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Lilies Diary | 29. Juni 2017

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2 Kommentare

Couch schlägt Hotel – ein Plädoyer für Airbnb, Couchsurfing & Co

Pia Winter
  • am 21. Oktober 2016
  • http://www.little-lilies-diary.com

Sei dort Zuhause. Wo? Egal wo. Das ist das, was Airbnb und andere Vermietungs-Communities versprechen. Wie viele andere bin auch ich ein Fan davon, in den Wohn- oder Gästezimmern anderer Leute zu übernachten, anstatt in Hostels oder Hotels zu nächtigen. Warum? Weil ich dort ein temporäres Zuhause finde.

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Nicht nur Urlaub machen, sondern reisen

Wenn ich reise, dann möchte ich nicht nur Urlaub machen. Unter Urlaub machen verstehe ich, eine Stadt zu besuchen, dort ein paar Tage zu verbringen, mir die Sehenswürdigkeiten anzuschauen und vor allem – eine entspannte Zeit zu haben. Reisen ist etwas komplett anderes. Beim Reisen möchte ich ankommen, möchte ich die Stadt erleben, Einheimische kennenlernen und geheime Ecken treffen.

In Hotels ist dieses intensive Erleben schwieriger. Natürlich kann ich an der Rezeption fragen, wo denn die nächste Bar oder das liebste Restaurant liegt, aber die Chance, dass der Gefragte mit mir mitkommt und mir seine Lieblingsspeise empfiehlt und wir noch einen Wein aufs Haus trinken, weil er den Besitzer kennt ist – seien wir ehrlich – sehr gering.

Wenn ich aber bei Menschen wohne, die in dieser Stadt leben, dann ist das anders. Hier werde ich herzlich aufgenommen, es gibt Tipps für die Umgebung, Ausgehmöglichkeiten. Ich erfahre, welche Ecken ich lieber meiden sollte und welches Restaurant ich auf keinen Fall verpassen darf.

Meet the locals

Neben den tollen Erfahrungen und Eindrücken, die eine neue Destination so mit sich bringt, sind es aber oft auch die Menschen mit anderer Kultur, die mich beim Reisen reizen. Ich liebe es einfach, neue Leute kennenzulernen und wenn man nicht super extrovertiert ist, dann lernt man auf Reisen eben nicht gezwungenermaßen andere kennen.

Gastgeber empfangen Reisende in ihren Unterkünften meist persönlich, interessieren sich für die Person, die für kurze Zeit bei ihnen lebt, und geben im Gegenzug auch etwas von ihrer Persönlichkeit und Geschichte preis. So entstehen spannende Gespräche und manchmal auch Freundschaften. Ich bin zum Beispiel immer noch mit der Frau befreundet, die mich, als ich im Auslandssemester nach Finnland ging, für die ersten Wochen bei sich aufnahm. Über sie habe ich alle finnischen Freunde kennengelernt, zu denen ich auch heute noch Kontakt habe. Das sind Freundschaften fürs Leben, die ich nicht hätte, wäre ich in einem Hotel untergekommen. Und ich möchte sie niemals missen.

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Hol die Welt zu dir nach Hause

Wenn ich nicht reisen kann, hole ich mir die weite Welt zu mir nach Hause. Auch bei drei Zimmern kann ich das Wohnzimmer für ein paar Nächte opfern und lerne so immer wieder interessante Leute, ihre Geschichten und Reisepläne kennen. Meine erste Airbnb-Buchung war ein netter Typ, der auf der Durchreise nach Dänemark war. Er empfahl mir eine sagenhaft günstige Agentur, die günstige Ferienhäuser direkt am Meer vermietet. Oder wusstet ihr, dass Mercedes mehr Geld in Werbung als in Personalkosten pumpt? Das wurde mir von einem Insider berichtet, der eine Nacht bei uns schlief. Was für eine lustige, kleine Party-Anekdote, oder?

Menschen, die reisen, erzählen gerne von ihren Reisen. Sie berichten darüber, wo sie herkommen, wo sie schon waren oder wo sie noch hinmöchten. So inspirieren wir uns gegenseitig. Ich finde es schön, dass sich fremde Menschen nach kurzer Zeit bei mir wohlfühlen, denn das gibt auch mir ein gutes Gefühl. Und – so wird die Wohnung in regelmäßigen Abständen auch vernünftig gesäubert. Denn wenn nicht für sich selbst, dann doch zumindest für die Gäste!

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Ein schönes Heim, nicht nur für mich allein

Seitdem ich Airbnb-Host bin sieht es bei uns Zuhause auf einmal ganz anders aus. Wir haben es endlich geschafft, den Balkon zu bepflanzen, neue Möbel für ihn zu kaufen, die Küche zu streichen und der Badezimmerboden wird nun auch in regelmäßigen Abständen gewischt. Ja, das klingt als wären wir die letzten Studenten, die nie putzen. Sind wir nicht, wirklich nicht. Aber das Engagement steigt, wenn man Gäste bekommt, die erstmal fremd sind. Denn diese (zahlenden*) Fremden möchte ich nicht enttäuschen. So hat unsere Wohnung ganz nebenbei einen neuen Schliff bekommen und das ist doch auch ein kleiner, schöner Nebeneffekt.

