Image Image Image Image Image Image Image Image Image Image

Lilies Diary | 09. November 2017

Scroll to top

Top

2 Kommentare

Wandern auf Baltrum – ein winterlicher Insel-Spaziergang

Gastautoren

Der Boden unter uns schaukelt leicht hin und her, über uns kreischen die Möwen in der Luft, das Wasser vor uns glitzert im Morgengrauen. Warm eingepackt mit Kapuze, Schal und Handschuhen stehen wir an der Reling der Baltrum III und warten darauf, dass es endlich losgeht. Noch liegt das Fährschiff im Hafen von Neßmersiel vor Anker. Neßmersiel ist ein kleiner Ort nördlich von Aurich in Ostfriesland, direkt am Meer. Mein Freund und ich verbringen hier ein langes Wochenende. Unser Ziel heißt heute Baltrum. Die kleine Insel liegt in rund fünf Kilometern Entfernung in der Nordsee. Die nach ihr benannte Fähre wird uns dorthin bringen.

Über dem Wattenmeer geht die Wintersonne auf.

Wandern auf Baltrum – Anreise mit der Fähre Baltrum III

Nachdem die letzten Passagiere an Bord gekommen sind, macht die Besatzung pünktlich um 8.45 Uhr die Leinen los. Während das Schiff langsam Fahrt aufnimmt, spielt sich am Horizont ein Spektakel ab: Der Himmel färbt sich rosa – genauso wie die Wasseroberfläche. Plötzlich taucht dazwischen ein orangefarbener Feuerball auf – über dem Meer geht die Sonne auf. Während der 30-minütigen Fahrt gibt es noch mehr zu sehen: Wir passieren eine Sandbank, auf der sich dutzende Seehunde in der aufgehenden Sonne aalen. Einige der Tiere liegen rücklings im Wasser und strecken ihre Schwanzflossen in die Luft. Ihr Fell schimmert glänzend im Morgenlicht.

Wandern auf Baltrum – Wenn das Wetter nicht mitspielt, hilft nur warme Kleidung

Die Hoffnung auf einen sonnigen Tag erfüllt sich aber leider nicht. Bei der Ankunft im Insel-Örtchen Westdorf zeigt sich der Himmel wolkenverhangen. Ein eisiger Wind pfeift uns ins Gesicht und zerrt an unseren Jacken. Rund vier Stunden haben wir nun Zeit, die Insel wandernd zu erkunden. Um 13.30 Uhr wird uns das Schiff zurück nach Neßmersiel bringen, denn fahren kann die Baltrum III nur bei Flut. Deswegen geben die Gezeiten auf der Insel den Takt an: Weil der einzige Mitarbeiter der Volksbank-Filiale auf dem Festland wohnt, richten sich die Öffnungszeiten nach dem Linienplan der Fähre.

Ganz nach dem Motto „Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung“ zurren wir unsere Schals fester, schnüren die Wanderschuhe enger und stapfen los, dem Wind entgegen. Als erstes steuern wir den Strand an. Weil der komplett in Nebel eingehüllt keine Anstalten macht, uns zu einem Spaziergang einzuladen, beschließen wir, durch die Dünen Richtung Osten zu wandern und anschließend am Strand wieder zurück zu laufen.

Wandern auf Baltrum-verbogener Baum

Der Wind hat diesen Baum in seine schiefe Form gezwungen.

Wandern auf Baltrum-Duenen

Kleine Holzhütten in den Dünen bieten Schutz vor Unwetter.

Wandern auf Baltrum – Durch die Dünenlandschaft

Die Dünenlandschaft, durch die wir wandern, liegt im Winterschlaf. Gräser und Sträucher säumen von Raureif überzogen wie erstarrt unseren Weg. Vom Sturm verbogene Bäume ragen blattlos in den Himmel. Das Eis auf den zugefrorenen Pfützen knarzt unter unseren Schuhen. In einer kleinen Schutzhütte am Wegesrand machen wir eine kurze Pause, ziehen unsere Thermoskanne aus dem Rucksack und schlürfen warmen Tee. Das tut gut.

Irgendwann lichten sich die Dünen und wir wandern durch überflutete Wiesen weiter Richtung Norden, Richtung Strand.

Wandern auf Baltrum-ueberflutete Wiesen

Auf den Wiesen im Osten der Insel haben sich riesige Pfützen gebildet.

Wandern auf Baltrum-Strand

Der Strand von Baltrum ist im Winter menschenleer.

