Ich hoffe ihr könnt euch noch alle an den tollen und informativen Artikel von Pia erinnern zum Thema „Minimalistisch leben – Wie ich mit weniger glücklicher werde“. Als ich ihn das erste Mal gelesen habe, war ich baff. Was ich seit Jahren schon im Unterbewusstsein gemacht habe, bekommt endlich einen Namen – Minimalismus. Minimalismus bedeutet sich mit weniger zufrieden zu geben und sich auch ganz bewusst von Dingen, Verpflichtungen oder Menschen zu trennen, die einem nicht gut tun und nur Ballast für die Seele sind.

Kleid

Indirekt habe ich das ganze vor fünf Jahren angefangen, als ich mehr oder weniger dazu gezwungen wurde. Ich zog in eine 33 Quadratmeterwohnung, die innerhalb von zwei Monaten mit Möbeln und meinen Klamotten so voll war, dass ich mir nichts mehr kaufen konnte. Bei jedem Teil das ich in der Hand hatte, überlegte ich dreimal – habe ich Platz dafür? Der Minimalismus zog sich durch alle Bereiche in meinem Leben, was mir erst jetzt, im Nachhinein, so wirklich bewusst wurde. In diesem Artikel möchte ich die letzten Jahre einmal Revue passieren lassen.

Minimalismus im Alltag – Kleiderschrank

Während meiner Jugend und meinem Modedesignstudium war ich eine absolute Shopping Queen. Ich definierte mich über meine Kleidung, probierte gerne Neues aus und machte Trends mit, die mir gefielen. Je mehr ich mich jedoch in meinem Studium mit dem Thema Mode auseinandersetzte, desto weniger interessierte es mich in meiner Freizeit. Vor allem in meinem Praktikum bei der deutschen Vogue, hatte ich jeden Tag so viel mit Kleidung zu tun, dass ich kaum noch shoppen gegangen bin. Außerdem entwickelte ich immer mehr den Wunsch nicht so rumzulaufen wie alle, mit den neusten Kollektionen von H&M, Zara und COS am Körper. Ich nähte mir einige Sachen selber, ging nur noch shoppen, wenn ich auf einer Reise war und ein wirklich besonderes Teil entdeckt habe oder in den Second Hand Laden. Außerdem wurde mein Stil schlichter. Ich wollte nicht, dass mich nach sechs Monaten ständig beim Blick in den Kleiderschrank die Frage überkommt – warum hast du dir denn dieses Teil gekauft? Die Farbe ist ja schrecklich und der Schnitt steht dir gar nicht. Die Farbe schwarz wurde mein bester Freund. Zeitlos und elegant. Nach dem Studium hielt mich der akute Geldmangel vom Shoppen ab und danach der Platzmangel in meiner Wohnung. Jetzt hätte ich Geld und Platz, aber irgendwie keine Lust mehr. Einmal im Jahr überkommt mich noch so ein Wahn wo ich denke: Oh Gott, ich muss heute unbedingt mit gefüllten Taschen nach Hause kommen und mal was verrücktes kaufen. Ich kann mich noch an den letzten „Wahn“ erinnern. Der war letzten Sommer in Ibiza und die Klamotten hängen immer noch mit Preisschild im Schrank. Das ist doch scheisse. Seit ich mich vor sechs Monaten dazu entschlossen habe mich vegan zu ernähren, hat auch automatisch der Prozess angefangen, dass ich noch einmal ganz neu über das Thema Mode nachdenke. Ich möchte mir nicht nur dreimal überlegen ob ich mir etwas kaufe, sondern auch woher es kommt und wie es hergestellt worden ist. In letzter Zeit habe ich mir einen Second Hand Pulli gekauft und bei Armedangels bestellt. Außerdem einen veganen Gürtel gekauft. Ich würde die Lederprodukte, die ich habe jetzt nicht wegschmeißen, weil es nicht nachhaltig ist, aber mir auf keinen Fall neue kaufen. Als nächstes möchte ich noch einmal meinen Kleiderschrank komplett auf den Kopf stellen und mich von so einigen Schrankleichen verabschieden, denn es gibt mir auch kein gutes Gefühl die Kleider mit den Preisschildern dort drin hängen zu sehen und anderen kann ich damit vielleicht eine Freude machen.

