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Lilies Diary | 24. Mrz 2017

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„Ich habe einen Traum“ – Glücklich sein in Oberbayern

Christine

I have a dream.“ Ein Satz, der jedem bekannt ist von Martin Luther Kings Rede. Vielleicht auch ein Satz, den jeder in sich trägt. Träume und Ziele, hat die nicht jeder irgendwie? Doch wie oft werden sie verdrängt und geraten in Vergessenheit? Wie oft denken wir, das schaffe ich nicht? Das wird nie passieren! Das ist unmöglich! Ich war vier Tage in Oberbayern unterwegs, in der Alpenregion Tegernsee Schliersee und dem Tölzer Land. Am letzten Abend habe ich die Frage gestellt bekommen, was mir denn am meisten gefallen hat, in der Region? Es gibt sicherlich anderswo höhere Berge oder größere Seen und dichtere Wälder aber was es vielleicht sonst wo nicht gibt – so viele Träumer. So viele Menschen, die all ihren Mut zusammengenommen, alles auf eine Karte gesetzt haben um ihren Traum zu verwirklichen. Es sind diese kleinen Perlen, die hinter unscheinbaren Türen lauern, welche die Region so besonders für mich machten.

Wie aus einer Reise ein Abenteuer wurde – die SLYRS Story

Es begann alles mit einer Reise und ich bin davon überzeugt, dass man die besten Ideen unterwegs hat. Florian Stetter, eigentlich Braumeister aus Oberbayern, nahm an einer Exkursion nach Schottland teil und war begeistert und angetan, wie dieses Stück Land im Norden Europas, doch dem Süden in Deutschland ähnelt. Die Mentalität der Menschen, ein bisschen stur aber herzlich, mit einer eigenen Aussprache und einer eigenen Tracht. Statt der Lederhose gibt es eben den Kilt und die Natur, die ähnelt sich auch. Berge, Seen, Wälder… Bei den Getränken setzen die Schotten jedoch eher auf Whiskey anstatt Bier. Aber warum nicht den Whisky nach Bayern bringen?

Das Brauen von Bier ähnelt sogar der Herstellung des Whiskys und so kam Florian Stetter zurück zum Schliersee und fing an zu schroten und destillieren. Die ersten fünf Fässer waren in 14 Tagen vergriffen und mittlerweile werden jährlich 3.000 hergestellt. Der SLYRS Whisky ist bis über die Landesgrenzen hinaus bekannt und international vielfach ausgezeichnet. So z.B. „Best European Single Malt 2015“ beim World Whiskys Awards und die Goldmedaille bei der „San Francisco World of Spirits Competition 2015.“ Im Jahr kommen ca. 27.000 Besucher in die Destillerie, um mehr von dem guten Tropfen zu erfahren und den ein oder anderen Whisky zu verkosten.

Wie sagte Humphrey Bogart „Man muss dem Leben immer um mindestens einen Whisky voraus sein.“

Den Menschen ein Stück Geborgenheit geben – der Hutmacher Wiesner

„Es kommt auf das Modell an aber so 1 bis 1,5 Jahre müssen sie schon auf ihren Hut warten.“ Martin Wiesner steht in seiner Werkstatt und zeigt mir gerade die 25 unterschiedlichen Grün- und Brauntöne aus denen die Kunden wählen können. Dazu können sie die Form bestimmen und die Hutgarnitur. Wo gibt es das denn heutzutage noch, dass man sich seinen persönlichen Hut aus all der Vielfalt zusammenstellen kann, so, wie man es sich wünscht. Und der Wunsch muss wirklich groß sein, denn wie gesagt, 1 bis 1,5 Jahre warten die Kunden auf ihr Einzelstück.

Klar, könnte Martin Wiesner mehr Leute einstellen und mehr Hüte produzieren, aber das möchte er gar nicht. Er möchte sich und seiner Arbeit treu und ein Handwerksbetrieb bleiben. Seit November ist er mit seiner Werkstatt in ein altes Bauernhaus von 1577 gezogen, das liebevoll hergerichtet wurde. Schon das betreten der Räume, ist ein Erlebnis. Neben Hüten gibt es auch Trachten. Made in Austria oder Süddeutschland. Vom oberen Stock aus, können die Besucher direkt in die Werkstatt schauen und dabei zusehen, wie die Krempen umgebügelt, der Hut aufgeputzt oder gerade ein Kunde vermessen wird. Beim Hutmacher Wiesner ist ein Hut mehr als nur eine Kopfbedeckung.