Wandern auf Baltrum – Menschenleerer Strand und Berge von Muscheln

Dort stellen wir erfreut fest, dass sich der Nebel aufgelöst hat. Hier und da scheint durch die grauen Wolken sogar ein Stück blauer Himmel. Vor uns liegt der Strand – unglaublich breit und unendlich lang sieht er aus. Wir machen uns auf den Rückweg. Neben uns staksen Möwen durch die heranrauschenden Wellen und ziehen mit ihren Schnäbeln Essbares aus dem Wattenmeer, andere lassen sich vom Wind durch die Luft tragen. Wir laufen über Berge von Muscheln – von Weiß, Beige über Blau, Braun und Schwarz sind die unterschiedlichsten Farbtöne dabei.

Wandern auf Baltrum-Muscheln

Herzmuscheln, Miesmuscheln, Schwertmuscheln: Alles voll damit am Strand.

Wandern auf Baltrum-Strand mit Moewe

Möwen wie diese fressen alles, was sie in den Schnabel bekommen.

Wandern auf Baltrum – Fähre zurück zum Festland

Immer häufiger tauchen andere Spaziergänger vor uns auf – das Zeichen, das wir nicht mehr weit von Westdorf entfernt sind. Gegen 13 Uhr erreichen wir den kleinen Insel-Ort. Die Wartezeit bis zur Abfahrt der Fähre überbrücken wir in einem kleinen Fischgeschäft mit frischen Matjes- und Lachsbrötchen. Kurz vor 13.30 Uhr legt die Baltrum III wieder am Hafen an.

Wandern auf Baltrum-Westdorf mit Fähre

Am Fähranleger liegen dutzende Karren zum Transportieren der Koffer, denn auf Baltrum gibt es keine Autos.

Nachdem alle Passagiere, die angereist sind, um länger auf der Insel zu bleiben, ausgestiegen sind, dürfen wir das Schiff betreten. Am Fenster ist ein Platz frei. Wir setzen uns und holen die Thermoskanne heraus, trinken die letzten Tassen heißen Tee und lassen den Blick hinaus über das Meer schweifen. Das Wasser steht jetzt so hoch, dass die Sandbank und mit ihr Seehunde verschwunden sind. Macht nichts: Auf dem Smartphone-Display schauen wir uns die auf der Hinfahrt geknipsten Schnappschüsse an: Wie drollig sie aussehen, die nass-glänzenden dicken Seehunde im Sonnenlicht. Nach einer halben Stunde legt die Fähre wieder in Neßmersiel an. Unser Insel-Ausflug ist zu Ende. Wir sind zurück auf dem Festland.

Wandern auf Baltrum-Strand Dünen


Lust auf mehr Inselfeeling? Diese Artikel nehmen dich mit auf eine kleine Reise:

Sylt – das Kalifornien der Nordsee

Juist – die Heimat für meine Seele

Norderney Sehenswürdigkeiten – Ein Rundum-sorglos-Wochenende am Meer

Borkum Sehenswürdigkeiten – Ein Wochenende im Hochseeklima-Gebiet

Meine Reisetipps für den Urlaub auf Juist

Champagnerluft auf der Insel Sylt – salzig, jodig, prickelnd


DIE GASTAUTORIN

Köln im Frühling - Katharina

Hallo, ich bin Katharina. Ich lebe und arbeite als Kommunikationsmanagerin und Journalistin in Köln. Geboren bin ich in Schwelm, einer kleinen Stadt an der Grenze zwischen Westfalen und dem Rheinland. Obwohl ich Nordrhein-Westfalen und speziell Köln als meine Heimat betrachte, habe ich permanent Fernweh. Zwei Dinge liebe ich nämlich ganz besonders: Draußensein und Entdecken.

Beim Reisen kann ich beides verbinden. Für mich gibt es nichts Schöneres, als meinen Rucksack zu packen, ein Flugzeug zu betreten oder mich in ein Auto zu setzen und an einem unbekannten Ort wieder auszusteigen. Andere Kulturen kennen lernen, neue Landschaften entdecken, fremden Menschen begegnen: Beim Reisen stille ich meine Neugier und male meine innere Weltkarte bunt. Wenn ich gerade nicht reisen kann, dann male ich eben meinen inneren Stadtplan von Köln bunt. Draußensein und Entdecken kann man zum Glück schließlich überall.

Kommentare

Kommentar abgeben