Fragen, die ihr euch mal stellen könnt?
  • Was sind eure Lieblingsteile?
  • Wie viel Teile im Kleiderschrank habt ihr die letzten sechs Monate nicht angehabt?
  • Warum geht ihr shoppen? Weil ihr wirklich was braucht oder weil ihr einfach einen kurzen Glücksmoment wollt?
  • Habt ihr eigentlich nicht genug zum Anziehen?

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Minimalismus im Alltag – Auf der Arbeit

Ich bin selbstständig und kann wirklich nur kopfnickend bestätigen, dass ich selbst und ständig am arbeiten bin. Ein Mailfach mit ungelesen Mails macht mich fertig und ich habe ständig das Bedürfnis allen zu antworten und allen zu helfen. Irgendwann kann man das aber einfach nicht mehr, weil es zu viel wird. Es kamen fast täglich Mails rein mit der Frage, ob ich irgendwas promoten, teilen oder liken kann. Irgendwann war ich davon so überfordert, dass ich einen Post verfasst habe, um allen zu erklären, warum es nicht mehr geht – „Nein. Es tut mir leid. Ich kann nicht.“. Minimalismus gibt es in allen Bereichen, auch bei der Arbeit. Ich bin mein eigener Herr. Ich kann jeden Tag entscheiden, was ich mache und welche Projekte ich annehme. Dabei habe ich oft vergessen mich zu fragen, was ich möchte und immer nur in den Vordergrund gestellt anderen einen Gefallen zu tun. Im Vordergrund sollten die Sachen stehen, die einem selber glücklich machen, die eigenen Herzensprojekte. So musste ich oft auch bei Jobs lernen nein zu sagen, denn bei dem ganzen selbst und ständig darf man auch nicht die Zeit für sich vergessen. Ich bin immer besser darin geworden zu akzeptieren, dass es immer, wirklich immer noch was zu tun gibt, meine To Do Liste nie leer ist, ich aber trotzdem Pausen einlegen muss. Pausen zum Nachdenken, Überdenken und vorwärts denken. Erst im Rückblick merkt man, an welchen Projekten man hängt und welche Freude in den Alltag bringen.

Fragen, die ihr euch mal stellen könnt?
  • Was gefällt euch an eurem Job am meisten und wie viel Zeit verbringt ihr damit am Tag?
  • Was tue ich weil ich es möchte und was, um es anderen Recht zu machen?
  • Stehst du früh auf und freust dich auf den Tag?
  • Was würdest du tun, wenn du keine Verpflichtungen hättest?
Minimalismus im Alltag bei Freunden

Es gab eine Phase vor zwei Jahren, in der es mir echt nicht gut ging. Ich war einfach traurig und ich finde das ist das gute Recht von jedem. Ich glaube, jeder braucht das auch ab und zu einmal, eine Phase, in der man sich zurück denkt. Erst dann weiß man, welche Menschen man wirklich sehen will, welche Menschen für einen da sind. Wen man sehen möchte wenn man nicht strahlt, sondern Trübsal bläst. In der Phase habe ich mir vorgenommen, mich mit Menschen, die mir weniger bedeuten einfach weniger zu treffen und mich von Menschen, die wie Blutegel an mir kleben zu trennen. Das ist nicht einfach. Manchmal ist die Trennung von einer Freundschaft so schmerzhaft, wie die Trennung in einer Beziehung. Man hat sich ja mal super verstanden. Man hatte ja tolle Zeiten, aber irgendwie, hat man den anderen irgendwie doch falsch eingeschätzt und gesehen. Ich hatte in meinem Leben vier schmerzhafte Freundschafts-Trennungen, aber alle haben in Nachhinein mein Leben wieder bereichert, weil ich einfach einen Riesenballast vom Herzen verloren habe. Das wertvollste, was ich habe, ist meine Zeit und die möchte ich nur mit Menschen verbringen, die aufrichtig und ehrlich sind.

