Teufelskreis

„Ich stecke hier fest!“ Nicht vorwärts kommen, immer an der Stelle treten oder sogar rückwärts umfallen. Hast du das auch schon mal erlebt? Hast du einen solchen Satz mal gesagt oder auch nur gedacht? Manchmal bremst uns die Angst einen Fehler zu machen. Manchmal bremst uns die Angst nicht gut genug zu sein. Manchmal können wir dieser Angst begegnen und weiter machen. Doch manchmal bleibt die Angst an uns haften – hält uns fest! Sie lässt uns nicht mehr los, bis wir in einem Kreislauf aus negativen Gefühlen, Angsterfahrungen und Hilflosigkeit stecken. Ich selbst habe diesen Teufelskreis durchlebt und einen Ausweg gefunden. Und nun möchte ich ihn dir gerne zeigen…

Ja, wie kommt man (also du) da raus, oder besser gesagt – wieder raus? Zunächst ist es mir wichtig zu erwähnen, dass jeder seinen eigenen Kreislauf hat und es keinen universellen Ausstieg gibt. Eigentlich schade. Doch was es meiner Erfahrung nach gibt, sind verschiedene Hilfestellungen um seinen eigenen Ausgang zu finden. An erster Stelle stehen für mich die 5 Prozessfragen:

  • Was ist mein Teufelskreis?
  • Was möchte ich verändern?
  • Wann und wie ist mein Teufelskreis entstanden? Denn er war selten schon immer da.
  • Was an meinem Teufelskreis ist nützlich für mich? Ja, diese Frage ist etwas merkwürdig. Doch meistens ist etwas Gutes in unserem Kreislauf versteckt, denn sonst fiele es uns meist leichter uns zu verändern… Also was sagt mir mein Unterbewusstsein damit?
  • Wann war ich schon einmal nah dran den Ausstieg zu schaffen und was oder wer hat mich aufgehalten?

Wenn ich jetzt sagen könnte, dass du mit diesen fünf Antworten schon aussteigen kannst, wäre ich froh. Dem Ein oder Anderen ist es so schon gelungen. Für mich sind diese fünf Fragen die ersten Schritte in eine neue Art des Bewusstseins und daraus ergeben sich weitere neue Schritte und Sichtweisen.

Mein Weg aus dem Teufelskreis: Wenn das Ich auf der Strecke bleibt

Vielleicht beschreibe ich meinen Ausstieg an Hand der Fragen. Mein Leben ist im Grunde ein „völlig“ normales Leben von Kindheit bis zum heutigen Zeitpunkt. Klar gibt es da Muster, die meinen damaligen Kreislauf begünstigt haben, doch das würde jetzt zu weit führen und nicht immer bringt es uns weiter, wenn wir versuchen unsere Vergangenheit zu ändern. Also zum Kreislauf: Ich war mehrere Jahre in meinem gefangen und vor einigen Jahren bin ich ausgestiegen. Ich war gefangen zwischen meiner zauberhaften kleinen Familie und unserer Praxis. Ich war entweder in der Praxis und hatte ein schlechtes Gewissen gegenüber meiner Familie oder ich war zu Hause und dachte, der Umsatz stimmt nicht. Wie soll ich meine Familie ernähren? Sind meine Patienten unzufrieden, weil sie auf Termine warten müssen? Es gab kein ICH mehr. Gefühlt gab es kein ICH mehr. Natürlich gab es immer ein ICH, nur ich habe es nicht mehr wahrgenommen. Von Außen ist dieser Kreislauf auch schwer zu erkennen. Mein Umfeld sah nur mich wie ich „ALLES“ schaffte und es gab Bewunderung und Lob. Das wiederum führte bei mir zum Strudel. Jetzt bloß keine Schwäche zeigen. Doch irgendwann kam der Punkt an dem ich nicht mehr wusste wie es weiter gehen soll. Ich hatte Angst, dass ich auf der Strecke bleiben würde wenn sich nichts ändert.

Nun begann meine Suche nach jemanden, der mir helfen konnte diesem Kreislauf zu entkommen. Nach vielen Gesprächen mit Freunden, Familie und Therapeuten merkte ich, dass es diesen Jemand, so wie ich ihn suchte, nicht gab. Ich suchte jemanden, der mich da raus holte ohne dass ich aktiv werden muss. Da wurde mir klar, dass ich aktiv werden „muss“ um etwas zu bewegen. Gerade da liegt aber oft der Knackpunkt. Da man an dieser Stelle schon so viel Leere in sich spürt und ohne Energie ist. An dieser Stelle konnte ich mir aber noch bewusst machen was ich tue. Ich entschied mich ab diesem Moment ganz bewusst für die Dinge, die ich machte. Wenn ich in der Praxis war, dann weil ich es wollte. Wenn ich Zuhause war, dann auch nur, weil ich es so wollte. Ich war nicht mehr fremdbestimmt. Denn dieses Gefühl hatte ich im Kreislauf. „Ich habe keine Wahl. Die äußerlichen Umstände zwingen mich zu reagieren. Ich bin hilflos!“

Mein Weg aus dem Teufelskreis – Ich bin SELBSTBESTIMMT!

Mein Gedanke war das Erste, was ich umgestellt habe: Ich bin SELBSTBESTIMMT!

