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Lilies Diary | 14. November 2017

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4 Kommentare

Ihr Menschen in Südtirol

Anne
  • am 30. März 2014

Ach, die Menschen in Südtirol – Südtirol hat mir dieses Jahr schon so einige Sachen beigebracht. Ich hab das Snowboarden gelernt, stand das erste Mal auf Skiern, habe in einem Iglu geschlafen und bin knappe vier Stunden durch den Schnee getobt. Sachen, die ich schon immer mal machen wollte und die jetzt endlich geklappt haben. Aber das ist nicht alles, was ich in der nördlichsten Provinz von Italien gelernt habe. Viel mehr habe ich Menschen in Südtirol getroffen, die von morgens bis abends gestrahlt habe, die auch mit 72 noch auf der Piste standen und Menschen das Skifahren beigebracht haben und Menschen, die auch nach vier Stunden im Schnee noch aussehen, wie frisch vom Friseur. Ich möchte heute den Menschen in Südtirol einen Liebesbrief schreiben und mal zeigen, was wir Großstädter von den Südtirolern lernen können.

Menschen in Südtirol - Auf dem Gipfel

Liebe Menschen in Südtirol,

ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie nervös ich war, als es hieß ich muss in den Schnee. Nie, wirklich nie, war ein Winterurlaub auf meiner Prioritätsliste höher als ein Urlaub am Meer. Und dann kam sie die Mail: 4 Tage Südtirol mit Snowboarden und allem drum und dran. Wisst ihr eigentlich, wie schwer es ist, sich schnell mal eine Tonne Winterkleidung zu besorgen, wenn das eigentliche Reisegepäck bisher immer nur aus Bikini, Flop Flops und Sarong bestand? Naja, aber das habe ich ja trotzdem ganz gut hinbekommen. Als ich dann im Auto Richtung Berge saß, da kam es schon das erste Mal über mich. Man, für euch ist das ja genauso normal, wie für mich die Darkrooms im Berghain, aber mal ehrlich: Wie schön ist denn eigentlich eure Landschaft? Berge, kleine Hütten, Schnee, Schnee und noch mehr Schnee. Das wisst ihr gar nicht, oder? Ihr Menschen in Südtirol habt es wirklich gut.

Aber mal abgesehen von der Landschaft, schreibe ich euch ja heute, weil ich finde, dass ihr unglaublich nette und bewundernswerte Menschen seid, ihr Menschen in Südtirol. Vielleicht liegt es ja wirklich daran, dass für euch das Glas Wein um 10:30 völlig normal ist, was ich übrigens super finde. Oder vielleicht liegt es daran, dass ihr 300 Sonnentage im Jahr habt? Jedenfalls bin ich unheimlich begeistert davon, dass ihr Menschen in Südtirol einfach immer gute Laune habt. Ich wünschte das wäre am Morgen in der Straßenbahn in Berlin genauso. Aber nein, da wird sich schon angepöbelt, nur weil es um 8 Uhr morgens vielleicht doch ein bisschen eng in der Bahn ist und es da schon einmal vorkommt, dass man angerempelt wird. So etwas gibt es bei euch einfach nicht. Bei euch Menschen in Südtirol steht man morgens mit einem Lachen auf, schmeißt sich in die Winterklamotten und fährt Richtung Piste. Dann trinkt man einen Wein um 10:30 und läuft vier Stunden durch den Schnee. Das macht man am besten mit einem Reiseführer, der bestimmt schon 60 ist, aber aussieht wie 40: braun gebrannte Haut, sportliche Figur und 0,0 Falten. Das habe ich noch nicht einmal jetzt und ich bin gerade mal 23. Naja, schade. Und wenn man bei euch dann einen harten Tag im Schnee hatte, dann geht man so um die Mittagszeit auf die Hütte. Während ich dann also an ein kleines, dickes Schweinchen erinnere, verschwitzt und rosa, seht ihr aus wie das blühende Leben und stellt euch erst einmal an die Bar für einen Aperol Spritz. Wie schafft ihr das denn? Ihr Menschen in Südtirol? Ich stehe da, total fertig, und brauche nur einen Platz zum sitzen und ihr steht an der Bar, wie an einem normalen Abend zur Cocktailzeit.