Es ist ein Stück Tracht, ein Kleidungsstück in den man sich geborgen fühlen soll. Sie erinnert an alte Traditionen und soll das Gefühl der Heimat und des Ankommens vermitteln. Martins Traum? Diese Tradition am Leben zu halten.

Wo die Kuh noch ein Gefühl haben darf – Naturkäserei TegernseerLand

Ich gebe zu, ich war mir erst nicht sicher, ob ich die Naturkäserei besuchen sollte, weil ich der Kuh zu liebe keinen Käse esse und keine Milch trinke. Aber ich habe es als Chance gesehen, einmal all die Fragen zu stellen, die mir schon lange auf der Zunge liegen und mich vielleicht auch davon zu überzeugen, dass es in Deutschland auch noch Betriebe gibt, bei denen die Kuh ein Gefühl haben darf. Dass die Naturkäserei TegernseerLand etwas besonderes ist, das stelle ich schnell fest. Hier wird die Milch so verarbeitet, wie sie vom Bauern kommt. 23 Betriebe aus dem Tegernseer Land werden derzeit jeden Morgen abgefahren, um die Milch zu holen. Nach 60 km ist die Milch an der Naturkäserei und wird verarbeitet. Im Sommer sind die Kühe auf der Weide und im Winter bekommen sie nur Heu im Stall. Doch wie ist dass denn mit den Kälbern und dem Muttertier? Ein Grund warum ich keinen Käse esse, weil das Kalb nach der Geburt sofort nach dem ersten Trinken der Mutter weggenommen wird. Es würden durch das Trinken der Milch sonst zu viele Keime in der Milch sein. Das ist auch bei den Bauern von der Naturkäserei so. Hans Leo, der mir eine kleine Führung gegeben hat, erzählt mir von seinen eigenen Kühen.

Die Kuh Adelheid hatte sechs Jahre lang jeweils ein Kalb bekommen, das ihr relativ egal war. Sie hat es zur Welt gebracht und ist davon gelaufen. Doch im verflixten siebten Jahr, hat sie plötzlich eine enorme Mutterliebe entwickelt. Ist man ihr und dem Kalb zu nahe gekommen, wurde sie angriffslustig. Die beiden wurden zwar trotzdem getrennt, durften aber im Stall nebeneinander stehen. Als Adelheid wieder auf die Weide durfte, ist sie trotzdem bei ihrem Kalb geblieben. Es ist also von Kalb zu Kalb unterschiedlich, ob eine Kuh Muttergefühle entwickelt. Ich fand es toll, dass in diese im Fall Adelheids Mutterliebe nicht einfach ignoriert worden ist, sondern, dass bei so kleinen Betrieben die Kuh noch ein Gefühl haben darf, das auch berücksichtigt wird. Die Naturkäserei träumt davon ein gutes regionales Produkt zu erzeugen. Früher haben sie die Milch nach Italien geliefert, wo der Mozzarella produziert wurde, den sie ein paar Wochen später wieder im Supermarkt am Tegernsee gekauft haben. Das machte für sie keinen Sinn und sie haben es wirklich geschafft etwas anders zu machen und ihren Wertvorstellungen treu zu bleiben. Chapeau. Ich esse zwar immer noch keinen Käse, aber dieser Betrieb hat gezeigt, wie es eigentlich sein sollte.

Vom Museumschef zum Brauhausbesitzer – das Binderbräu

Es war einmal vor langer Zeit, da versorgte Bad Tölz die Münchner mit Bier. Das ist kein Märchen, sondern die Wahrheit. 22 Brauereien gab es einst in Bad Tölz. Heute ist es nur noch eine, nämlich die im Binderbräu. Stefan Gritzbach war einst Museumschef im Tölzer Stadtmuseum. Doch eigentlich hatte er da schon immer einen anderen Traum. Etwas eigenes machen. Das Bier wieder nach Bad Tölz bringen. Vor circa drei Jahren hat er angefangen, das ehemalige Hotel im Kurviertel umzubauen. Mit viel Liebe und viel Geduld, denn er wollte alles so haben, wie er sich das immer vorgestellt hat. Im großen Speiseraum schimmern die Kupferkessel der hauseigenen Brauerei um die sich ein Braumeister kümmert, am Rand gibt es einen Tresor, in denen die Stammgäste ihre Krüge einschließen können und bald soll es im ersten Stock ein Biermuseum geben.

Bad-Tölz-Bindebräu

Stefan Gritzbach hat alles auf eine Karte gesetzt und das Spiel gewonnen. Es muss sich toll anfühlen jeden Tag in sein eigenes Brauhaus zu gehen. Die Einheimischen lieben das Bindebräu – genau das hat gefehlt in der Stadt und hier kann man immer was erleben. Als ich zu Besuch war, schlichen Mönche mit Bierkrügen umher, die Teil des „Bier Story Dinners“ waren. Ach und sogar vegane Servierttenknödel stehen auf der Karte. Das ist für mich natürlich – ein Traum!

