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Lilies Diary | 23. Juni 2017

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Honduras Reisetipps: Roatán, Sambo Creek und Rio Cangrejal

Laura Droße

In meinen Honduras Reisetipps verrate ich euch, was ich nach Panama noch auf meiner kurzen Reise nach Zentralamerika erlebt habe. Es ist endlich Zeit, diesen leeren Fleck auf meiner Weltkarte zu füllen, und so sitze ich nun nach einem kurzen Stopover auf dem Flughafen von San Pedro Sula in einer kleinen Propellermaschine, die mich nach Roatán bringen soll.

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Honduras Reisetipps: sich von der Energie der Locals anstecken lassen

Honduras wird von der internationalen Presse nicht unbedingt mit Lob überschüttet. Vorherrschender Inhalt der Artikel sind Kriminalstatistiken, die, außer dem puren Grauen, wenig Eindruck vermitteln über dieses kleine Land in der Karibik. Während des leider nur 20 Minuten dauernden Fluges – ich liebe diese kleinen Propellermaschinen mit ihrer Wendigkeit, die mir das Gefühl verleihen, ein Teil des Flugzeugs zu sein – beobachte ich die Einheimischen, die miteinander scherzen und sich lautstark quer durch die Sitzreihen miteinander unterhalten. Die gute Laune der Locals schwappt direkt auf mich über, während ich durchs Cockpit die Landung beobachte.

propellerflugzeug

Als die Maschine auf dem verschlafenen Flughafen Juan Manuel Galvez International aufsetzt, beginne ich eines zu ahnen: Entspannung liegt hier in den Genen und wer kann es einem verdenken, wenn man zwischen saftig grüner Vegetation, hügeligen Bergen und türkisem Wasser lebt, die nächste Großstadt und all die menschengemachte Hektik weit, weit weg …

Honduras Reisetipps: Aussteiger-  und Piratengeschichten auf Roatán lauschen

Roatán ist zwar die größte der Islas de la Bahía, aber dennoch nur knapp 60 km lang und 8 km breit. 30.000 Einwohner werden jedes Jahr von den Touristenzahlen, die die Insel besuchen, um ein vielfaches übertroffen. Und obwohl die Insel offiziell zu Honduras gehört, ist Englisch weiter verbreitet als Spanisch, was nur zum Teil an den nordamerikanischen Touristen liegt, die seit den 70ern mit ihren Kreuzfahrtschiffen hier vor Anker gehen. Zum Großteil ist es auf die piratenreiche Historie der Inseln zurückzuführen. Im Laufe der Jahrhunderte war Roatán aufgrund der strategisch günstigen Lage immer wieder Operationsbasis diverser Piraten. Der legendäre Piratenkönig John Coxen gründete hier im 17. Jahrhundert eine Siedlung und so wurde die spätere Hauptstadt nach ihm „Coxen Hole“ benannt. Soweit zumindest die Legende. „Hole“ ist hierbei im Sinne von „Unterschlupf“ zu verstehen, denn diese karibische Schönheit würde wohl Niemand als „Loch“ bezeichnen. Die Piraten mögen Geschichte sein, die Papageien bevölkern Roatán aber noch immer.

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Honduras Reisetipps: „you had me at coconut shrimps!“

Auf der Fahrt vom Flughafen tauchen wir ein in das saftige Grün, erahnen die, mit karibischen Kiefern dicht bewaldeten, Hügel aus der Ferne und bekommen sofort unsere erste Lektion im insulanen Laissez-faire: wir halten am Straßenrand, zwischen Fahrbahn und Wasser, an einer kleinen achteckigen Holzhütte. Eine leichte Brise und die zahlreichen, am Dachansatz befestigten, Flaggen umwehen unsere Köpfe, während unser Gaumen an karibischer Exzellenz explodiert. „Coconut Shrimps“ heißt das Gericht laut meiner Erinnerung, dazu gibt es Bananenchips, Kole Stew, Reis mit Bohnen und selbstgemachte Limonade. Hatte ich schon erwähnt, dass Essen für mich ganz klar eine Form von materialisiertem Glück darstellt?