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Gesetzliche Lage:

Wenn man mit Freunden und Familie über das neue „Hobby“ spricht, dann kommt das Gespräch sehr schnell auf die Frage nach der gesetzlichen Lage.

Viele von euch haben bestimmt vom „Zweckentfremdungsverbot“ gehört, das in Berlin nun die Untervermietung von Wohnung verbieten soll, um den Wohnungsmarkt in der Hauptstadt (endlich!) etwas zu entspannen. Aber was bedeutet Zeckentfremdung?

„Das Gesetz definiert es so: Eine Zweckentfremdung liegt vor, „wenn Wohnraum zum Zwecke der wiederholten nach Tagen oder Wochen bemessenen Vermietung als Ferienwohnung oder einer Fremdenbeherbergung, insbesondere einer gewerblichen Zimmervermietung oder der Einrichtung von Schlafstellen verwendet wird (…).“ (Quelle: ZEIT ONLINE)

Sollte man allerdings im Urlaub sein, darf man seine Wohnung weiter untervermieten, allerdings nicht teurer als die ortsüblichen Mietpreise.

Airbnb-Gesetzeslage

Schön und gut. Und in anderen Städten? Bei Airbnb selbst findet man zwar einen freundlichen Hinweis, dass das Informieren über die Gesetzeslage zwar wichtig ist; allerdings wenig Informationen dazu, wie legal das ganze Untervermieten eigentlich.

„Wenn du dich dazu entschließt, Airbnb-Gastgeber zu werden, ist es wichtig zu wissen, wie die Gesetzgebung in deiner Stadt diesbezüglich aussieht.“ So wird man vom ersten „Gastgeber Leitfaden“ zum nächsten FAQ-Artikel weitergeleitet. Immer mit der gleichen Bitte: „Wenn Du erwägst, Airbnb-Gastgeber zu werden, ist es wichtig, die Gesetze Deiner Stadt zu verstehen.“ Eine Rechtsberatung bieten sie nicht an, nur den „Ansatz für weitere Recherchen“.

Ich wohne in Bremen und tatsächlich wurde von der Bremer Bürgerschaft ein ziemlich interessantes Dokument hochgeladen, welches zumindest eine einigermaßen eindeutige Regelung für Bremer Airbnb-Hosts verspricht: „Wenn hin und wieder über wenige Tage zahlende Gäste in einem Zimmer der eigenen Wohnung beherbergt werden, liegt keine Zweckentfremdung des Wohnraumes vor. Dennoch braucht man in einer Mietwohnung die ausdrückliche Genehmigung des Vermieters.“

Ich hoffe, dass dieser Versuch, die gesetzliche Lage darzustellen, euch nicht verschreckt hat. Airbnb und Co machen wirklich Spaß, man verdient etwas Geld nebenbei* oder spart es, indem man Hotels meidet, aber man lernt vor allem Destinationen und die Menschen, die dort leben, auf eine ganz andere Art kennen.

(*Ich möchte mich in diesem Beitrag davon distanzieren, die eigene Unterkunft nur zu vermieten, um damit Geld zu machen. Das ist meiner Ansicht nach nämlich eine ziemlich doofe Motivation.)

Kommentare

  1. Ich muss sagen, dass ich auch lange großer Fan von Airbnb war – Unser Apartement in Mailand, das Hausboot in Amsterdam und das New Yorker Apartement in dem man sich wie ein Local fühlte waren toll und vergleichsweise günstig. Doch mittlerweile hat sich Angebot und Nachfrage ins Negative entwickelt. Die Preise für gute Airbnb Wohnungen stehen manchmal in keinem Verhältnis mehr zu einem Hotelzimmer. Und das Argument „Meet the Locals“ zieht auch nicht immer, weil viele Wohnungen schon nahezu gewerblich betrieben werden und man mit dem Besitzer kaum mehr Kontakt hat. Absoutes Negativbeispiel war für mich dieses Jahr New York – vor 2 Jahren mieteten wir ein schnuckeliges Mini-Apartement (kleiner als ein Hotelzimmer, aber eben eine eigene Wohnung) für 780 $ die Woche. Eben genau dieses Apartement zur gleichen Zeit kostet nun geschmeidige 1500$ und ich frage mich, wer so etwas dafür zahlt! Denn für 900 $ kommen wir jetzt in einem viel zentraler gelegenen Hotel unter, mit Frühstück und Blick auf den East River…. Ähnliches erlebe ich gerade als ich für die Leipziger Buchmesse ein Airbnb buchte – nahezu alle sagten ab, weil sie erst einmal warten, dass sie die Preise für den Zeitraum ändern können – auf das 4fache!!! Oder teurer – man bot mir an, dass ich doch die 100 EUR Unterkunft für 1200 EUR haben kann — Verlage zahlen das für ihre Fachbesucher – Öhm nein Danke! Das ist leider eine unschöne Entwicklung…. Aber wohl nicht zu vermeiden – Menschen suchen nach dem schnellen geld und wenn Leute bereit sind dafür so viel zu zahlen…

    • Christine

      Da muss ich dir recht geben. Das ist echt scheisse :(

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