Traumwanne am Wasserfall – Dorfbad Tannermühl

„Mein Traum ist es meinen Lebensunterhalt von Menschen in Frotteemänteln zu finanzieren.“ Peter Kirchberger nimmt noch ein Stück Holz und legt es auf den flackernden Kamin. Die Kaminwärme ist die schönste. Was er hier erschaffen hat, ist wirklich ein ganz besonderer Ort. Das Dorfbad Tannermühl liegt am Rande von Bayrischzell. Vor über hundert Jahren war das Haus eine Getreidemühle, danach eine Schreinerei und bevor es Peter Kirchberger gekauft hat, die Wohnung einer Hausmalerin.

Jetzt ist es ein Ort der Entspannung, der Ruhe – ein Kraftort. Peter Kirchberger hat das Erdgeschoss des alten Gebäudes in einen Spa umgebaut. Von der Sauna aus haben die Gäste den Blick auf das tosende Wasser im Bach, auf der Terrasse können sie die Sonne genießen, auf der Liegewiese entspannen und in der Badewanne neben dem Wasserfall dass wohl schönste Bad ihres Lebens genießen. Jeden Sonntag steht das Dorfbad Besuchern offen, die sich 4 Stunden lang mit Massagen verwöhnen lassen wollen. Oder man mietet den Spa für einen ganzen besonderen Anlass. Während also Peter im ersten Stock auf dem Sofa sitzt, haben seine Gäste im Spa ein unvergessliche Zeit. Und das macht ihn glücklich – diesen wunderschönen Ort an der Natur mit anderen zu teilen.

Was will man mehr, als seinen Beruf lieben – Das Café im Süden

Gibt es noch irgendwelche Träume oder Ziele die du hast?“ frage ich Snezana Schreibauer. Sie schaut kurz zur Decke, überlegt keine 2 Sekunden und sagt selbstsicher. „Nein. Ich bin so glücklich wie es ist.“ Ich bin baff, gerührt, ein bisschen sprachlos, bekomme etwas feuchte Augen, weil ich mich so freue. Für Snezana und über die Tatsache, dass es sie noch gibt – die Menschen, die ihre Träume verwirklichen und dann wunschlos glücklich sind. Menschen, die in ihrem Beruf aufgehen. Deren Beruf eine Berufung ist. Snezana kleines Café im Süden, ist ihr zweites Zuhause.

Bad-Tölz-Café

Hier steht sie schon früh um 7 Uhr und meistens muss man sie abends um 20 Uhr aus dem Laden scheuchen. Sie hatte schon immer den Traum, ein eigenes Café zu besitzen. Es ist halb 9 an einem Freitag. Eigentlich ist das Café noch geschlossen, doch immer wieder geht die Tür auf und die Nachbarn zu Besuch, die ihr Müsli essen und ihren Kaffee genießen, bevor sie selbst zur Arbeit müssen. Die Nachbarin vom Kosmetikladen um die Ecke zündet schon einmal die Kerzen im Café an, während Snezana in den Blumenladen gegenüber noch schnell ein Tablett mit Kaffee und Tee vorbei trägt. Dann fangen wir an zu backen. Veganen Mangokuchen, der heute Mittag frisch serviert wird. Wir pürieren Mangos, zerkleinern Nüsse, plaudern über den Alltag, das Café füllt sich und es ist einfach wunderbar. Hier wurde ein Ort voller Liebe erschaffen. Das spürt man. Also, ich kann es spüren, vielleicht, weil ich einen ganz besonderen Sensor dafür habe. Hier passiert nichts, weil man muss, sondern hier steht das Wollen auf der Tageskarte. Hier finde ich etwas, was ich in Berlin oft vermisse. Gemeinschaft. Ein Ritual. Jeden Morgen die gleichen netten Menschen zu treffen. Sich helfen und unter die Arme greifen – füreinander da sein.

Ich frage doch noch einmal nach „Und da gibt es wirklich nichts, was du dir noch wünscht?“ „ Ich werde nie Millionärin mit meinem Café, aber das ist ok. Ich habe alles, was ich brauche, alle sind gesund, ich bin glücklich, was will man mehr?

Eine gute Frage. Was will man immer mehr? Manchmal muss man auch einfach sehen, wenn man wunschlos glücklich ist.

Dieser Post ist in Kooperation mit Oberbayern entstanden und der Kampagne Alpine Heimat.

 

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