Fragen, die ihr euch mal stellen könnt
  • Mit welchen Freunden trefft ihr euch gerne und mich welchen nur, weil ihr sie schon so lange nicht mehr gesehen habt?
  • Habt ihr das Gefühl, dass in der Freundschaft das Geben und Nehmen gleichberechtigt ist?
  • Welcher Freund hat sich in der letzten Zeit bei euch erkundet, wie es euch geht?
  • Wie fühlt ihr euch nach dem Treffen? Gut und beflügelt oder down und fertig?

Christine

Minimalismus im Alltag bei Sorgen und Problemen

Das ist auch ein sehr spannendes Leben und eine Entwicklung, die ich sehen kann. Füher war jedes kleine Mückenproblem eine Elefantenkatastrophe. Manchmal habe ich mir schon Sorgen über Dinge gemacht, die noch nicht mal eingetreten sind. Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich mir damit so viel unnötigen Stress gemacht habe. Das wollte ich nicht mehr und habe damit aufgehört. Es ist möglich seine Gedanken zu kontrollieren. Immer wenn eine Sorge über ein ungelegtes Ei aufkam, habe ich sie verdrängt und mir gesagt „Nein, Christine, es ist noch nichts passiert. Höre auf dich schon im voraus fertig zu machen.“ Sobald dann ein Problem da war, konnte ich mich erst entspannen, wenn es gelöst war. Manches löst sich jedoch nicht von heute auf morgen und dann muss man lernen, dass das normale Leben weiter geht und es eben etwas dauert. Ich bin schrecklich ungeduldig. Minimalsmus bei Problemen bedeutet auch, sie so klein zu halten, wie es geht. Der Satz, der mir oft dabei hilft: „Es gibt keine Probleme, es gibt nur Lösungen.

Fragen, die ihr euch zum Thema Minimalismus im Alltag mal stellen könnt
  • Wann hattet ihr das letzte Mal ein Problem, das ihr nicht lösen konntet?
  • Wie oft habt ihr euch schon über was geärgert, was total blöd war?
  • Wie geht ihr an ein Problem ran?
  • Was ist wirklich ein Problem? Und was nur eine blöde Situation?

Ich glaube ich könnte noch stundenlang über dieses Thema schreiben. Das sollte nur ein kleiner Einblick sein, wie ich nach dem Prinzip des Minimalismus gelebt habe, weil es mich glücklicher gemacht hat, ich es aber gar nicht wusste. Vielleicht könnt ihr das auch bei euch beobachten? Würde mich freuen, wenn ihr eure Erfahrung mit mir teilt und mir auch gerne schreibt, was euch mehr interessiert. Ich plane auf jeden Fall ein Video zu drehen, wie ich meinen Kleiderschrank ausmiste und entrümple.

Minimalismus im Alltag

18 Kommentare

  1. Klasse Beitrag!!! Vor allem der Punkt mit den Problemen…man könnte es sich im Leben so viel einfacher machen, wenn man nicht aus jeder Mücke einen Elefanten machen würde…

    Ich bin auch in sehr vielen Bereichen minimalistischer geworden. Bei Klamotten geht es mir wie dir: was brauche ich wirklich und wie ist die Qualität? Billige Ramschmode mag ich nicht (mehr), lieber einzelne ausgewählte Teile, die dafür eben auch länger halten.

    Minimalismus ist für mich auch in meinem eigenen Umfeld sehr wichtig geworden. Wenn einem einmal bewusst wird, was man tatsächlich braucht (und vor allem was nicht^^), dann kann man schon einmal eine Menge „ausmisten“. Allein wenn ich mich in meinem Büro umschaue..ich brauche keine 20 Kulis, keine 10 Notizbücher oder, oder, oder…

    Freu mich schon auf dein Video!

