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Lilies Diary | 25. April 2017

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21 Kommentare

Silvester: Katastrophen, Kuchen und die Katzenberger

Christine

Ich melde mich rechtzeitig zum Jahreswechsel. Die Zeit der Besinnung, in der man sich ins Koma gefressen hat, ist nun vorbei. Wir haben optimalerweise ein bisschen in uns hinein gehört und irgendwelche klugen und verheißungsvollen Vorsätze gefunden, die unser Leben besser machen sollen. Top 3 der Vorsätze: 1. Diät machen 2. Mehr Sport treiben 3. Weniger Essen.

Kuchen

Ich frage mich jedes Jahr, warum man sich nicht den Vorsatz setzt, glücklich und zufrieden zu werden. Der erste Schritt dafür ist so einfach und noch am 31.12. realisierbar – sich von Zwängen befreien. Mit Zwängen meine ich nicht den Müll trennen und nach 21 Uhr vorne im Bus einsteigen. Mit Zwängen meine ich die sozialen „Regeln“, die wir uns viel zu oft aufbürgen. Eine davon steht direkt vor der Tür, hat schon den Zeigefinger ausgestreckt, um gleich das kupferne Klingelschild zu drücken. Die Rede ist von Silvester. Schon Ende August kommen die ersten Anfragen:

„Und, was machst du am 31.12.?“

Bis Anfang Dezember antworte ich immer mit: „Ich weiß es nicht.“ Danach mit einem eindringlichen und präzisem:
„Nichts.“
„Wie nichts?“
„Einfach nichts.“
Ich habe diesen Tag aus meinem Kalender gestrichen. Warum? Weil er mir auf den nicht mal vorhandenen aber trotzdem spürbaren Sack geht. Weil es einer dieser „sozialen Zwänge“ ist, denen man sich so schnell es geht entledigen sollte, weil sie einfach nicht glücklich machen.
Silvester bedeutet mir nichts. Ob ich 2012 oder 2013 auf meine Umsatzsteuer schreibe ist mir egal. Mich regt es viel mehr auf, dass jeder an diesem Tag versucht zwanghaft irgendetwas fröhliches zu inszenieren, denn schließlich muss man ja irgendwann und irgendjemanden davon berichten was man gemacht hat und ein nichts sagt man ungern. Aber die Wahrheit wird meistens auch nicht gesagt. Es war ein tolles Fest mit Freunden, man hat daheim gekocht oder ist Essen gegangen, um 12 hat man das Feuerwerk geschaut und dann ist man noch in einen Club. Irgendwann hat man so viel getrunken, dass man sich an nichts mehr erinnern kann. Oder will. Denn eigentlich sieht es meistens so aus. Man sitzt mit Freunden und Leuten, die man gar nicht kennt und sich innerhalb 5 Minuten als langweilige Spießer, saudumme Dorfprovinzler oder überhebliche Großmäuler entpuppen in einer Kaschemme, in der man für sein „exklusives“ Silvestermenü über 50 Euro hinblättert, das aber nur aus verdörrtem Feldsalat mit 3 Kaviareiern, zäher Rinderlende mit halb verkohlten Bratkartoffeln und halb wässriger Mousse au Chocolate besteht. Um 12 geht man dann wie alle Vollpfosten auf die Straße, liegt Menschen im Arm, dessen Namen man nicht einmal kennt und bekommt eigentlich nichts vom Feuerwerk mit, weil man versucht sein Leben vor angeflogenen Feuerwerkskörpern zu retten. Danach versucht man 90 Minuten ein Taxi zu ergattern, hat danach blutleeren und tauben Füße von der Kälte und den engen Pumps, mit denen man auch prompt die Kellertreppe des Clubs runterfliegt für den man nochmal 20 Euro gezahlt hat. Dann sieht man wahlweise nur die Sitzecke und lässt sich von scheiß Musik beschallen oder gar nichts, weil man direkt wieder 90 Minuten ein Taxi sucht um 120 Minuten später im eigenen Sofa mit Kühlakku auf dem Knöchel sitzt und gerade noch das letzte „Dinner for One“ sieht. Und das soll Spaß machen? Die Katastrophen variieren natürlich und ich mag auch nicht bezweifeln, dass manch einer wirklich Spaß hat, aber im Großen und Ganzen ist es immer scheiße, nervig und abgefuckt. Und deswegen sage ich NICHTS! Ich mache nichts. Ich werde in Schweinfurt oder Obbach sitzen, mir den Bauch voll schlagen (bin gerade ziemlich gut geübt darin) und anschließend den Jahresrückblick der Katzenberger oder irgendeinem anderen C-Promi anschauen. Um 23 Uhr wird sich noch einmal kurz aufgebäumt um Bleigießen zu absolvieren und pünktlich um 12 Uhr mit meinen Wachsohrenstöpsel im Bett zu liegen und einmal kurz zu seufzen und an die armen Irren da draußen zu denken.