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Lokales Essen & lokale Entspanntheit

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Honduras Reisetipps: „Gumbalimba? Ja, das ist so seltsam wie es klingt…“

Die Natur des Menschen ist mir ja immer mal wieder mehr Rätsel als Logik, ganz besonders fällt mir das jedoch immer in der Tendenz des Menschen auf, Parks jeglicher Art anzulegen, um einer bestimmten Thematik zu huldigen. Warum man nun also auf einer Karibikinsel, die übervoll ist mit Tieren und Pflanzen, die geradezu birst, ob der Exotik für uns graugewohnte Europäer, einen … nun, nennen wir es Expeditionspark (?), anlegen muss … Ich kann es nicht sagen. Jedenfalls besuchten wir eben diesen. Natürlich ist die Pflanzenwelt wunderschön und die Tiere beeindruckend; und natürlich wird auch irgendwie der Eindruck erweckt, alles sei völlig natürlich – allein, es ist es nicht. Und so sehr ich mich über die Begegnung mit der mir so fremden Tierwelt freue, so wenig behagt es mir, zu sehen wie Kapuzineraffen darauf abgerichtet werden, auf uns Touristen zu springen, wenn man sie mit Trockenfrüchten lockt. Entsprechend gibt es von mir kein Foto mit Äffchen auf der Schulter. Dennoch erliege ich dem Charme des dicken, grünen Dickichts, der durch exotische Pflanzen brechenden Sonnenstrahlen und der majestätischen Leguane, die an jeder Ecke meinen Weg kreuzen. Honduras Reisetipps in diesem Fall also eher im Sinne von „Das bitte nicht!“.

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Farbenpracht, #nofilter

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Oh, du vornehme Schönheit! Stolzer Leguan auf Roatán

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Honduras Reisetipps: Aussteigerparadies vs. Massentourismus

Unser Hotel liegt tatsächlich am westlichsten Zipfel der Insel, am Ende von West Bay, dem touristischen Teil Roatáns, in welchem sich die meisten Hotels und Resorts finden. Die Größe der Anlagen und die Tauchschulen, die sich hier aneinanderreihen, wollen so gar nicht zum Traum von der Hippie-Aussteigerinsel passen, die Roatán einst gewesen ist. Von West Bay bis West End schmiegt sich der Strand in die Half Moon Bay.

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Die Hauptstraße mit all ihren Lädchen

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Entlang der einzigen Straße in West End vermischen sich am Abend die Düfte der karibischen Küche in meiner Nase, die zahllosen Cafés, Restaurants und Essensstände werben um Käufer für Seafood und traditionelle Speisen. Und zwischen typischen Karibik-Touristen und übereifrigen Anbietern von Bootstouren, Massagen oder sonstigem Schnickschnack, die alle mit Pinocchionasen herumlaufen müssen, ob des Unsinns, den sie mir teilweise auftischen, finde ich sie noch – die Aussteiger, die Entspannten, diejenigen, die damals gekommen und für immer geblieben sind. Und die es zu meiner Freude und Erleichterung noch immer schaffen, selbst dem Touristenzipfel dieses Flair zu geben, was die Konsumtouristen weiterhin dazu bringen wird Roatán zu besuchen, gleichzeitig aber auch dazu, es wieder zu verlassen. Darauf ein Gläschen Rum.

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Sonnenuntergang am West Bay

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Die warme Luft begleitet einen auch nachts durch die Straßen, …

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… in denen karibisches Seafood und kühle Drinks auf einen warten.

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Honduras Reisetipps: Oak Ridge – wenn, dann hier!

