Im Sommer schneit es manchmal, wenn kleine, weiße Flocken durch die Luft fliegen. Viel langsamer und leichter als Schneeflocken. Elegant und glaziös schweben sie. Mal auf, mal ab, wo auch immer sie der Wind hinträgt.
Ja, manchmal kommt mir das Leben vor wie eine kleine weiße Flocke einer Pusteblume. Man wächst heran, steht in seiner vollen, gelben Blüte, wandelt sich, wird weiß, ist sicher und fest verankert mit seinen kleinen Schneeflockenkameraden in der Blumenknolle aber irgendwann ist es soweit. Irgendwann weiß man, dass sich die Wurzel aus der Knolle löst und man von einem Windstoß davon getragen wird. Allein. Weit hinaus auf das Feld. Oder vielleicht auch nur bis zum nächsten Grashalm, an dem man kleben bleibt. Aber man fliegt meistens öfters, denn der nächste Windstoß lässt nicht lange auf sich warten und trägt einen weiter, an einen anderen Ort. Dann schwebt man und dreht sich und fliegt weit hinauf bis man wieder langsam absinkt und einen neuen Platz einnimmt. So lange, bis man endgültig liegen bleibt und keinen Antrieb mehr hat. Oder sich ausgeflogen hat. Oder ein Flugblättchen verloren hat. Oder voller Wasser ist und zu schwer um noch einmal mit dem Wind aufzusteigen. Dann ist es an der Reihe Wurzeln zu schlagen und selber zur Pusteblume heranzuwachsen, die wieder neue, kleine Schneeflocken in die Welt schickt. Was wäre ein Sommer ohne Schnee?
















6 Kommentare

  1. Wirklich superschön geschrieben, Christine! Weißt du, was ich an deinem Text toll finde? Dass er überhautpt nichts Negatives enthält, trotzdem man an die eigene Endlichkeit erinnert wird. Jenseits der 50 wird man das ständig. Das Denken und Planen ändert sich. Aber das hat was…

    By the way: Zu schade, dass ich am 8.6. nicht nach Berlin kommen kann. Aber ich wünsch dir viel Erfolg!!

  2. Lieber Anonym, du hast gerade hier ein Kommentar geschrieben, dass sehr persönlich war. Deswegen werde ich es nicht veröffentlichen. Ich würde mich aber freuen, wenn du mir eine Mail schickst. Um mal drüber zu sprechen: neder.c@web.de

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