Und wenn mich jemand fragt, was ich gemacht habe, dann sag ich mit einem zufriedenen und glücklichem Lächeln NICHTS. Dann wird mir ein erstauntes „Wircklich?“entgegen gebracht und wenn man ganz genau hinhört, erkennt man so oft eine neidische Frequence in der Stimmlage.

Das Fazit meines Artikels ist also kurz und bündig: Bleibt zu Hause wenn ihr keinen Bock auf Silvester habt und spart Geld und Nerven.

Und noch einmal zu den Vorsätzen. Wenn ihr denkt 2013 geht irgendetwas los, dann muss ich euch enttäuschen. Es geht nie los. Es geht nur immer weiter, denn wir sind schon alle mittendrin. Deswegen steht nicht vor dem Schaufenster und überlegt euch jeden Tag, was ihr gerne haben möchtet. Nehmt euch euer Stück vom Kuchen oder das Törtchen mit der Sahnehaube, auf das ihr gerade Lust habt.

In diesem Sinne – Mahlzeit und frohes Neues und so.

Kommentare

  1. Hallo Christine!
    Ich halte es mit den guten Vorsätzen ja wie Max Goldt und nehme mir jedes Jahr dasselbe vor: „Nächstes Jahr ist mir auch mal was egal.“. Funktioniert einwandfrei und man hat für jede Nachlässigkeit eine gute Ausrede.

    Wir werden übrigens den Abend zu Zweit mit Kabarett im Fernsehen verbringen – und falls wir die Filme morgen noch bekommen, einen Star-Wars-Abend einlegen. Mit Teil 4-6 natürlich…weil Star Wars ohne Han Solo geht gar nicht…:-)…!

    Komm‘ gut ins neue Jahr!
    Don

    • christineneder

      Hört sich gut an ;)

  2. Ich lasse Silvester dieses Jahr auch ausfallen. Nachdem die letzten 3 Jahre alle gleich enttäuschend waren (ja, ich hatte auch schon irgendwann mal Spaß an Silvester), mache ich auch mal einen Schnitt. Stattdessen werde ich morgen lieber ein paar Dinge erledigen, die ich nicht ins neue Jahr schleppen will. Damit ich dann nächstes Jahr irgendwann Zeit habe für Dinge, die mir tatsächlich Spaß machen.
    Das mit dem gut essen werde ich ggf. einschieben, aber sonst halte ich mich komplett zurück.

    Dir schon mal ein schönes und glückliches 2013!

    • christineneder

      Das ist aber auch das Problem, man schafft nie alles und rennt immer hinterher ;)

  3. Caro

    Hallo Christine,

    vielen Dank für diesen Beitrag. Ich bin also doch nicht die Einzige auf der Welt, die an Silvester einfach NICHTS macht. Wow!
    Die ungläubige Frage: „WAS, du hast nichts vor? Das geht doch nicht!“ kann ich nicht mehr hören und ich freu mich darauf, am letzten Tag des Jahres die Ruhe und Zeit mit meinem Freund zu genießen. Wunderbar!

    Wenn das Jahr 2013 so entspannt beginnt, wie 2012 endet, ist doch alles super!

    Viel Spaß beim Nichts-Tun ;-)

    • christineneder

      Danke! Dir auch!

  4. Hallo Christine!

    Bin durch einen Bekannten auf deinen Artikel gestossen und wünsche Dir ganz viel Spass beim Nichtstun.
    Ich bekoche heute 5 Freunde mit einem 5-Gänge-Menü – das ist für mich auch Entspannung. Wir werden gemütlich essen und vielleicht ergibt sich dabei ja auch die Gelegenheit, gemeinsam das Jahr noch ein bisschen Revue passieren zu lassen.
    Ich freue mich jedenfalls auch auf einen ruhigen Abend!

