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Lilies Diary | 11. Oktober 2017

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4 Kommentare

Nachhaltigkeit entsteht in den Köpfen

Marlene Mohn

„Plastik ist einfach überall“, denke ich, während ich durch die Obst- und Gemüseabteilung des Supermarkts laufe. Die Tomaten sind teilweise zweimal in Plastik eingeschlagen, sogar die Bananen werden von einer Plastikhülle „geschützt“. Und obwohl die Plastik-Tomaten deutlich saftiger aussehen, sträube ich mich innerlich, sie in meinen Einkaufskorb zu legen. Wo ist die Nachhaltigkeit? Da muss es doch eine Lösung geben?!

Ich denke an den re:think Blogger-Workshop zurück, den ich vor einiger Zeit in Hamburg besucht habe und bei der sich alles um das Thema Nachhaltigkeit drehte. Verschiedene Speaker haben uns ihre Projekte näher gebracht: Plastikalternativen, Plastikvermeidung im Alltag, Trinkwasser-Projekte.

Es gibt Lösungen! Doch bisher habe ich sie einfach als „zu kompliziert“ oder einschränkend empfunden. Mir schwirren jedoch die ganze Zeit Bilder von zugemüllten Flüssen und von Plastikmüll in Fischmägen vor dem inneren Auge herum. Und nicht ganz so dramatisch, aber dennoch erschreckend: Die unfassbaren Massen an Plastikmüll, der entsteht, wenn ich einfach nur mal ein etwas größeres Abendessen koche.

Bloggerworkshop re:think über Nachhaltigkeit

Initiiert wurde der Workshop von OTTO, die ihrem Engagement für Nachhaltigkeit mit dem re:blog eine Stimme gegeben haben. Auf dem Blog finden sich viele interessante Informationen und Tipps für einen nachhaltigen Lifestyle. Ganz besonders hat mich ihr Leitspruch zum Nachdenken gebracht: „Was gut für uns ist, darf nicht schlecht für andere sein.

Was bringt es, wenn ich hier zu Hause ach so umweltbewusst meine Wäsche mit dem neuesten Trend – „Waschnüssen“ aus Indien – wasche und die Inder sich deshalb das nun teure Exportgut nicht mehr leisten können und auf billiges Chemie-Waschmittel umsteigen müssen, welches das Grundwasser verunreinigt? 

Nachhaltigkeit – Jeder kann etwas tun

24 Tonnen Plastik landen jede Minute im Meer und häufen sich auf die 500 Millionen Tonnen, die dort bereits herum schwimmen. Im Jahr 2050 sollen vom Gewicht her mehr Müll im Meer sein als Fische. Unvorstellbar!!! Was kann ich alleine dagegen schon tun?

Seit einigen Jahren versuche ich schon Plastiktüten zu vermeiden und habe meistens einen Jutebeutel dabei. Wenn ich mal wieder spontan einkaufen gehe und keinen dabei habe, greife ich auf die Papieralternative zurück. Das war dann aber auch schon alles, was ich bisher zum Thema Plastikvermeidung anzubieten habe. Und das ärgert mich. Der re:think Workshop hatte aber etwas in mir angestoßen und mir Möglichkeiten aufgezeigt, die ich ausprobieren möchte.

Nachhaltigkeit – Plastik vermeiden im Alltag

Der Beitrag zur Plastikvermeidung kam von Speakerin Nadine Schubert. Seit einigen Jahren ist ihr Alltag so gut wie plastikfrei. Dennoch ist ihr Motto: „Mach dich locker.“ Nadine benutzt statt Duschgel lieber Seife, transportiert diese auf Reisen aber in einer kleinen Plastikdose. Plastik ist kein Tabu. Im Großen und Ganzen spart Nadine auf diese Weise trotzdem zig Duschgel- und Shampooflaschen im Jahr ein. Die Plastikdose benutzt sie womöglich mehrere Jahre.

Mir ist zuvor gar nicht so sehr aufgefallen, aber viele Lebensmittel gibt es im Supermarkt sowohl in Plastik, als auch in Glas verpackt. Neben der Squeze-Flasche Ketchup steht auch immer eine aus Glas. Und das ist nicht nur beim Ketchup der Fall. Viele Lebensmittel stehen in beiderlei Verpackungen in den Regalen. Glas ist nicht nur viel einfacher recyclebar, wir können es auch selbst gut mehrfach benutzen.

Zum Beispiel beim Einkaufen loser Ware. In vielen Großstädten gibt es Unverpackt-Läden, in denen die aufgehobenen Gläser zum Einsatz kommen können. Die anfangs erwähnten Bananen benötigen keine Schutzhülle aus Plastik und auch die Gurke muss nicht in Plastik gehüllt sein. Doch manche Waren gibt es einfach nicht ohne die Plastikhülle. Deshalb ist es am besten, den Obst- und Gemüsekauf auf den Wochenmarkt zu verlegen. Somit unterstützt man direkt kleinere Händler, die Ware ist frisch und man kann viel einfacher auf die unnötige Verpackung verzichten.