Und was ich mich auch immer frage ist, wie könnt ihr denn eigentlich so gut aussehen und so dünn sein, wenn es bei euch immer das beste Essen in großen Mengen gibt, Knödel und Nocken, und das drei Mal am Tag? Wisst ihr, ich sitze hier in Berlin, zähle Kalorien, stelle mich ein Mal am Tag auf das Laufband und sehe trotzdem noch nicht so aus wie ihr. Haben wir hier in der Stadt irgendwas anderes im Essen? Man, das ist doch unfair. Ach, aber wo ich gerade von Stadtmenschen rede. Ich fand es super zu hören, dass ihr Menschen in Südtirol euch immer ein bisschen lustig macht, wenn Großstädter das erste Mal auf Skiern oder auf dem Snowboard stehen. Ja, ja, ich weiß. Wir sind nicht die Elegantesten. Ich kann mir so richtig vorstellen, wie ihr dann immer heimlich in der Ecke steht und mit dem Finger auf ein Paar aus Berlin zeigt und euch nur so denkt: „Oh man, was können die eigentlich?“ Und wisst ihr was wir können? Wir sind super darin schon morgens gestresst aufzustehen, einen Kaffee to go zu nehmen, weil für nichts anderes mehr Zeit ist. Auch sind wir die Helden darin fünf Termine zu exakt der gleichen Zeit zu absolvieren und nebenbei noch 10 andere Dinge zu erledigen. Das können wir allerdings nur mit einem möglichst grimmigen Gesicht und ganz viel Aggression gegenüber ungefähr allen Menschen, die uns morgens, mittags und abends entgegen kommen. Umso schwieriger wird es für uns dann natürlich einen ganzen Tag im Schnee zu verbringen. Dort, wo es keine Straßenbahn gibt und wo wir uns nur auf eine Sache konzentrieren müssen, die ganz ohne Agenda geleitet wird. Das ist eine echte Herausforderung für uns, glaubt mir. Umso spannender finde ich es dann, mal die andere Seite, vielleicht sogar bessere Seite (?), zu sehen. Einen Ort kennenzulernen, an dem Menschen im Alter von über 70 tagtäglich auf der Piste stehen und mit großer Leidenschaft Menschen wie mich beim Fallen auffangen. Einen Ort, an dem man sich kennt und grüßt und an dem man sich immer und überall mit einem Lachen empfängt. Einen Ort, an dem die erste große Liebe, die Liebe zum Leben ist und nicht die zum neuen Office.

Ach Südtirol. Ihr Menschen in Südtirol wisst einfach, wie es sich am besten leben lässt. Mit einem Lachen, mit viel gutem Essen und das alles umgeben von einer beeindruckenden Natur. Wenn ich mal groß bin, dann möchte ich auch so werden wie ihr. Dann möchte ich genau wie Hermine einen Kinderpub leiten und meinen eigenen Obstler herstellen können. Oder dann möchte ich so wie Werner werden. Im Sommer fälle ich dann Bäume und im Winter gebe ich Snowboardunterricht, denn mehr brauch ich nicht. Vielleicht mal ein Wochenende in einer italienischen Großstadt, aber dann weiß ich einfach, dass ich den perfekten Ort zum Leben gefunden habe. Bis dahin dümpel ich hier vor mich herum und bleibe auf der Suche nach meinem perfekten Ort zum Leben, denn den habe ich auch nach 35 Ländern noch nicht gefunden. Ihr findet das bestimmt total traurig, aber glaubt mir, so ist das in der Großstadt. Wir rennen von A nach B ohne auch nur einen Menschen auf der Straße wahrzunehmen. Es sei denn er oder sie läuft gegen uns, denn dann haben wir immer noch genug Zeit zum pöbeln. Südtirol, ich werde wieder kommen, sobald mir das hier alles zu bunt wird im großen Berlin. Dann werde ich meinen Stress hier lassen und mich um 10:30 zum Wein treffen, bevor ich euch genug Spaß und Entertainment durch meine unglaublichen Künste auf Skiern und dem Snowboard biete.

Bis ganz bald ihr Menschen in Südtirol,

Eure Anne

Kommentare

  1. Liebe Anne, find ich ja volle nett, was du da schreibst. Denn… ja, ich bin ein Mensch in Südtirol (auch wenn ich gerade von Portugal und Spanien zurückkomme) und, nein, – mal ganz ehrlich unter uns – ganz so ohne Stress und Aggressionen läuft es bei uns auch nicht. Da interessiert es mich nun wirklich, wo du da bei uns warst?!? Oder vielleicht bin auch ich nur eine bedauernswerte Ausnahme… :-( Aber mit der Landschaft, da hast du schon recht – die passt :-) Tja, der Schnee auf Meran2000 ist auch bald alle… fragt’s sich, was mach ich morgen und am Wochenende?? Hilf mir bitte: gleitschirmfliegen, mountainbiken oder doch zum klettern?? ;-)

