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Lilies Diary | 24. März 2017

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3 Kommentare

Urlaub zu Hause – eine der wichtigsten Urlaubsziele

Christine

Den Weg, den ich schon 1000 Mal mit dem Bobbycar abgefahren bin, die TĂŒr, die mir einst bis zur Stirn ging, der Geruch, den es nur hier gibt. Alles ist wie immer und doch jedes Mal anders. Man merkt, dass man Ă€lter wird, man merkt, dass alles kleiner wird, doch genau das braucht man ab und zu.

Heimaturlaub

Auf jeder Reiseliste sollte auch immer wieder der Heimaturlaub stehen, der Urlaub zu Hause bei Mutti. Der Ort, an dem man aufgewachsen ist. Der Ort, der einen zu dem gemacht hat, was man ist. Ich habe das GlĂŒck, dass es den einen gibt. Nie musste ich umziehen oder die Stadt verlassen. Ich besitze es, das Elternhaus, die Heimatstadt, in der ich die ersten 19 Jahre meines Lebens verbracht habe. Jetzt stöckle ich mit meinen hohen Schuhen den Weg zur HaustĂŒr, deren Griff mir mittlerweile bis zum Bauchnabel geht, doch der Geruch, der ist noch der gleiche. Ein bisschen Zitrone vom Potpourri im Bad, eine Nuance Kaminfeuer vom Wohnzimmer, dazu ein bisschen nasser Hund der unter dem Tisch vorspringt und fleißig mit dem SchwĂ€nzchen wedelt und sich vor Freude fast verschluckt, als er mich sieht. Doch der Duft von dampfenden Kochtöpfen ĂŒbertrumpft alles. Ich setze mich an den KĂŒchentisch. Eine heiße Schokolade steht schon da. Ich nehme mit der einen Hand den Griff der Porzellantasse, umschließ die Tasse mit der andern und fĂŒhre sie zum Mund. Ich blase den heißen Dampf weg. In der Ecke der KĂŒche leuchtet der Backofen hell. Es riecht nach Pilzen und Wald. „Schön das du da bist“, strahlt meine Mutter und wĂ€scht ein letztes Mal den Feldsalat, den es heute Abend zum Brotauflauf geben wird. Wie oft bekommen wir gesagt, dass es schön ist, das wir da sind? Und wie gut tut das, es zu hören? Es gibt Momente im Leben, da fĂ€llt mir auf, dass nicht alles selbstverstĂ€ndlich ist. Da wird mir richtig bewusst, was fĂŒr ein GlĂŒck ich habe. Da sind Menschen, die mich lieben, bedingungslos, auch wenn ich manchmal ein Arschloch bin. Da ist ein zu Hause in das ich immer kommen kann und in dem es immer vertraut riecht. Doch am schönsten ist es die Verantwortung fĂŒr ein paar Tage vor der HaustĂŒr abzulegen. Einfach Kind sein, auch noch mit 27. Im Auto auf der RĂŒckbank sitzen, eine Scheibe Wurst an der Theke bekommen, keine Macht ĂŒber die Fernbedienung zu haben, dafĂŒr aber heiße Schokolade bekommen. So viel man will. Sogar mit Sahne.

Dieser Moment am KĂŒchentisch ist tausendmal mehr Wert, als jede Reise ins ferne Paradies. Und dann werden meine Augen ganz feucht. Auch ein bisschen, weil ich traurig bin, denn irgendwann, da wird es diese Momente nicht mehr geben. Dann kann man nicht mehr nehmen, sondern muss geben. Ich muss mich tĂ€glich daran erinnern im Jetzt zu leben, ganz viel aufzusaugen, um es dann, wenn sich der Spieß umdreht zu geben.

Kommentare

  1. acid burn

    Schön wenn man das erleben darf, und traurig das es welche gibt die so etwas nie erlebt haben.

  2. Ein ganz wundervoller Text mit einer so einfachen, aber tiefen Botschaft! Danke! :)

    • Christine

      Sehr gerne!

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