Am nächsten Tag führt uns unser Guide Emsly (Typ „fürsorglicher Bär“ und etwa dreimal so groß wie ich) in seinen Geburtsort, Oak Ridge, im südöstlichen Teil der Insel. Oak Ridge wird auch das Venedig Roatáns genannt, denn die meisten Häuser sind auf Stelzen im Wasser erbaut und das Verkehrsmittel der Wahl ist das Schnellboot. Unsere Fahrtrinne verengt sich immer wieder zu schmalen Kanälen, die wunderschönen Mangroven formen Tunnel, in denen kaum ein Sonnenstrahl zu uns durchdringt.

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Pastellträume & Bootskumpanen in Oak Ridge

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Das Gesicht in den Fahrtwind gestreckt, begeben wir uns zu einem monolithischen Fels, der Emsly’s Geheimtipp zum Schnorcheln ist. Über und über dicht bewuchert, wächst er ohne flachen Übergang steil aus dem Wasser und ich kann mich nicht entscheiden, ob ich es über oder unter Wasser beeindruckender finde. Ganz Roatán liegt im Gebiet des Belize Barrier Reef, dem zweitgrößten Korallenriff weltweit (nach dem Great Barrier Reef), welches sich über 1.000 km von Yucatán bis über die Islas de la Bahía erstreckt. Am Ufer besuchen wir ein kleines privatgeführtes Hotel, in dem jeder Gast eine eigene kleine Wasserhütte bewohnt, kriegen von Emsly weitere Insidertipps für abendliche Drinks und werden auf unserem Rückweg aus einem vorbeifahrenden Boot, von Emsly’s Freunden mit unerwartetem, aber sehr willkommenem, kühlen Bier versorgt.

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Typisches Wohnhaus in Oak Ridge & die einzige Tankstelle im Ort

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Ich merke mal wieder, wie gern ich am Wasser leben würde, wie sehr ich es genieße auf (kleinen) Booten über die Wellen zu gleiten und Kopf und Körper ins kühle Nass zu tauchen. Und als in der beginnenden Abenddämmerung zarte Regentropfen auf das spiegelglatte Wasser in der Bucht fallen und ringsum alles still ist, weiß ich: wenn, dann hier.

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Honduras Reisetipps: Wunderwelt auf und unter dem Wasser

Als wäre das alles nicht genug, ist Emsly außerdem Herr über sein Glass Bottom Boat, auf welchem er uns zu einem weiteren Ausflug einlädt. Das Boot ist ein sogenanntes „Semi Submarine“. Wir sitzen unter Deck im voll verglasten Bauch des Schiffes und sind der Unterwasserwelt so nah wie man es nur sein kann, ohne nass zu werden. Und da wir mit Emsly ein grandiose Zeit auf der Insel verbringen durften, kann ich jedem nur ausdrücklich ans Herz legen, eine Tour bei ihm zu buchen, solltet Ihr jemals nach Roatán kommen: Hyde Tours Roatán, benannt nach dem Meister himself, Emsly Hyde.

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Emsly Hyde, bester Guide und Herz von Mensch, in seinem Glass Bottom Boat

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„Tach Fischies! Hübsch habt ihr’s hier!“

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Honduras Reisetipps: die Garífuna Kultur in Punta Gorda

Gegenüber von Oak Ridge, auf der anderen Inselseite, liegt Punta Gorda, die Wiege der Garífuna-Kultur. Ihrerzeit deportierten die Engländer Kariben aus St.Vincent (ehemalige Sklaven) nach Roatán. Aus kreolischen, englischen und spanischen Einflüssen bildete sich die Kultur der Garífuna heraus, welche in Punta Gorda ihre erste feste Siedlung hatten. Inzwischen sind die Garífuna mit ihrer Kultur und Sprache (der Igñeri) weit über Zentralamerika verbreitet, haben Roatán jedoch nie verlassen. Mit Einbaumbooten verdienen sie ihren Lebensunterhalt vornehmlich in der Fischerei und bereits die Jüngsten wachsen mehr im und auf dem Wasser auf als zu Land. Die Garífuna sind ein Volk des Wassers und es ist Teil ihrer Identität.