    Guten Rutsch allen anderen die NICHTS tun wünsche ich!
    Silke

    • christineneder

      Oh, das hört sich aber nach einer Herausforderung an, für 5 Personen kochen. Was gab es denn? Bin neugierig ;)

  5. Mathias

    Hi Christine,

    es spricht nix dagegen einfach nur nix zumachen, schließlich gibt es z.b. auch genug Menschen die Weihnachten „ausfallen“ lassen.
    Aber ich werde Silvester feiern, eigentlich wie jedes Jahr. Mit vielen guten Freunden auf einer Home-Party. Klar könnte man das auch einfach so mitten im Jahr machen aber Silvester ist da in einer Hinsicht schon besonderst. So ziemlich alle Freunde feiern an dem Tag und halten ihn sich frei, sprich das ist die Party im Jahr wo man wirklich mit fast allen mal zusammen feiert und das finde ich toll.
    Für was anderes brauche ich Silvester auch nicht. Gute Vorsätze sollte man sich schließlich jeden Tag auferlegen.

    Wünsche dir aber trotzdem einen geruhsamen Abend

    • christineneder

      Hallo, dankeschön, ja war sehr, sehr sehr erholsam :) Hoffe eure Feier war auch schön. Ohne Katastrophen ;)

  6. Hallo Christine,

    schön, dass du neugierig bist. Da ich einmal im Monat für Freunde und Bekannte ein Dinner für Zwölf mit drei Gängen mache, war die Herausforderung 5 Gänge für 6 zu kochen nicht ganz so schlimm, obwohl der Aufwand fast gleich groß ist, egal ob es 6 oder zwölf Leute sind. Es gab einen Wintersalat als Starter, als 2. Gang eine Bouillabaisse allerdings mit Lachsklößchen, nicht mit Fischfilet. Dann selbst gemachte schwarze Linguine mit Miesmuscheln und als Hauptgang Dorschfilet auf der Haut gebraten mit Mangoldgemüse und Kartoffelkarottenpüree. Den Abschluß bildeten eine Mohncreme mit Mango-Orangenpüree und eine Käseplatte. Ich glaube es sind alle satt geworden und wir haben so auch die Zeit bis Mitternacht mit Essen und Reden und vor allem viel Lachen verbracht … das unumgängliche Böllerwerk zum Jahreswechsel in Berlin haben wir dabei außen vorgelassen und so weit es geht ignoriert …

    Wünsche dir noch ein schönes Neues Jahr!
    LG Silke

    • christineneder

      Oh Gott, das hört sich köstlich an und total professionell ;)

  7. Veegreen

    Du hast so Recht! Gehe auch schon seit ein paar Jahren nicht mehr auf irgendwelche gehypten special krassen übelst mega besonders tollen Parties mehr – die es NUR zu Silvester gibt. Nix da! Gemütlich mit netten Menschen lecker reinrutschen!

    • christineneder

      Hoffe das hat bei dir genauso gut funktioniert wie mein mir :)

  8. charmine

    Also ganz so pessimistisch seh ich das nicht! Gut, ich hab auch am 1. Januar Geburtstag und so vielleicht eher einen Grund zu feiern, aber generell würde ich Silvester denke ich trotzdem genießen. Ich setze mir übrigens seit letztem Jahr schon den Vorsatz, glücklich und zufrieden zu sein – mit der Betonung auf SEIN, und nicht „werden“, da liegt nämlich der Knackpunkt^^
    Dieses Jahr habe ich mit meiner besten Freundin ordentlich gebechert und mir danach bis in die frühen Morgenstunden die Füße blutig getanzt – in kuschlig warmen Winterstiefeln ;)

    • christineneder

      Ab und zu Feier ich auch Silvester ;) Alle 10 Jahre ;)

  9. Wie passend! Ich habe die „guten Vorsätze“ auch schon lange hinter mir gelassen. Entweder, man entschließt sich aus freien Stücken dazu, sich zu ändern (unabhängig von irgendwelchen Terminen), oder man lässt alles so, wie es ist.
    Gut, wir feiern Silvester schon noch im Freundes- und Familienkreis (allerdings ohne Feuerwerk) und erfreuen uns am gemütlichen Beisammensein und am aufgetischten Raclette. Ausgehen müssen und wollen wir an diesem Abend nicht und unser Geld investieren wir lieber in einen guten Wein als in Böller. Aber vollgestopfte Clubs, ohrenbetäubende Musik und aufgesetzte Heiterkeit brauchen wir auch nicht.
    Alles in Allem kann ich den Artikel also Wort für Wort unterschreiben :-)

    • christineneder

      Ja, Raclette ist das beste an Silvester :)

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