Zu den Fragen:

  • Was war mein Kreislauf? Ich hatte das Gefühl nur noch fremdbestimmt zu sein.
  • Was wollte ich verändern? Ich wollte für mich mehr Kontrolle zurück gewinnen. Aber: Das war mir anfangs noch nicht so bewusst, da wollte ich nur auf die Bremse treten.
  • Wann begann mein Kreislauf? Als ich versuchte es anderen Menschen Recht zu machen und die Bewunderung mich pushte.
  • Was war nützlich für mich? Ich bekam sehr viel Lob und Anerkennung wie „wow, wie du das alles so schaffst“ und ich brauchte nicht aktiv werden, da es ja die Umstände waren, die dafür verantwortlich waren.
  • Wann war ich nahe dran den Kreislauf zu durchbrechen und was hat mich gebremst? Als mir bewusst wurde, dass ich Hilfe braucht. Gebremst wurde ich dadurch, dass ich passive Hilfe wollte. Hier steht ein großes ACHTUNG, denn es geht hier nicht darum warum ich es nicht geschafft habe, sondern darum was ich daraus gelernt habe und jetzt für mich nutzen kann!

Das soll jetzt nicht heißen, dass du es ohne Hilfe schaffen musst oder sollst. NEIN! Es soll bedeuten, dass du der aktivere Teil sein solltest und nicht der Helfende aktiver ist als du! Es gibt viele gute und geeignete Therapeuten, die dir helfen können zur Selbsthilfe zu gelangen. Am wichtigsten ist es aber, dass du das willst und die ersten Schritte gehst.

Ich hatte das Gefühl, dass ich nicht weniger machen konnte. Also machte ich bewusst mehr. Ja, das ist etwas paradox, doch war es mein erster Schritt. Ich machte es bewusst. „Ich muss noch“ wurde zu „Ich möchte noch“. „Ich kann nicht mehr“ wurde zu „Ich kann, weil ich will“ oder „Ich will nicht mehr, könnte aber“.

Mein Weg aus dem Teufelskreis – Die vier Ebenen als praktische Hilfe aus dem Chaos

Eine praktische Hilfe aus dieser Zeit war und ist meine kleine Schatzkiste der Wünsche und Ziele, die ich auf kleine Zettel geschrieben habe. Sie besteht aus 4 Ebenen.

  1. Ebene: unmittelbar umsetzbar
  2. Ebene: in den nächsten 6 Monaten umsetzbar
  3. Ebene: in den nächsten 5 Jahren umsetzbar
  4. Ebene: umsetzbar bevor ich sterbe

Dies führte bei mir dazu, dass ich meine Bedürfnisse besser wahrnehmen konnte und sie auch lebte und zwar so wie es gerade passte. Sie waren jetzt terminiert und das gab mir ein sehr gutes Gefühl. Eine Weltreise mit zwei kleinen Kindern und der Selbstständigkeit ging nicht unmittelbar, doch liegt sie in der Ebene 4. Städtetrips mit meiner Frau? Das ging unmittelbar. Mit meiner Familie bestimmte Ziele besuchen war in der 2. und 3. Ebene.

So läuft es bei mir jetzt schon einigen Jahren und ich habe vieles aus den Ebenen umgesetzt. Natürlich kommen auch immer wieder neue Wünsche dazu und andere erledigen sich von alleine.
Ich habe gelernt, dass ich dafür verantwortlich bin wie mein Leben aussieht und ich habe gelernt meine Bedürfnisse zu erkennen und sie zu leben. Genau das will ich. Ich schaue auf die schönen Dinge in meinem Leben. Es gibt auch die nicht so schönen Seiten wie bei jedem von uns, doch ich gebe ihnen nicht mehr die Kontrolle über mich. Nein. Es geht jetzt nicht wieder um „Du musst nur positiv denken und alles wird gut“. Nein, so einfach ist der Weg nun doch nicht. Es ist Arbeit und es kostet Kraft. Aber das Schöne ist: Es lohnt sich. Denn es ist dein Leben und nur du entscheidest wie es läuft.

Karl Valentin sagte mal: „Ich freue mich wenn es regnet, denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch!“ Ich habe es geschafft und du schaffst es auch! Damit möchte ich hier abschließen und bedanke mich fürs Lesen.


Der Gastautor:

Leserbrief_Marc

Hallo, ich bin einfach Marc. Marc, der Ehemann, Marc, der zweifache Vater, Marc, der neunfache Bruder, Marc, der Sohn, Marc, der Freund, Marc, der selbstständige Therapeut, Marc, der Berater, Marc, der Mensch und, und, und… Ich bin 43 Jahre alt und es waren nicht immer alles so gute Jahre wie die letzten Jahre. Ich war vor nicht allzu langer Zeit gefangen in meinem Kreislauf, gefangen in meinem Kopf – in meinem Denken. „Ich stecke hier fest!“

Kommentare

  1. Marc

    Danke…das habt ihr schön umgesetzt…freue mich das es so gut geworden ist und es geklappt hat ;)
    Liebe Grüße
    Marc

  2. Super Beitrag! Kann ich für mein Leben gut brauchen.. solche Inpirationen und Tipps sind Gold wert. Danke… weiterhin viel Erfolg

  3. Marc

    Ups..ist irgendwie untergegangen ?
    Dankeschön und ich hoffe Du bist immer noch gut dabei ??

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