Emsly führt uns zielstrebig in eine der pastellfarbenen Holzhütten, die von außen betrachtet aussieht wie jede andere. Schnell stellen wir fest, dass es sich um eine Art Imbiss handelt, allerdings wohl der Imbiss mit dem besten Essensplatz der Welt: Über einen Steg gelangen wir zu einer mit Palmwedeln bedeckten Holzhütte, die auf Stelzen im Meer thront. Serviert wird uns DAS traditionelle Gericht der Garífuna: Machuca, eine mit frisch gefangenem Hummer, Fischfilet, Shrimps und Muschelfleisch verfeinerte Kokossuppe, zu der eine feste Paste aus Kochbananen gereicht wird, die eigentliche Machuca.

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Leben am, auf und vom Wasser

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Kreolische Einflüsse sind unübersehbar

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Mangroven am Ufer

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Deluxe Platz zum Verspeisen der traditionellen Machuca

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Die Machuca ist nicht nur unfassbar lecker, sondern auch wahnsinnig gehaltvoll. Sie stärke das Immunsystem, so das Mantra, das wir immer wieder zu Ohren bekommen und nach dem Verzehr solle man erst einige Stunden ruhen und sich im Anschluss fortpflanzen. Den Teil haben wir unhöflicherweise ausgelassen.

Honduras Reisetipps: von Ursprünglichkeit & Ökotourismus

Zurück auf dem Festland besuchen wir die ursprüngliche Siedlung Sambo Creek. Unser ortskundiger Guide Kevin ist geschätzte 9 Jahre alt und wahnsinnig clever. Den größten Spaß haben Kevin und seine Freunde mit unseren Kameras, mit denen sie gefühlt 300 Bilder in drei Minuten schießen. Wir werden von Einheimischen herzlich begrüßt und man versichert uns, dass Honduras absolut sicher sei, solange man sich nicht mit seltsamen Leuten abgibt. Wir treffen einen der letzten Trommelbauern der Gegend, der seine Trommeln aus einheimischen Hölzern sogar bis nach New York verkauft und dürfen der Python eines Nachbarn näher kommen als uns lieb ist.

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Ursprüngliches Leben in Sambo Creek

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Unseren Guide finden wir am Strand beim Musizieren

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Kevin mit Kamera & Python

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Honduras Reisetipps: Schönheit des Rio Cangrejal

Unweit des Dorfes wohnt in einer unfassbaren Lodge inmitten der Gebirgshügel Pepe Herrero, seines Zeichens Umweltaktivist, Sozialist und Kommunist, wie er sich selbst vorstellt. Pepe ist hier aufgewachsen, setzt sich weltweit für den Erhalt natürlicher Ökosysteme und die Forschung in Reservaten ein. Er ist ein Pionier dieses Tals, hat es selbst mit erschlossen und schon bald will er selbst eine Eco-Lodge eröffnen.

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Pepe Herrero auf der Terrasse seiner künftigen Eco Lodge

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Unschlagbare Aussicht, nicht nur für politische Konversationen

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Die Biohölzer, aus denen die Möbel in dieser, wie auch seiner eigenen Lodge, gebaut sind, stammen von Bäumen, die Pepe als Kind selbst gepflanzt hat. Beherbergen will er vor allem Individualtouristen, Forscher und Aktivisten, es geht ihm mehr um den Austausch und die Aufklärung als um Gewinne. Während wir auf seiner Terrasse sitzen, auf die er uns mit Nachdruck jederzeit herzlich einlädt, und seinen Erzählungen lauschen, wird klar: Pepe ist eine dieser Personen, die ihr Leben einem Zweck gewidmet haben. Mit nationalen und internationalen Politikern hat er auf dieser Terrasse debattiert und Umweltschutzziele besprochen. Den Blick über den dunstverhangenen Regenwald schweifend, das Rauschen des wilden Rio Cangrejal im Ohr, weiß man sofort, weshalb.

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Dieser Post ist in Kooperation mit der Central America Tourism Agency entstanden.

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