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Lilies Diary | 30. November 2017

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O.R.pheus von Evelyn Hribersek – Von einer die auszog das Fürchten zu lernen

Christine

Ihr wollt euch gruseln? Ich wollt euch fast ins Höschen machen und vielleicht ein bisschen wie in SAW fühlen? Dann kann ich euch wärmstens eine Kunstinstallation empfehlen. O.R.pheus von Evelyn Hribersek, die gerade in München läuft.

Es war eigentlich Zufall, dass ich davon erfahren habe. Eine Freundin hat mir ein Prospekt hingelegt und gefragt ob ich das schon kenne. Ich sah eine Frau mit roten Haaren mit 50er Jahre Tolle im pinken Lackanzug und einer Spitze in der Hand. „Mh ist das einer neuer Fetischladen in München?“

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Nein, es ist die Verknüpfung von Film, Videospiel, Musiktheater und interaktiven Environment zu einer theatralischen Rauminstallation. Doch die Freundin erwähnte auch: „Ich weiß nicht, ob ich dir empfehlen würde dahin zu gehen. Ich war wirklich froh, dass ich Mittags hin bin, es hell war und ich nicht alleine drin war. Das ist nichts für schwache Nerven.“ Das weckte die Neugierde in mir. Eine Kunstinstallation die man besser tagsüber besucht, weil man sonst Angst hat alleine nach Hause gehen zu müssen? Da will ich hin. O.R.pheus ist ein exklusives Einzelerlebnis, das jedem Besucher 30 Minuten die Räume allein und uneingeschränkt zur Verfügung stellt. Ich habe noch einen Termin bekommen. Um halb 9 abends…

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Ich radle also durch die Nacht zum Eingang der Ausstellung, der mich in einen unterirdischen Bunker führt. Dort werde ich von einer netten Frau empfangen, die mich mit Kopfhörer und iPhone ausstattet. Auf dem iPhone ist ein QR-Code-Scanner installiert. Mit diesem erforscht man die fünf unterirdischen Räume. Ich habe keine Ahnung was auf mich zukommt aber schon alleine einen Bunker zu betretet macht mir Muffensausen. Als ersteht betrete ich den Flur und stehe vor einem eisernen Kinderbettchen, wie man sie aus den 60er Jahren aus dem Krankenhaus kennt. Inmitten des Bettchen sehe ich den ersten QR-Code. Ich halte das Handy darüber und höre eine weinerliche Kinderstimme. „Papa wollte mich nicht umbringen…“ Oh mein Gott. Die nächsten Räume muss man durch gelbliche Plastikvorhänge durchqueren, wie man sie aus der Schlachterei kennt. Man findet immer ein ähnliches Szenario vor – Krankenliegen, Behandlungsstühle, alte Lampen die grell Leuchten und dazu alte rostige Zangen die in Schüsseln mit einer rosa Flüssigkeit liegt die bestialisch nach Seife riecht. Um was es eigentlich genau geht weiß ich nicht. Irgendwie um den Tod, die Medizin, Schönheitsoperationen und eine Pille namens Hermes.

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Ich kann mich auch gar nicht konzentrieren weil ich mir die ganze Zeit ausmale wie gleich der Mörder im weißen Kittel um die Ecke kommt. Aber es ist doch nur eine Kunstinstallation. Im vorletzten Raum hängen vier Lackanzüge an Fleischerhacken. An der Position, an dem eigentlich der Vierte hängen sollte, sieht man wieder einen QR-Code. Ich halte mein Handy drauf und es erscheint ein vierter Anzug und bewegt sich und genau das ist so gruselig. Man sieht etwas, es sieht so real aus durch das iPhone aber es existiert nicht. Real gruseln in der Ästhetik der 50er und 60 er Jahre mit der virtuellen Welt. Verrückte aber effektive Kombination. Wahnsinn. Lieber London Dungeon und lieber Gruselkabinett, ihr seit Flaschen.

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Alle Fotos: copyright by julian rupp/evelyn hribersek

 

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