  2. Manuela

    Hallo Anne! Toll, was du schreibst über uns Südtiroler! Auch ich bin neugierig, wo du diese Eindrücke gesammelt hast!? Und ich muss hinzufügen: 4 Tage sind eindeutig zu wenig!
    Wir haben so vieles zu erleben, in der Natur, die Kultur und die Geschichte; Und nicht zu vergessen das Essen und Trinken!
    Ich muss dem Reinhold recht geben, dass es bei uns durchaus auch Stress und Aggression gibt, trotzdem erkenne ich einen klaren Unterschied, wenn man mal in einer Großstadt unterwegs ist! Wir begegnen uns – ich spreche da mal von mir und meinem Bekanntenkreis – lieber mit einem Lächeln und Schmunzeln und dadurch vergeht die meiste Aggression! :-)
    Nun kommt der Sommer – in manchen Tälern nach dem schneereichen Winter etwas zaghaft, aber doch – und die Skier und Schneeschuhe kommen in den Keller! Kletterseile, Bergschuhe, Fahrräder, Badehosen uvm nimmt nun überhand! Und der Veneziano (AperolSpritz) und natürlich unser Hugo wird jetzt richtig lecker!!
    Ach – und zum Thema Cafe: zum Glück genießen wir sehr leckeren Cafe in Südtirol! Den Espresso mal schnell an der Bar oder einen Cappuccino an der Sonne (300 Sonnentage sei Dank) und das auch noch zu einem erschwinglichen Preis! :-))

    Also: komm bald wieder – es gibt noch viel zu erleben!

  3. Evelyn

    Was soll man dazu sagen…..nichts am besten…ich war kürzlich auf einem der wunderschönen Waalwege oberhalb Meran…glücklich und zufrieden…anschliessend kamen wir zum Tappeinerweg der sich sozusagen über den Dächern von Meran unterhalb Dorf Tirol an den sonnigen Berghang schmiegt ….traumhaft schön, sonnig, und immer wieder wurde ich mit frischem süssen Blumenduft begleitet…der Blick ins Tal war wiedermal gigantisch…
    Mit einem Lächeln im Gesicht und voller guter Laune wollte ich mit meiner Familie diesen freien Tag geniessen.
    Vielleicht bin ich altmodisch oder vielleicht nicht mehr up to date…von all den vielen Touristen waren zwei die uns grüssten….von all den anderen griesgrämigen Urlaubern erhielten wir auf unser Grüss Gott nur ein jämmerlich klingendes Hallo. Ich wurde von meinen Eltern so erzogen, dass man grüsst. Die Waalwege sind sehr schmal, gewiss, man muss teilweise ein bisschen acht geben wenn man bei jemanden Schulter an Schulter vorbeigeht, Gerade deshalb finde ich es nett zu grüssen. Manchmal muss man auch kurz stehenbleiben und Platz machen …ein Danke wäre da sicher angebracht.
    Aber schnell schnell weiter ..ohne ein Aufblicken ohne ein Lächeln….schnell ins Hotel damit man sich noch einige Stücke Kuchen vom Buffet holen kann weil bis zum Abendessen dauerts ja noch soooo lang. Und das umfangreiche Frühstück hält nicht so lange an….Einkehren gibt es nicht, in Ruhe beim Gasthof den selbergemachten Saft trinken oder gar in netter Runde a GUATE MAREND UND A GLASL EIGENBAU geniessen…dafür reicht die Zeit nicht……

    Trotz alldem…wie gut tut es zu hören dass da eine junge Frau aus ihrem sicher hektischen grauen Alltag zu uns nach Südtirol kommt und uns und unser Land so herzig beschreibt….wie schön, dass ihr auffällt, dass es auch anders geht…ohne Griesgram und schlechter Laune…

    All diejenigen die ihren Urlaub hier bei uns …egal zu welcher Jahreszeit, denn hier hat alles seinen besonderen Reiz,…verbringen , so wie ANNE denken und es geniessen und diese wunderbaren Momente dann mit nach Hause nehmen,….all denen gilt für den nächsten Urlaub ein richtiges herzliches Grüss Gott , ein wahres Willkommen und unbeschreiblich schöne Geniessertage hier in Südtirol….

    Und ich freu mich wenn ich diese Gäste auf einer meiner Wanderungen begegne,…wenn man sich gegenseitig grüsst und vielleicht das eine oder andere Wort wechselt….
    In diesem Sinne wünsche ich Allen ein gute Zeit….bissl Zeit um auch im grauen Alltag vielleicht ein bisschen südtirolerisch zu sein……und Anne,…Danke Dir

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