    LG
    Sonja

  2. Minimalismus beschränkt sich ja tatsächlich nicht nur auf die materiellen Dinge, die man besitzt… das ist ein schöner Ansatz. Gerade was Menschen betrifft, hab ich manchmal noch das Denken im Kopf: Aber die müssen mich doch mögen! Dabei sind einige, wenige gute Freunde sehr viel mehr wert als ein großer Freundeskreis, in dem ich nicht ich selbst sein kann…

    Das einzige, wo es mir wirklich schwer fällt, minimalistisch zu sein, sind Bücher :D Ich bin inzwischen schon auf einen Kindle umgestiegen, aber der ist für mich einfach kein so tolles Lesegefühl, wie wenn ich ein richtiges Buch in der Hand halte…

    Liebe Grüße,
    Kathi

    1. Oooh Bücher kann man aber wirklich nicht genug haben haha! Ich mache es aber zB so dass ich schaue ob meine Bücherei ein Buch hat um es zu lesen und kaufe es dann erst wenn es mir richtig gut gefällt..vielleicht so als Tipp :) Liebe Grüße <3

    2. Liebe Kati,

      genau so ging es mir auch. die Bücher…sie stapelten sich, bis die Diele voll war und eine Freundin sie dann hin und wieder versteigert hat. Dann kam der Tipp meiner Mutter mir wieder in den Sinn, Kind geh doch einfach in die Stadtbibliothek :-) Der erste Besuch war für mich wie im Schlaraffenland zu sein ;-), für wenig Geld ALLES was das Herz begehrt. Leihen – nicht besitzen! Ich kann es nur wärmstens weiterempfehlen…..

      Liebe Grüße
      Julia

  3. toller Beitrag, vielen Dank! Ich kann das sehr gut nachvollziehen. Arbeite in der Modebranche und habe irgendwie auch gar kein Interesse mehr an Mode. Bei mir geht es inzwischen auch soweit, dass ich ebenfalls versucht minimalistisch zu leben und shopping extrem eingestellt habe. Das ist ein sehr gutes Gefühl!

    Liebe Grüße!
    Doreen

  4. Hallo ;)
    Ich arbeite jeden Tag mit totkranken Menschen zusammen und seit dem mir das wirklich bewusst geworden ist das diese Leute eben keine Zeit mehr haben diese mit ihren Liebsten zu verbringen und wirklich krasse Probleme haben, lebe ich mein Leben auch wesentlich bewusster… Und stelle mir oft die Frage brauch ich das um glücklich zu sein oder einfach weil ich es will… Minimalismus ist einfach wirklich eine tolle Sache und ich versuche es wirklich fast täglich in mein Leben ein zubringen deshalb verstehe ich wieso du dieses Thema so toll findest ? Liebe Grüße

  5. Minimalismus ist eigentlich eine logische Weiterdenkung unserer Konsumgesellschaft. Ich hoffe, dass es immer mehr Menschen gibt, die sich die Frage stellen – brauche ich das eigentlich ? Dazu kommt dann, dass man auch bewusster kauft, vielleicht nicht unbedingt die Klamotten, die in Bangladesh von Kindern hergestellt wurden.
    Was Freunde angeht, da hast Du ganz recht. Man entwickelt sich ständig weiter und einige, früher sehr enge Freunde, bleiben da einfach auf der Strecke… Aber das macht ja eigentlich auch nichts, weil man ja neue kennen lernt, oder ?
    Ich mag Deine Artikel immer sehr. Nur weiter so !

  6. Was für ein toller Beitrag! Ich habe auch schon angefangen meine Wohnung auszuräumen! Meine Güte, was man alles so hat und wirklich nie benutzt/braucht! Bald mache ich auch einen großen Sale und schreibe einen Beitrag über mein neues Einkaufsverhalten. Man fühlt sich total befreit die Sachen los zu werden :)

    Deinen Blog finde ich übrigens super und folge dir jetzt <3

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