Es macht ihr so viel Spaß für die Kamera zu posen. Sie geht richtig auf in der Rolle des Models, wie sie in ihrer rosa Küche steht, sich den karierten Ofenhandschuh überstülpt und neckisch über die Schulter schaut um in die Kamera zu lächeln. Leider blieben uns nur noch 5 Minuten mit ihr. Dann mussten wir wieder gehen. Ihr Mann hatte etwas dagegen. Seine Frau sei doch kein Model… Stimmt. Lucia ist mit ihren 66 Jahren definitiv kein Modeltyp. Aber so interessant und aussergewöhnlich neben den ganzen Luxuskörpern am Strand. Sie ist uns einen Tag vorher am Strand vom Mamaia aufgefallen als wir für unser Projekt auf der Suche nach Charaktertypen waren. Da saß Lucia auf einem Stein und hat ihren Mann beim schwimmen zugeschaut. Sie strahlte so etwas Positives, Optimistisches aus – und was einfach super auffällig war: ihre Frisur. Ein platinblonder 20er – Jahre Bob mit kurzem Pony. Als wir sie ansprachen und nachfragten, ob wir zu ihr nach Hause dürfen um von ihr Fotos zu machen war sie ganz Feuer und Flamme und schrieb uns ohne mit der Wimper zu zucken alle Daten auf. Ihr Telefonnummer, Adresse, Handynummer. Sehr überraschend, denn aus den Kontakten vorher, habe ich die Rumänen eher als sehr zurückhaltend und skeptisch gesehen. Sie erzählte uns auch gleich voller Stolz von ihrem Sohn, der Arzt in Florida ist. Nach einer Weile kam ihr Mann aus dem Wasser und Lucia erklärte ihm was wir vor hatten. Er pustete nur, machte eine genervte Mimik und wollte, dass wir uns morgen erst noch einmal melden bevor wir kommen.
Wir sind natürlich zäh und wollten unbedingt zu ihr nach Hause. Also meldeten wir uns wirklich noch einmal bei ihr und machen uns nach dem Telefonat auf den Weg zu ihr. Eine Straßenecke vor dem Ziel haben wir sie schon zufällig auf der Straße getroffen. Sie sah toll aus. Sie trug ein weiß-rot gestreiftes Kleid und einen beigen Sonnenhut dazu. Sie begrüßte uns und mit einer herzlichen Umarmung und zwei dicken Schmatzern auf die Backe. Sie stand gerade noch mit zwei ihrer Schülerinnen auf der Straße. Lucia ist Lehrerin, für Rumänisch und wie wir später erfahren haben macht sie gerade ihren Doktor.
Wir liefen gemeinsam zu ihrem Wohnhaus, ein Hochhaus in der sie im 2. Stock mit ihrem Mann eine Wohnung gemietet hat. Sie schloss die Haustür auf und fing gleich an uns alles zu zeigen und stellte uns ihren „2. Sohn“ vor. Die Katze namens Benjamin Franklin. Wir finge mit dem Wohnzimmer an. Hier hatten sie eine Klimaanlage, auf die sie ganz stolz sind, genauso wie auf ihren Gefrierschrank, Kühlschrank, Fernsehen , Toaster, Kaffemaschine und Herd. Ich hatte den Eindruck, dass all diese technischen Sachen ein Zeichen für ihren Wohlstand sind und sie gerne zeigt was sie sich leisten kann und erreicht hat. Neben dem Wohnzimmer gibt es zwei Arbeitszimmmer, ein Schlafzimmer, zwei Balkons mit Geranien, eine Bad und eine Gästetoilette. Jedes Zimmer hat eine andere Farbe. Mein absoluter Lieblingsraum war die rosa Küche. Ganz lange standen wir auch im Flur. Hier hingen Bilder von ihrer Familie, ihrem Sohn, den Verwandten und gemalte Städtebilder aus allen Reisezielen die sie schon besichtig haben: Wien, Marokko, Paris…
Sie hat sehr viele Bücher über Philosophie, Politik, Wirtschaft und Kunst in ihrer Wohnung. Modern gemalte Madonnen, abstrakte Gemälde. Kein einheitlicher Stil aber es zeigt viel von ihrer Persönlichkeit: Fröhlich, offen, neugierig, abwechslungsreich. Nach der Wohnungsführung führte sie uns zurück ins Wohnzimmer und brachte uns ein Eis. Melone und Schokolade, schön angerichtet auf einem Tellerchen mit Löffel und Blumenserviette. Die Atmosphäre war so warm und herzlich.
Nach dem erfrischenden Eis wollten wir erklären, was wir genau mit ihr vor haben. Sie sollte meine Kleider zeigen und sie so vor sich halten, als würde sie schauen ob sie ihr stehen. Doch da kam plötzlich ihr Mann dazwischen und hatte etwas dagegen. Er zeigte auf seine Uhr und meinte sie wollen jetzt zum Strand und hätten keine Zeit. Lucia schaute etwas traurig und bedrückt, stimmte aber ohne Wiederworte ein. Leider schafften wir es durch die Sprachbarriere, dass ihr Englisch ziemlich schlecht war und wir kein Rumänisch konnten, nicht, ihr wirklich zu erklären um was es geht und im nachhinein hatten wir bedenken, dass ihr Mann dachte wir wollen uns über seine Frau lustig machen. Petra schoss noch ein paar Bilder mit ihr in der Küche während ich meine Kleider wieder einpackte. Zum Abschied streichelte uns Lucia über die Backe und dann sind wir wieder verschwunden aus ihrem Leben.

Sie ist so eine clevere, weltoffene quirlige Frau. Insgeheim wünsche ich mir auch einmal so zu werden. Doch kann ich nicht verstehen, wie sie sich so von der Meinung und den Bestimmungen ihres Mann abhängig machen kann und alles was er sagt hin nimmt. Na, ja andere Länder, andere Sitten.

3 Kommentare

  1. Hey, lange Geschichte, aber echte coole Geschichte. liebe dein erstes Foto, sehr stylisch. Ihr habt echt sehr viel in Rumänien erlebt, kannst du schon den Artikel mit dem tollen Bild veröffentlichen :P Z.B auf *NEON* Oder so….
    Wünsche euch weiterhin immer mehr Spaß!

  2. Ja, tolle Geschichte & ein interessantes Bild! ES ist immer ganz schön unangenehm, wenn die Sprachbarriere dazwischen ist und man hinterher erst versteht, wie man rübergekommen ist. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Rumäninnen immer sehr offenherzig und freundlich sind (mit meiner Nachbarin als Ausnahme), die Männer eher skeptisch.

  3. Rumänien ist echt krass… In vielen Hinsichten. Aber das macht es ja spannend ;)
    @amenu Wie meinst du das mit Artikel veröffentlichen?

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