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Nadine Schubert lebt mit ihrer Familien fast plastikfrei. (Foto: Barbara Dombrowski)

Nachhaltigkeit  – Einfach selber machen

Dinge, die es nicht ohne Plastik gibt, macht Nadine einfach selbst. Lässt man einen (im Glas gekauften) Joghurt eine Nacht stehen, entsteht Frischkäse. Ganz von alleine. Auch viele Kosmetikprodukte, wie Peelings und Kuren, die nicht nur in Plastik eingepackt sind, sondern sogar selbst Mikroplastik enthalten, rührt sich Nadine Schubert selbst an. Sie hat sogar ihren eigenen Mascara angerührt (aus angebrannten Mandeln), den sie zwar mit einem Applikator aus Plastik aufträgt, den sie aber monatelang auswaschen und neu benutzen kann.

Ist dein Badezimmerschrank auch voll mit den unterschiedlichsten Sprühflaschen und Kanistern? Weg damit. Beim großen Reinemachen helfen die alten Hausmittelchen: Zitronensäure, Essigessenz und Sodapulver sind allesamt Allzweckreiniger. Mehr braucht es eigentlich nicht, um den Haushalt sauber zu halten. Zitronensäure und Essigessenz sind die perfekten Entkalker. Essig kann sogar gegen Schimmel eingesetzt werden. Eine Sodalösung entfernt Fett und Eingebranntes aus Pfannen und Töpfen. Alles ohne Chemie und dazu noch sehr günstig. Das schont die Umwelt und spart nicht nur Plastik, sondern auch Geld.

Viele weitere spannende Tipps hat Nadine in ihrem Buch „Besser leben ohne Plastik“ zusammen gefasst, welches sie gemeinsam mit Anneliese Bunk im Februar 2016 veröffentlicht hat. Das Buch landete sogar auf der Spiegel-Bestseller Liste. Ein gutes Zeichen dafür, dass das Thema Nachhaltigkeit auf Interesse stößt.

Nachhaltigkeit: Kleine Schritte führen auch zum Ziel

Wichtigste Message an diesem Tag: Es muss nicht von 0 auf 100 sein. Jede gesparte Plastiktüte zählt. Zwing dir keinen Zero Waste Lifestyle auf, in dem du immer wieder gefrustet die Regeln brechen musst, weil es verdammt nochmal keine Zahnpasta ohne Plastikverpackung gibt. Wichtiger ist ein geschärftes Bewusstsein über das eigene Konsumverhalten. Je mehr man mit einem guten Gefühl nachhaltig handelt, desto schneller kann daraus eine Gewohnheit werden. Niemand handelt gern aus schlechtem Gewissen.

Das war auch der Ansatz von Benny Adrion, der seinen gemeinnützigen Verein „Viva con Agua“ vorgestellt hat, der sich für den weltweiten Zugang für sauberes Trinkwasser einsetzt. Mit Bildern von hungernden Kindern und vermüllten Stränden an das Mitleid der Menschen zu appellieren und somit Geldspenden einzutreiben, das war gar nicht sein Ding. Er setzt auf pure Lebensfreude, zeigt lieber Bilder, die deutlich machen, was die Spenden und aktiven Hilfeleistungen vor Ort bewirken können.

Vortrag über Nachhaltigkeit von Viva con Agua bei re:think

Benny Adrion während seines spannenden Vortrages. (Foto: Barbara Dombrowski)

Gemeinsam mit verschiedensten Sportlern, Musikern und Künstlern stellt er Aktionen in Uganda, Äthiopien, Nepal und Kenia auf die Beine, und kreiert damit vor allem eine mitreißende Energie. Anstatt Menschen zum passiven Geldspenden anzuregen, die sich dann mit beruhigtem Gewissen zurücklehnen können, will Benny nachhaltiges Engagement fördern. Erst wenn du verstanden hast, was du in der großen, weiten Welt bewirken kannst, kann auch Helfen zu einer ganz alltäglichen Gewohnheit werden. Nachhaltigkeit entsteht in den Köpfen.

Wer bekommt bei so viel positiver Energie keine Lust mitzumachen?

Noch eine tolle Seite für Tipps und Tricks „PLASTIKFREI LEBEN“ und die Facebook Gruppe „Plastikfrei Leben – Tipps und Tricks

Vielen Dank an Otto.de für Einladung zu dieser wirklich Augen öffnenden Veranstaltung.

Kommentare

  1. Schöner Artikel und schöner EInblick in die Arbeit von dem Re:Blog :)

    Zuhause lebe ich schon ziemlich Zero Waste , aber auf Reisen – besonders auf meiner Fernwanderung – fällt mir das ungemein schwer. Vorallem bin ich geschockt wie selbstlos einige Länder mit Müll – vorallem Plastik – umgehen.

  2. Oh, ich find die Thematik echt spannend, hab mir den Link zu reblog grad mal abgespeichert und die FB Seite geliked ;) Thx fuers Verfasssen.
    LG aus London,
    Finja

    • Christine

      Gerne :)

  3. Ein toller Artikel, einen Jutebeutel habe ich auch immer in der Handtasche um nicht auf Plastiktüten angewiesen zu sein. Trotzdem gibt es immer noch mehr Möglichkeiten, wie man seinen Plastikverbrauch verringern kann. Das Buch kommt also auf die „To read“-Liste.

    Liebe Grüße,
    Kathi

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